
Geerdet werden
Der Ewige hat knetend dir Gestalt verliehen.
Aus guter Erde dich gemacht.
So manchen Formverlust hat ER verziehen,
dich neu auf guten Kurs gebracht.
Auf Lebenskreisen, großen, kleinen,
ziehst du suchend deine Bahn.
Bist zu zweit und auch alleine,
und SEINE Augen sehen dich an.
Doch hin und wieder läuft es schief.
Verirrst dich selbst im schönsten Garten.
Der Gärtner ruft: „Wo bist du denn?
Muss ich noch länger auf dich warten?“
Versteck dich nicht in diesem Abstand!
Komm in die Nähe meiner Hände!
Ich scheue wirklich keinen Aufwand!
Werd dich gestalten ohne Ende!“

Fruchtstand
Voll ins Zeug legen.
Die Furchen ziehen.
Nicht zuviel abwägen.
Vor Neuland nicht flehen.
Durch Widerstand lernen,
geduldig zu stehen,
sich nicht entfernen,
das Ziel immer sehen
Im kurvigen Lebenlauf
vertrauen verwegen
und Früchte zu hauf,
dank voll ins Zeug legen.

Schauplatz
Verlassen wirken diese beiden Stühle. Wohl weil heute die Sonne nicht scheint. Aber eigentlich stimmt das gar nicht. Sie scheint, sonst wäre es dunkel und kein Stuhl und kein Meeresstrand wäre zu sehen. Sie scheint eben anders! Ihr Licht kommt auch durch den bremsenden Schleier der Wolken an.
Aber es ist doch hell und es ist warm. Zwar nicht so das Optimale, was ich mir für meinen ersten Urlaubstag in Marokko gewünscht habe. Aber immerhin zwei freie Stühle laden ein zum Blick in die Ferne und zum Meeresrauschenlauschen.
Vielleicht hat Gott mir diese Stühle ans Ufer gestellt! “Aber Gott, einer hätte auch gereicht!” Gott sagt: “Und wo soll ich dann sitzen?” Advent: einfach mal mit Gott zusammen sitzen. Sein Stuhl bleibt nicht leer, wenn ich erst einmal Platz nehme und lausche und Ausschau halte.

Berührungsträger
Schlußstein im tragenden Gewölbe.
Zwei Menschen.
Gott und Mensch.
Menschliche Begegnung.
Göttliche Begegnung mit dem Christkönig.
Treffen im Kreuz der Rippen.
Im Herz.
Berührung stiftet Beziehung und Halt.
Bergenden Schirm über das Schiff des Lebens.
Eine Hand voll Segen.
Berührt. Macht reich. Reicht.
Trägt das Kreuz, spannt die Rippen über meinem Atem.
Einatmen und Ausatmen.
Umrahmt von Engeln.
Bis zum Schluß.
Tank & Rast
An der Tankstelle steigen die Preise. In der Tank-Stille fällt hoffentlich der Groschen. Gut ist es, nicht nur schnell im Vorbeifahren das zu tanken, was wie Öl runtergeht und zum weiteren Gas geben verführt. Die Tank-Stille hat einen himmlisch freundlichen Tankwart. Ja, er wartet tatsächlich den ganzen Tag, dass ich bei ihm vorfahre, den Hochleistungsmotor stoppe, einkehre und in der Stille mich an seinen vollen Tank anschließe. Zur Begrüßung sagen wir beide wie aus einem Munde: “Wir müssen reden!” Der Redefluss in der Tank-Stille “kostet” nur Zeit, aber wenn für die arme Seele der Groschen fällt und sich etwas in ihr füllt, komme ich wieder auf Kurs und kriege die nächste Kurve.


Fang machen
Ich habe mein Netz ausgespannt.
Sorgsam geknüpft.
Damit ich möglichst viel vom Leben einfange.
Und genieße.
Ich dachte an Wohltuendes und Geschmackvolles.
Das habe ich auch empfangen.
Zuhauf - mit großem Dank.
In kalten Zeiten wuchsen spitze Kristalle,
die in den Zähnen ziehen
und mich kalte Füße bekommen lassen.
Ich vertraue deinem Licht, Gott.
Deine Sonne scheint in mein gebeuteltes Netz.
Es trägt.
Du schmilzt das Eis in warmes Wasser,
dass meinen Durst nach Leben wieder stillt.

