Gutes Blatt im Spiel
 


 

Heute ist das Leben fein

Steck den Rüssel tief hinein:

Find schon was in dieser Mitte,

was ich doch ganz gerne hätte.

Jedes Blatt kann ich nun wenden.

Nein, das ist kein Zeit-Verschwenden.

Wie man's wendet, wie man's dreht.

Niemals ist es je zu spät.

Nur so wendet sich das Blatt.

Wenn man seine Hoffnung hat.

Seinen Rüssel gründlich putzt

Und in fleißig auch benutzt.

Tiefgang dringt ins Leben ein.

Morgen wird es auch so sein.

Rot-Grün-Demonstration

Auftritt mit sechs Beinen ohne Spitzenschuhe.

 

Kein Unterhaltungstanz.

 

Einfach konzentriert den A…. hochkriegen und dabei nicht rot werden, sondern die Rote Karte zeigen.

 

Denen, die Lebensraum mit Füßen trampeln.
 

(In Klammern noch ein paar Infos, die niemand ausklammern sollte: Die Rote Heidelibelle demonstriert in der sogenannten Obelisk-Stellung gegen die durch den Klimawandel sich häufenden Hitzewellen. Sie richtet den Körper so aus, dass die schmalste Seite zur Sonne zeigt. So verringert sie die Fläche, die von den Sonnenstrahlen getroffen wird. Dadurch kühlt ihr Körper ab und Hitzeschäden werden verhindert. Noch vor dreißig Jahren war das noch nicht so oft nötig, sagt sie. Auf ihrem schmalen Leib steht in roten Lettern: Umweltschutz ist der beste Hitzeschutz!)

Vermummungsgebot

 

Heute hat es bei mir gebrummt.

Ich musste immer weiter fliegen.

Der Blütenstaub hat mich vermummt.

Doch blieb kein Pollenkörnchen liegen.

 

Ich knie mich schon ganz gerne rein

und sammle ein für die Familie.

Will mich durchaus kümmern fein

und dabei streif ich manche Lilie.
 

Alle öffnen sich sehr gerne.

Ihre Kelche sehnen sich süchtig.

Hören mich wohl schon von ferne.

Wissen sofort: Ich bin tüchtig.

 

Stundenlang zwar nützlich schaffen.

Manchmal bin ich es auch leid.

Sind die Flügel am Erschlaffen,

trag ich noch stolz mein Arbeitskleid.
 

Jetzt muss ich mich ja nur noch putzen?

Hab ich doch alle Mahlzeiten vergessen!

Mein Arbeitsstaub macht jetzt den Nutzen.

Der Waschgang wird zum Abendessen.

Schwarz-Rot-Gold

 

Der Gemeine Bienenkäfer zeigt Flagge gemeinsam mit dem Löwenzahn.

Es kommt schon drauf an, mit wem man sich gemein macht und mit wem man gemeinsam Flagge zeigt.

Gut. wenn ich nicht auf einer Farbe festsitze und meine Farbe nur dort einbringe.

Offen sein für die Farben auf der Wiese der Kulturen und Nationen.

Sich gegenseitig besuchen und ernähren.

Dann machen wir uns gemein und es sieht keiner nur Schwarz oder nur Rot. Dann entdecken alle gemeinsam das Gold.

Schwarz-Rot-Gold.
 

Kehrtwende
 

Du solltest dich mal schnell einfädeln.

Und schön brav mit dem Schwanz wedeln.

Musst im Gleichschritt mit uns laufen.

Und dem Anführer alles abkaufen.

Der weiß immer, wo es langgeht

Und auch morgen noch viel Gras steht.

Schließ dich an und sei getrost.

Andernfalls wird er erbost.

“Ich aber geb euch zu bedenken:

Soll einer eure Schritte lenken?

Wer sagt euch denn, er hat den Plan,

dem jeder von euch folgen kann.

Ich blase nicht mehr in sein Horn.

Dreht euch Mal um, dann steh ich vorn.

Da mach ich doch lieber die Kehre:

Vielleicht kommt euch was in die Quere.

Und wenn ich mir's recht überleg.

Hab ich ne Spur für meinen Weg.

Ich folg mal meiner eigenen Nase.

Ganz ohne dass ich sinnlos rase.

Vertrau mir selbst und meinem Schritt

Und nehme so das Leben mit.

Da brauch ich gar nicht lange fädeln.

Und muss auch mit dem Schwanz nicht wedeln.

Vertrauenswagnis

 

Auf die Plätze! Fertig! Los!

Wie soll das denn gut gehen?

Schneckentempo ist tödlich.

Auf gnadenlosem Asphalt.

Kehr lieber um!

Beschränke dich!

