
Bunte Feder wachsen lassen
Ein bunter Vogel, dem einige bunte “Federn” gewachsen sind.
Hatte wohl auch immer seinen Grund, denk ich mir so.
Da sitzt er, als ob es das Normalste von der Welt wäre,
so im Park zu sitzen.
Aber ist es das nicht auch?
Habe ich selbst nur nicht den Mut,
die mir gewachsenen bunten Federn zu zeigen.
Schlucke ich nicht viel zuviel runter,
anstatt es mir zu Kopf steigen zu lassen?
Mir fehlt dieser Übermut.
Ich zeige lieber Klassisches, Modisches und Braves
und halte mich eher blass auf einer hinteren Parkbank zurück.
Er aber - wie ein Erleuchteter sitzt er da und ist eins mit sich.
Lach nicht von hinten über den Paradiesvogel da vorne!
Zeig deine bunten Federn! Dann kannst du farbenfrohe Früchte tragen!
Und darfst entspannt und schamlos neben ihm in der ersten Reihe sitzen.
m Paradies!d säen
Halte dich nicht hinterm Berg.
Ich will dich sehen
Komm mit

Dame im Spiel
Alte Weisheit
Schafft den Anstieg
Obwohl es bergab geht.
Doch mit keckem Hut und Stock
Geht's auch irgendwie auch bergauf.

Grünkraft
Durchbrechen
Nicht durchfallen
Schlupfloch suchen
Nicht verzweifeln
Lebensraum erobern
Nicht erstarren
Starrsinnig durchwachsen

Gnadenzeit
Die Zeit soll still stehn
Wie gewinn ich sie
Will den Film mit ihr drehen
Führt sie doch Regie.
Sie teilt lange Minuten
in kurze Sekunden
muss mich doch sputen
und sparen die Stunden.
Kann ich sie messen,
von mir überzeugen,
sie einfach vergessen,
mich doch vor ihr beugen?
Sie lässt sich nehmen.
Bleibt bei dir selbst.
Kann dich bequemen.
Wenn du sie hältst.
Sie kann dich beschränken.
Mit klaren Grenzen
Wie heimlich lenken
In gutes Faulenzen.
Sie kann dich auch treiben
Bringt voll dich in Schwung.
Bewegen trotz Leiden.
Verheißt Besserung.
Sie ist nicht dein Feind,
sondern wirklich sehr gnädig.
Auch wenn es so scheint:
Sie erwartet dich stetig.

Handlungsrichtlinie
Bunte Fäden verweben.
Auf dem Teppich bleiben.
Schätze stapeln und leben.
Graue Farbe vertreiben.

Dattelernte
Unter Palmen stehe ich
und zwischen Elfenbeintürmen.
Ich suche meinen Weg.
Unzählige Stufen führen mich nach oben.
Im Turm links gibts alles umfassende Wellness.
Im Turm rechts gibt es den kompletten Konsum.
Alles, was mein Herz begehrt?
Aufstieg zum Thron,
um das Leben in den Griff zu bekommen.
Auch am Palmsonntag kann ich hier einkaufen
und mich verwöhnen lassen.
Aber eigentlich will ich mich nicht dran gewöhnen
an dieses Immer-Aufsteigen-Müssen!
Das bringt mich auf die Palme!
Vielleicht gibts oben in der Palme
bessere Ideen für meine nächsten Schritte
auf einer angemessenen Stufe
als oben auf der allerhöchsten?
In moderater Baumhöhe nach herrlichen Datteln greifen
mit Aussicht auf ein gut abgestuftes Leben
statt dämliches Daddeln gefangen im Netz
zwischen Elfenbeintürmen.
Bring mich auf die Palme, Gott!

Mit Köpfchen
Losgezogen.
Kopflos.
Sorglos.
Festgebunden im Gruppenzwang.
Aber wer keinen Kopf hat,
kann sich einen machen.
Mit Sorgen. Mit Ängsten. Mit Liebe.
Eingebunden in Gruppendynamik.
Das große Los gezogen!

Verkehrsfluss
Auf den ersten Blick habe ich den Baufehler gar nicht bemerkt. Auf dem zweiten Blick hab ich gesehen, dass es gar kein Baufehler ist. Verkehrte Welt. Wenn in einer Altbauruine jemand wohnt, der ein dichtes Dach über dem Kopf braucht, dann macht es Sinn, das Regenwasser der Dachrinne in die preiswerte Wohnung zu leiten. Vielleicht nicht zum Trinken, aber doch zum Nutzen für alles Andere. Was für den einen ein dummer Fehler ist, ist für den anderen genau richtig. In der jeweiligen Welt ist eben nichts verkehrt. Ich wünsche mir einen scharfen ersten und zweiten Blick in die Welten dieses neuen Jahres - ohne Vorurteil. Klingt doch nicht verkehrt - oder?

Haltebucht. Halte-Bucht
Haltestelle. Halte-Stelle
Anhalten. Stehen. Sehen.
Aussichtspunkt. Anhaltspunkt. Standpunkt.
Die Stellung halten.
Auf den Punkt landen.
Hoffnung tanken.
Weiterfahren:
von Haltebucht zu Haltebucht…
und … Ankommen!