Unterwegs
Die unzähligen Zugvögel auf ihrer Flugbahn.
Die zwei Enten ziehen ihre Bahn im eigenen Kielwasser.
Das Wasser ist unterwegs in seinem fließenden Bett.
Die Sonne nimmt ihre angestammte Bahn.
Geht auf, geht unter und wieder auf.
Die Erde unter meinen Füßen ist unterwegs auf ihrer festen Umlaufbahn.
Auch wenn ich erstarre oder festsitze,
der Schöpfer dreht am Rad meines Lebens.
n seiner Hand bin ich immer noch unterwegs.
Wie bin ICH unterwegs?
Abgehoben, fliegend und doch untergehend,
aber gut aufgehoben im Schwarm der Artgenossen?
In großen Zügen zweisam schwimmend zu neuen Ufern
oder bedenklich ins Schwimmen gekommen,
den Fluß des Lebens verloren?
Wohin bin ich unterwegs?
Zu neuen Horizonten. Zu neuen Brutplätzen.
Zu meinem neuen Flußbett. Zu neuen Nahrungsquellen.
Zu meiner neuen Umlaufbahn. Zu dir, Gott!
“Du hast meine Nieren bereitet und mich gebildet im Mutterleibe.
Ich danke dir, dass ich so wunderbar gemacht bin!”
(Die Bibel, Psalm 139,13-14).
Mit dir bin ich gut unterwegs.

Heute und morgen
Unerklärlich spärlich
ist heute das Licht,
ein Taumeln ganz ehrlich.
Das Zutrauen bricht.
DU kannst Ängste vertreiben
mit Deiner Hand,
die Zukunft beschreiben,
gibst mir einen Stand.
Lichtbahn wird gezogen.
Der Abend vergeht.
Morgen der Regenbogen
noch nicht zu spät.

Die Schwalbe machen
Wenn ich zur Ruhe kommen will, lege ich mich abends unter den freien Himmel. Da läuft noch eine Vorstellung: Die Schwalben beweisen ihre Flugkünste. Neben schnellem Gleitflug bleibt oft eine Schwalbe dem Anschein nach in der Luft stehen, ohne runterzufallen. Sie schlägt einfach ganz schnell mit den Flügeln. Es sieht so aus, als ob sie in der Luft steht. Kann ich mir das von den Schwalben abgucken? Wenn ich nicht fallen will, kann ich mit den Flügeln schlagen. Fliegend drüber stehen über dem, was mich runter zieht. Aber ich habe ja keine!
Der Prophet Jesaja in der Bibel sagt: Ich - nein eigentlich jede und jeder - hätte welche:
“Aber die auf Gott vertrauen, kriegen neue Kraft, dass auffahren mit Flügeln wie ein Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.” (Jes 40,31)
Ich habe versucht dieses Drüberstehen im Bild mit meiner Kamera festzuhalten. Es ist mir nicht gelungen. Vielleicht gelingt mir das eher, wenn ich daran festhalte, mit meinen mir vom Herrn des Himmels angebotenen Flügeln zu schlagen, wenn ich zu fallen drohe?! Statt eines statischen Bildes also ein gelebtes Motiv daraus machen! Adler muss ja nicht sein, ne Schwalbe tut's auch! Guten Flug auch im Stand!...

Geerdet werden
Der Ewige hat knetend dir Gestalt verliehen.
Aus guter Erde dich gemacht.
So manchen Formverlust hat ER verziehen,
dich neu auf guten Kurs gebracht.
Auf Lebenskreisen, großen, kleinen,
ziehst du suchend deine Bahn.
Bist zu zweit und auch alleine,
und SEINE Augen sehen dich an.
Doch hin und wieder läuft es schief.
Verirrst dich selbst im schönsten Garten.
Der Gärtner ruft: „Wo bist du denn?
Muss ich noch länger auf dich warten?“
Versteck dich nicht in diesem Abstand!
Komm in die Nähe meiner Hände!
Ich scheue wirklich keinen Aufwand!
Werd dich gestalten ohne Ende!“

Dankesglut
Ich schau mich um:
Grund zu danken ringsum.
Neben Stacheln auch Blühen
und dazwischen: Angst am Verglühen...

Blickwechsel
Einfach nach oben streben.
Blüten gen Himmel heben.
Nickend nur zuschaun.
Dem Gärtner was zutraun.
Der ist recht munter
und legt sich drunter.
Duftet ja schön.
Kann man auch sehn.
Blick schweift nach oben,
den Schöpfer zu loben.
Doch der liegt wohl auch.
Mit mir unterm Strauch.

