Geistlich

Himmelsleiter

 

 

Den Himmel kann ich auch von unten betreten.

Ich muss mich ihm einfach zu Füßen legen.

Halt den Fuß ins weite Firmament

und schon bekomm ich ein himmlisches Patent.

 

Das hat auf Erden durchaus seinen Wert,

auch wenn man sich hier oft beschwert.

Doch die Erkenntnis ist ganz leicht:

Der Himmel hat mich bereits zu Fuß erreicht!

 

Ganz egal, wohin die Füße zeigen.

Sie bewegen sich im Reigen.

Tragen Herzen irdisch zueinander.

So geht Liebe himmlisch wandern.

 

 

Gott.

Du hast ein Auge auf mich.

Durch beängstigende Wolken,

die ich nicht durchschauen kann,

dringst du hindurch.

Du siehst mich.

Ich stehe nicht allein auf weiter Flur.

In Augenhöhe mit Dir.

Das macht dein Licht,

das mich ganz in eine neue Farbe taucht.

Komm tauch mich in dein Licht!

Lass mich deine Farben tragen!

Du dimmst meine Abenddämmerung

wieder Richtung Morgenlicht.

Wir blinzeln uns zu,

funkeln dem Grau der Wolken entgegen

und kommen durch allen Hagelschlag.

Gott!

Hab auch morgen ein Auge auf mich!

 

 

Himmelfahrt übers Meer.

Wellen reiten.

Gischt im Gesicht.

Salz in der Suppe.

Ins Schwimmen kommen.

Ankommen Zug um Zug.

Zum Zug kommen.

Den Blumentopf sprengen.

Sonnenwärts blühen.

Stufen erklimmen.

Unter Laternen singen.

Sich tummeln.

Sehen und sich sehen lassen.

Auf der Strandpromenade.

Zwischen Himmel und Erde.

In beiden Richtungen!

Übers Meer.


 

 

 

 

 

 

 

Ich glühe.

Bin fast ausgebrannt.

Bin so ziemlich runtergebrannt.

Bin irgendwann dann abgebrannt.

Bin über den Horizont durchgebrannt.

Bin noch da.

Unter der Asche.

Hinter dem Horizont.

Glühe ich.

 

 

 

Haltebucht. Halte-Bucht

Haltestelle. Halte-Stelle

Anhalten. Stehen. Sehen.

Aussichtspunkt. Anhaltspunkt. Standpunkt.

Die Stellung halten.

Auf den Punkt landen.

Hoffnung tanken.

Weiterfahren:

von Haltebucht zu Haltebucht…

und … Ankommen!

 

Karmontag - 1. Kreuzwegstation

 

Berlin-Charlottenburg 

überbrücktes Zuhause
 

 

Kompakt möbliertes Zuhause

unter S-Bahn Brücke.

Kann ein Mensch hier zuhause sein?

Kommt Adam, der Mensch und sagt:

“Du bist wie ich. Ich liebe dich, Eva!”?

Kommt Eva und sagt:

“Du bist wie ich. Mensch,

Adam, ich liebe dich!” ?

Komm ich und sage:

“Du bist wie ich.

Ich liebe Dich, Mensch.”?

Oder gehe ich lieber nach Hause…?

 

Karmittwoch - 3. Kreuzwegstation

Reißfelder

 

Fassaden überleben

eine gewisse Zeit.

Erst feine Risse.

Dann große.

Auch der Gerissenste

kann seinen tiefgehenden Riss

nicht verbergen

und wenn er noch so oft

drüber streicht.

Grundhafte Renovierung

ist ein Kreuzweg.

Grundhaftende Erneuerung

ist eine Auferstehung

über gewisse Zeit hinaus.

Wage dich auf den Kreuzweg.

Grund ist die Auferstehung.

Jetzt schon!

 

Kardienstag - 2. Kreuzwegstation

 

Reißfelder
 

Wer sich nicht eintüten lässt,

kommt schnell unter die Räder.

Lass dich nicht vollstopfen mit dem,

was du nicht brauchst

und dich beschwert!

Lass dir nicht die Taschen füllen!

Beschwer dich!

Schaffe Raum,

damit du mit der nächsten Brise

noch abheben kannst,

bevor du überrollt wirst!


 

 

 

Gebet des Distelfalters

 

Du

Leitest den Himmel

Legst Blüten auf Erden

Lockst duftend mit Farbe.

Leihst mir deine Flügel.

Lenkst meinen Flug.