Ist doch auszuhalten auf deiner Seite!

Bleib Zuhause!

“Fühlt sich für mich nicht gefährlich an:

Kurze schwarze harte Piste.

Drüben leuchtendes saftiges Grün.

Muss mal auf die andere Seite schauen.

Rein und raus aus meinem Schneckenhaus.

Wer sein Haus immer dabei hat,

muss nicht zuhause bleiben.

Auf die Plätze! Fertig! Los!”

Schnecke macht Tempo
 
 

Da hat sich eine Gartenschnecke entschieden, den Garten zu wechseln. In Erfurt ist sie zugestiegen und hat 40 km Trittbrettfahren auf dem Kotflügel meines Autos bei Autobahngeschwindigkeit gut überstanden. Man muss sich eben nur gut festhalten können. Dann kommt man durchaus atemberaubend schnell vorwärts, auch wenn man zur Schnecke gemacht worden ist. Es war sicher eine berauschende Reise. Schnecke wird zum schnellen Flitzer. Was doch alles möglich ist… Hören wir ihr mal zu:

 

Lass dich nicht zur Schnecke machen.

Du kannst fahren hundert Sachen.

Kannst dem Ungewissen trauen

und auf deine Kräfte bauen.

Nutze die Gelegenheiten.

So verkürzen sich die Zeiten.

Doch jeder lebt nach seinem Stil.

Langsam kommt man auch ans Ziel.
 

 

"Hand vor den Mund!"
 

Das würde wohl jede Menschen-Mutter zu ihrem Kind sagen, wenn es jemandem so frech ins Gesicht gähnen würde, wie diese Katze. Sie macht einfach und denkt vielleicht: Ich bin müde und dann kann mir auch jeder dabei tief in den Rachen blicken. Die Pfote kommt nicht davor! Ich mach hier jetzt alles frei Schnauze!

Ist das nicht eine herrliche Vorstellung!? So völlig frei von allen Verhaltensregeln das, was drinnen los ist, ungefiltert nach außen zu zeigen: “Mir gefällt es auf dieser abschüssigen Dachkante und ich matte hier solange ab, wie ich will und gähne so oft ich will!”

Da ist jemand ganz bei sich, aber irgendwie hat das auch etwas Gesundes: Nur im Augenblick sein dürfen. Ganz bei mir und dem, was ich gerade fühle und nicht beflissen dahin schielen, wo jemand sein könnte, der sich an meinem Gefühl gerade stören könnte. Ich darf mich fühlen und mich zeigen. Ich kann jetzt der Mensch sein, der ich gerade bin! Ich wünsche mir ein paar mehr dieser heilsamen Frei-Schnauze-Momente…

Schwebfliege trifft Schwalbenschwanzraupe
 

Fliegst du schon

oder kriechst du noch?

Summt der Ton

oder klafft ein Loch?

 

Wieviel noch fressen

und runter schlucken?

Geht's nur ums Essen 

und bequem dafür ducken?
 

Ich zeige bunte Farben,

die doch bald verschwinden.

Doch nicht die Narben!

Wird dann auch keiner verbinden.
 

Beim Nagen am Grün 

denk ich an Verwandlung.

Der Traum ist am Blühn,

verlangt aber Handlung.
 

Ich beginn das zu üben.

Fang an Fäden zu spinnen

Will mich nicht belügen.

Kann doch nur gewinnen.

 

Nach geduldigen Warten 

werd ich mich entpuppen

und flatternd durchstarten 

ohne sichere Schuppen.
 

Ich kann mich verändern 

durch Metamorphose 

Erreicht sie die Ränder, 

geht sie nicht in die Hose.

Deichgedanken


 

Ich bin nicht einsam.

Sieht nur so aus.

Musste einfach nochmal raus.

Hab ne Menge mit meinem Löffel gefressen

und stundenlang auf den Eiern gesessen.

Hab sie vorsichtig öfter gedreht

Und gespürt wie sich drinnen einiges regt.

Sicher hat es sich bald gelohnt

und das Nest wird von Löfflerkindern bewohnt.

Dann hat sich gelohnt das Sitzen.

Wenn die Kleinen mir um die Beine flitzen.

Da komm ich dann bestimmt in Stress

So bin ich heute Abend mal ganz kess.

Die Eier werden so schnell nicht kühl.

Ist ja eh ein bisschen schwül.

Und hier oben auf dem Deich

Verwöhnt die Sonne mich noch reich.

Sagt mit ihren roten Farben:

Morgen musst du auch nicht darben.

Komme morgen noch geschwinder

und erwärm mit dir die Kinder.

Bald werden viele Löffler hüpfen

und unter deine Flügel schlüpfen.

Hole tief Luft und tauche ein.