Kreuzwortgebet
Wer hat mich wurzeln lassen?
Wer hat meinen Durst gelöscht?
Wer hat mich wachsen lassen?
Wer hat mich angestachelt?
Bist du mein Vater?
Bist du meine Mutter?
Bist du mein Bruder und meine Schwester?
Bist du mein Freund und meine Freundin?
Du schiebst mir Boden unter die Füße.
Du schenkst mir ein.
Du lässt dich bei mir nieder.
Du beschützt mich.
Gott, gib mir festen Stand!
Gott, steh bei mir in der Dürre!
Gott, lass mich blühen!
Gott, behüte mich!
Ich stütze mich auf dich.
Ich folge deinem Fluss.
Ich strecke mich in Licht.
Ich gebe nicht auf.
Danke für die Erde.
Danke für das Wasser.
Danke für die Luft.
Danke für das Feuer.
Dir gehöre ich.
Dir lausche ich.
Dir sag ich alles.
Dir vertraue ich.

Karsamstag - Nicht auf sich beruhen lassen
Hier ruht ein Unbekannter… Im Konzentrationslager Buchenwald wurde ein Jemand mit einem Lebensplan zu einem Niemand ohne Zukunft gemacht. Kann ich das auf sich beruhen lassen? Ruht diese Last des hier zu Grabe gelegten Unbekannten auch auf mir?
Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe des ermordeten Jesus von Nazareth. ER war kein Unbekannter. Die Verantwortung der Mörder ruht auf ihren Seelen wie die Grabplatte auf dem Leib des getöteten Unbekannten.
Wenn ich meine Verantwortung heute wahr-nehme und Menschenverachtung nicht auf sich beruhen lasse, wenn ich meine Stimme erhebe für den Unbekannten und nicht zulasse, dass ein Jemand zur Nummer gemacht wird, werde ich als ein mutiger Bekenner erkannt werden.
Gott weck mich auf aus meiner lastenden Seelen-Ruhe und lass mich aufstehen, wenn ducken verlangt wird! Dann lautet die Inschrift am leeren Grab: Hier ruhte ein Unbekannter. Jetzt ist er fürs Aufstehen bekannt.

Guten Abend, Gott!
Ich danke dir am Abend dieses Tages.
Ich habe viel Licht gesehen.
Noch immer sehe ich es.
Noch immer leuchtet es.
Es verlässt mich auch nicht
mitten im Dunkel der kommenden Nacht.
Es bleibt in meiner Mitte.
So wie DU.
DU bleibst in meiner Mitte,
wenn das Dunkel da hereinbricht.
Du fliehst nicht vor meiner Dunkelheit.
Ich bin nicht allein
inmitten meines Dunkels.
WIR sind zusammen.
Im Dunkel und im Licht.
Dein Licht bricht das Dunkel.
Dein Licht bricht in mein Dunkel herein.
Morgen bricht mein Licht aus dem Dunkel.
Zusammen mit DIR.
Amen. So wird es sein.
Guten Morgen, Gott!
Brechen WIR auf!

Gott im Himmel.
Heute ist mein Gebet spitz.
Es sticht in den Himmel.
Gut, dass du nicht da oben bist
Ich muss mich nicht zu dir durchstechen
oder dich mit tollen Worten bestechen.
Bist längst runtergekommen von der Himmelspitze
auf den Leitersprossen meines spitzen Betens.
Ich rede mit dir. Du bist mein Gott
und ich bin spitz auf deine Antwort.
Du bist so nah. Gleich neben mir.
Aber sag was!
Ich brauche ein Wort, eine Berührung, ein Zeichen. Eine Melodie. Einen Horizont.
Du weißt schon was!
Ich sitze und spitze Ohren und Herz.
Gut, dass du nicht im Himmel bist!
Gut, dass du hier bist. Bei mir.