Lädst ein zum Landen.

Lächelst mir zu.

Liebst mich mit Fehlern.

Löschst meinen Durst.

Lüftest die Hitze.

Lackierst mich neu.

Lehrst gutes Leben.

Lauschst meiner Rede.

Langweilst dich nicht.

Lügst mich nicht an.

Leidest mit mir.

Liegst nicht entfernt.

Leuchtest mir heim.

Liebst mich.


 

Blick ausrichten
 

Advent heißt Ankunft. Da kommt noch was.

Gegen den resignierten Spruch.

Ist doch schon alles gelaufen.

Advent ist die Zeit der Erwartung.

Da fehlt noch was...

Da werden die Schotten nicht dichtgemacht,

sondern Türen geöffnet.

Gott hat sich wieder neu in Bewegung gesetzt

und will bei mir ankommen.

Wenn ich nicht dicht mache, schafft er es.

Er kommt unscheinbar auf einem Esel daher,

wie es in der Bibel erzählt wird.

Wer einen Esel zu reiten weiß,

der hat vielleicht auch einen Trick

wie er ein störrisches Menschenkind

dazu bewegen kann,

die Augen zu öffnen

und den kurzsichtigen gesenkten Blick

himmelwärts aufzurichten.

 

 

Gott um die Ecke
 

Der Auferstandene auf Außenmission.

Er musste wohl irgendwie raus aus den Kirchenmauern.

Wenn ich ihm ins Gesicht schaue, dann könnte er rufen:

“Leute, Leben fühlt sich gut an. Lasst uns was starten!”

Vielleicht fliegen wie die Taube am Himmel dahinter?

Aber schon verfangen sich meine soeben gewachsenen Flügel

in dem stählernen Netz,

das meinen startenden Jesus wohl vor nistenden Vögeln

und ihren Stoffwechselendprodukten schützen soll.

Der Auferstandene soll möglichst heilig und sauber bleiben.

Da war jemand gut auf Draht für Ordnung und Sauberkeit,

aber er hält den Lebendigen eben auch gefangen.

Hol den Lebendigen aus dem gut abgeschirmten Mauerkäfig!

Er will seine Mission bei dir starten.

Er scheut auch nicht,

was bei dir vorne und hinten so alles rauskommt.

Er freut sich, wenn du anders auf Draht bist

und mit ihm rauskommst.

Du darfst dich bei ihm auch alltäglich einnisten.

Dann ist die Mission erfüllt.

 

 

Raus aus dem Tee

 

“Hast du noch alle Tassen im Schrank!?”

Das ist ein Satz, den man nicht in der Höflichkeitsform schreiben kann. Der rutscht einem wohl immer im DU raus…

Diesen Sommer habe ich den Rosmarintee kennen und lieben gelernt und jetzt festgestellt, er passt durchaus auch zu Adventsplätzchen. Er soll helfen, den lähmenden Nebel im Hirn zu lichten.

Wenn jemand zu mir sagt: “Du hast ja wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank!” Dann könnte es ja durchaus daran liegen, dass sich da ein paar Nebelfelder in meiner Wahrnehmung und meinem Denken festgesetzt haben.

Der Rosmarin soll helfen, diesen Nebel wegzupusten und aufsteigen zu lassen. Probier's doch mal aus. Wenn es gut geht, führt regelmäßiger Genuß dazu, dass alle Tassen sich wieder im Schrank versammeln. Wohl bekomm’s!

 

 

 

 

 

Fassadenstruktur

 

Kann ich Beten studieren? Hier in Athen hat ein Künstler die 1508 entstandene zeichnerische Studie Albrecht Dürers zu den betenden Händen eines Apostels auf die Fassade eines Hochhauses gelegt. Ja die Hände scheinen geradezu liebevoll in den Alltag der Stadt und ihrer Bewohner, ja bis in ihre Wohnungen eingreifen zu wollen. Sie kommen aus dem klaren Blau des Himmels und durchbrechen sanft das Grau des Betons. Diese betenden Hände geben eine neue Struktur! Wie mag es sich in einer Wohnung leben, in der das Beten studiert (=eingeübt) wird? Es könnte doch ein neues Bild des Lebens sich abzeichnen, nicht nur wie eine Projektion auf der Fassade, sondern spürbar im Raum des Lebens, in meiner Wohnung, in meiner Straße, auf meinem Stück Erde? Hier! Lass uns reden, Gott! Beten studieren!

 

 

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