Niemals wirst du einsam sein.

Wunsch

 

Endlich die Ruh

Und alles geschafft

Äuglein fein zu

Glieder erschlafft.
 

Träumen ins Morgen

Tiefes Entspannen

Und alle Sorgen

Für immer verbannen

 

Strahlen des Tages

Wärmen den Rücken

Zukunft bringt Vages

Oder volles Entzücken

 

Nehm wie es kommt

Bewege die Glieder

Beginne prompt

Versuche es wieder

 

Angestachelt

 

Stachelt hier schon

trotz schönem Blau.

Bekomm den Lohn,

bin durchaus schlau.

 

Mitten in Spitzen

wachsen die Blüten.

Doch es gibt Ritzen,

die das Mühen vergüten.

 

Immer dazwischen

kann ich mich laben.

Die Blüten erwischen

und Nahrung haben.

Platz nehmen
 

Ich nehme mir meine Zeit.

Für meinen Platz.

Ich hab ihn gefunden.

Wie sieht es bei dir aus?

Erzähl mir von deinem!

Hältst du ihn in Ehren?

Suchst du ihn täglich auf und schaust zurück und voraus?

Findest du dort dein Futter und futterst dich auch satt?

Jagst du dem Leben nach und machst Beute?

Hörst du die Stille?

Stillst du deinen Hunger?

Trinkst du dich satt?

Leuchten deine Augen?

Kannst du sie auch vertrauensvoll schließen?

Siehst du auch im Dunkel?

Nimm dir deine Zeit! Für dich auf deinem Platz.

Fluglotse

 

Am Weg warten.

Blaulicht einschalten.

Senkrecht hochstarten.

Blüte entfalten.
 

Landeplatz bieten

Nektar ausschenken.

In tanzenden Riten

den Flugverkehr lenken.
 

Nahrung geben

in Weges Brandung.

Befruchtung erleben

bei jeder Landung.
 

Mit voller Beladung

ist der Flieger gestartet.

Hab in blauer Verkleidung

nicht umsonst gewartet.

 

Volle Hosen für die Brut

machen sicher den Staat.

Und der Samen reift gut,

wenn man Wartezeit hat.

Grashüpfer

 

 

 

Komm auf einen Sprung vorbei.

Springen wir über den eigenen Schatten!

Helfen uns auf die Sprünge.

Gibt nichts zu verlieren

außer den Sprung in der Schüssel.

Vielleicht ist das der Schlüssel?

Zum Lebensraum.

Zur Spielwiese.

in Weges Brandung.

Befruchtung erleben

bei jeder Landung.

Keine Angst vorm freien Fall
 

Heute ist es gut zu sehn

Auch auf Stein liegt sich's bequem.

Sonne wärmt am Tag die Mauer.

Macht mich überhaupt nicht sauer.
 

Muss nicht auf der Lauer liegen.

Darf mir ruhig die Kante geben.

Die Pfotenkissen vorm Gesicht.

Halt im Traum ich Gleichgewicht.

 

Ja der Abgrund scheint ganz nah,

was ich zunächst auch so sah.

Irgendwie kam das Vertrauen

Und ich begann darauf zu bauen.
 

Wenn es dennoch droht zu kippen,

fang ich einfach an zu wippen.

Schaukel mich zurück in Waage.

Fallen kommt doch nicht in Frage.

 

Fragst du, woher kommt der Mut.

Dass er ja fast fliegen tut.

Ich verrat’s dir im Vertraun.

Du darfst nur nicht runterschaun.

Lichtungsweisung

 

 

Wo bin ich hier nur gelandet?

Sieht alles ja wirklich alles so gleich aus.

Kommt rechts oder links aufs selbe raus?

Bin ich mitten im Wald gestrandet?

 

Wer weist mir die Richtung?

Vertrau deinem Spürsinn!

Da bist du doch gut drin.

Er führt dich zur Lichtung.
 

Von dort nimmst du neue Fährte auf

Von vorn oder von hinten.

Wirst alles schon finden.

Ganz allein nimmt der Weg seinen Lauf.

 

 

Gebet des Distelfalters

 

Du

Leitest den Himmel

Legst Blüten auf Erden

Lockst duftend mit Farbe.

Leihst mir deine Flügel.

Lenkst meinen Flug.

Lädst ein zum Landen.

Lächelst mir zu.

Liebst mich mit Fehlern.

Löschst meinen Durst.

Lüftest die Hitze.

Lackierst mich neu.

Lehrst gutes Leben.

Lauschst meiner Rede.

Langweilst dich nicht.

Lügst mich nicht an.

Leidest mit mir.

Liegst nicht entfernt.

Leuchtest mir heim.

Liebst mich.


 

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