Rahmengestaltung für Gestaltungsrahmen
Kunst wird erst durch das Zusammenspiel mit ihren Betrachter zur Kunst. Sagt zumindest Umberto Eco. Dieses Kunstwerk hier bietet nur einen Rahmen mit grauer Füllung oder ist es eine graue Leere? Also ein Spielraum, um mich farblich einzumischen? Ist das mit Ostern und dem Vertrauen auf Gott etwa auch so eine Kunst? Gott stiftet den Lebens-Rahmen und lädt mich dann in seine Künstler-Werkstatt-Schule ein, damit ich die Leinwand meines Lebens mit-gestalte. Er fängt an zu malen und ich kann beobachten, lernen Farben zu mischen und wie der Pinsel geführt wird und welche Motive eine Rolle spielen könnten. Aber dann tritt er zurück und ICH bin dran, die Künstlerrolle mit ihm gemeinsam auszufüllen. Ist Ostern etwa SEINE alltägliche Ermächtigung, meinen Lebensrahmen mir neu aus- und aufzumalen, Farben zu mischen und Motive in Szene zu setzen? Vom Schüler zum Meister zu werden mit offenen Ohren für Hinweise. Eben vom reinen Betrachter zum Künstler werden! Frisch ans Werk! An mein, nein , UNSER Kunstwerk.

Himmelsleiter
Den Himmel kann ich auch von unten betreten.
Ich muss mich ihm einfach zu Füßen legen.
Halt den Fuß ins weite Firmament
und schon bekomm ich ein himmlisches Patent.
Das hat auf Erden durchaus seinen Wert,
auch wenn man sich hier oft beschwert.
Doch die Erkenntnis ist ganz leicht:
Der Himmel hat mich bereits zu Fuß erreicht!
Ganz egal, wohin die Füße zeigen.
Sie bewegen sich im Reigen.
Tragen Herzen irdisch zueinander.
So geht Liebe himmlisch wandern.

Gott.
Du hast ein Auge auf mich.
Durch beängstigende Wolken,
die ich nicht durchschauen kann,
dringst du hindurch.
Du siehst mich.
Ich stehe nicht allein auf weiter Flur.
In Augenhöhe mit Dir.
Das macht dein Licht,
das mich ganz in eine neue Farbe taucht.
Komm tauch mich in dein Licht!
Lass mich deine Farben tragen!
Du dimmst meine Abenddämmerung
wieder Richtung Morgenlicht.
Wir blinzeln uns zu,
funkeln dem Grau der Wolken entgegen
und kommen durch allen Hagelschlag.
Gott!
Hab auch morgen ein Auge auf mich!
Urlaub mit Erzengel
Macht ein Erzengel Urlaub auf dem Bauernhof? Sicher haben wir schon mal den Gedanken gehabt: “Ein Fußvolk-Engel reicht jetzt bei der Größe meines Problems nicht aus. Es sollte schon einer der vier Erzengel sein.”
Wenn es nur vier davon gibt, sollten die ja auch besondere Kräfte haben. Erzfeinde sind die schlimmsten. Erzengel die besten. Die können harte Werktage und Leidenstage im Nu in einen heilenden Urlaub und das Leben in einen gut laufenden idyllischen Bauernhof verwandeln?!
Vielleicht aber ist es mit den Erzengeln ähnlich - nur andersrum - wie bei dem Sprichwort: “Wenn alle klauen, kommt keinem was weg!”
Im Umkehrschluss hieße das dann wohl: Wenn alle was (von ihren Engelsqualitäten) geben, dann kommt keiner in Not!
Erzengel fallen nicht vom Himmel. Sie machen sich hier unten auf den Weg und weisen in eine gute Richtung, die Erholung und Heilung wie im Urlaub verspricht.
Also: links abbiegen! Erzengel werden!
Mit meinen besonderen Gaben Geplagte zu Urlaubern machen!

Familienzusammenführung
Ist das nicht der rot lackierte Cabrio, den Maria und Josef vor dem Stall geparkt haben? Die weiße Laterne muss von den Hirten sein, die den angekündigten Retter suchten und hinten an der Wand auf dem Bild das könnte einer der drei Weisen aus dem Morgenland sein. Er sieht aber ein bisschen wahnsinnig aus.
Der Stall ist zum leeren Schaufenster geworden. Die verfallende graue Stadt spiegelt sich ins Wohnzimmer der Heiligen Familie. Aber die ist nicht mehr da. Der Kinderwagencabrio ist verwaist. Die Laterne ohne Licht.
Zoomen wir uns doch mal in diesen Ausstellungsraum: Schauen wir rein. Schauen wir raus. Legen wir unser inneres Christkind in den roten Flitzer und fahren es aus! Stellen wir unser kleines Licht in die Laterne und erleuchten die Stadt! Hüten wir uns nicht zu sehr vor den scheinbar Wahnsinnigen. Wir könnten auch zu ihren Hirten werden und so zu den Weisen, die auch morgen noch Land sehen. Wir sind die Heilige Familie! Mit uns verlässt sie das Schaufenster ins wahre Leben! Bitte Ausfahrt freihalten!

Pilgergeist
Pfingsten heißt übersetzt: 50. Tag nach Ostern.
Heute sind mir gefühlt mehr als 5000 Pfingstrosen auf meiner kleinen Wanderung begegnet.
Jede einzelne hat ihre Botschaft in meine Seele gegossen.
Vielen Pilgern bin ich begegnet, die sich auch diesen Herz und Geist erfüllenden Guss abholen wollten.
Frohe Pfingsten haben wir uns gewünscht und gestrahlt. Weil der große Gärtner uns durch seinen blühenden Geist verwandelt hat. Von eigentlich Fremden zu vom gleichen lebendigen Geist Beseelten.
Pfingsten heißt übersetzt: Gott gießt seinen Geist aus. Und wir sind uns im Leben nicht mehr fremd. Werden einander heilig. Sind des gleichen Geistes Kind.

Umweg zum Ziel
Es gibt Autobahnen in meinem Kopf. Meine Gewohnheiten im Handeln laufen wie auf Autobahnen. Meine Gedanken sind wie schnelle Autos unterwegs und bewirken die festgefahrenen Verhaltensmuster, unter denen ich selbst und andere leiden. Viel schwerer ist es, sich auf Trampelpfaden durch ein Tal zu quälen und immer wieder neu entscheiden zu müssen, wo es lang geht.
Mit einer Brücke geht's noch schneller von A nach B. Spart Zeit aber auch wertvolle Erfahrungen, die ich beim Durchfahren der Talsohle hätte machen können.
Welche Autobahnen will ich in Richtung von Trampelpfaden umgestalten und welche Trampelpfade möchte ich zu Autobahnen ausbauen? Vielleicht hilft eine Weg-Projekt-Skizze, den Verkehr in meiner Leitstelle zu regeln. Vielleicht komme ich so auch in Bethlehem an - gemeinsam mit anderen HirtInnen und SterndeuterInnen! Nicht schnell schnell von A nach B, sondern auf scheinbaren Umwegen zu C. Dem Christkind. Ich darf es mitnehmen und ihm einen festen Arbeitsplatz in meiner inneren Leitstelle geben.


Predigt zur Sommerweihnacht
Ich warte auf Weihnachten.
Fang mit Johannis schon an.
Lass grün mich betrachten.
Täglicher Taufgang ist dran.
Wenn du mir Wasser gibst.
Trage ich deine Lichter.
Dass du dich liebst
Wie auch andre Gesichter.
Ich rede zu euch mit Nadelstichen.
So werdet ihr Menschen nicht bestehen.
Der Teufel hat sich ins Ohr geschlichen.
Bald könnt ihr nur euch selbst noch sehen.
Zu Weihnachten steckt mir die Lichter auf.
Dann räumt der Dunkle doch seinen Thron.
Von der Krippe nimmt ein Kind seinen Lauf.
Doch in deinem Herzen wohnt es schon.

Fahrt aufnehmen
Ostern ist nicht vorbei. Seit vierzehn Tagen fährt der Zug auf einer anderen Schiene. Die Weiche dafür wurde schon vor 2000 Jahren gestellt. Die alljährliche Osterbotschaft ist die erinnernde Lautsprecherdurchsage auf meiner momentanen Lebensstation: “Bitte einsteigen, Türen schließen und hoffnungsfrohe Vor-Sicht bei der Ausfahrt des Zuges!”
Die Ostereier-Wunder sind manchmal versteckt und lassen sich finden oder leuchten und geben gutes Signal, damit ich in der Spur bleibe und guten Zug behalte. Fahr nicht vorbei! Fahr mit! Komm an! Brich auf!

Aktionskunst
Gottes Pflanzschaufel in Aktion.
Ist er unsichtbar doch noch am Schaffen?
Vielleicht bei mir?
Was gäbe es denn bei mir umzugraben?
Welches Pflanzloch wartet darauf, ausgehoben zu werden?
Oder bleibt die Pflanzschaufel nur ein sicherheitshalber eingezäuntes Ausstellungsstück im Park des Museums für Zeitgenössische Kunst?
Sie sagt doch: “Gott ist mein Zeitgenosse!”
ER schaufelt. Ich pflanze.
Genossenschaft in Zeit und Ewigkeit.
Aktionskunst.

Neueinkleidung
“Wie die neugeborenen Kinder" so heißt der Sonntag, der auf den gestrigen Ostersamstag folgt oder auch "Weißer Sonntag”. In der Frühen Kirche war es üblich, dass die in der Osternacht vom Karsamstag zum Ostersonntag getauften neuen Gemeindeglieder ihre weißen Taufgewänder die folgende Osterwoche trugen und erst nach dem Gottesdienst am “Weißen Sonntag” gegen die Alltagskleidung tauschten.
Taufe - das war für sie eine neue Geburt. Mit Gottes Zusage: “Du bist mein geliebtes Kind!” beginnt ein neues Leben. Eine Woche lang trug wohl jeder der damals erwachsenen Neugetauften strahlendes Weiß. Das sagt: Gott schreibt jetzt an meiner Geschichte mit. Ich bin wieder wie ein unbeschriebenes weißes Blatt Papier und schlage mit IHM ein neues Kapitel meines Lebens auf. Ausgekleidet mit der Gegenwart des Allmächtigen und von ihm neu fürsorglich eingekleidet für die alltägliche Ohnmacht auf meiner grünen Wiese. In ein weißes dickes Fell. Behütet in seiner Herde. “Wie SEIN neugeborenes Kind”

Steckenposten und Zielglocken
Ostersamstag ist heute. Seit dem Karsamstag ist eine Woche vergangen. In der Nacht vom Karsamstag zum Ostersonntag haben wir gefeiert: Gott hat Jesus aus dem Tod aufgeweckt.
Der Tod hatte zwar einen PUNKT gemacht. Aber Gott macht STRECKE gut. ER zieht Jesus aus dem Tod heraus.
Seinen Freundinnen und Freunden erscheint er als Lebendiger. Ihre Wegstrecke ist gesäumt von der realen Erfahrung: Jesus ist nicht weg! Er ist für ihre inneren Augen sichtbar und ihr Herz fühlbar. Sie können den Lebendigen nicht länger bei den Toten suchen. Sie finden ihn, weil er in ihnen selbst zu leuchten beginnt.
Die Osterglocken unterwegs sind Gottes leuchtende und unüberhörbare Streckenposten. Lassen wir uns von ihnen neu die Zeit des Lebens in gemeinsamer Wanderschaft mit dem aufgeweckten Christus einläuten.
Mit ihren glockenhellen Stimmen ruft der Auferstandene: Ich bin an deiner Seite. Ich säume deinen Weg. Lass dich auch aufwecken! Lass uns zusammen Strecke machen und keinen Punkt an den Tod abgeben!

Himmelfahrt übers Meer.
Wellen reiten.
Gischt im Gesicht.
Salz in der Suppe.
Ins Schwimmen kommen.
Ankommen Zug um Zug.
Zum Zug kommen.
Den Blumentopf sprengen.
Sonnenwärts blühen.
Stufen erklimmen.
Unter Laternen singen.
Sich tummeln.
Sehen und sich sehen lassen.
Auf der Strandpromenade.
Zwischen Himmel und Erde.
In beiden Richtungen!
Übers Meer.
Reitender Flugbegleiter
Reitender Flugbegleiter
“Hoppe, hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben, fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps…”
Hier gilt ein anderes Lied: “Hoppe, hoppe Reiter, wenn er fällt, dann fliegt er. Fliegt davon den Raben über jeden Graben. Fliegt über den Sumpf. Macht so schnell nicht plumps!”
Eine Zeitlang sich durchs Leben hoppern lassen, mag ja funktionieren. Aber irgendwann ist Zeit für den Abflug. Für eigenes Entscheiden und Bestimmen. In dem festen Vertrauen:
Wenn Papa sein Kind auf dem Knie reiten lässt, dann sind seine gerade noch rechtzeitig zugreifenden Arme die Flügel, die den freien Fall verhindern. Sohn oder Tochter lernen etwas ganz Wichtiges. Wenn es im Leben plötzlich tiefe Gräben, gefährliche Raben und Sümpfe gibt, wenn alles irgendwie zu kippen droht: Entweder Flügel sind mir gewachsen oder ich werde aufgefangen. Am scheinbaren Ende meiner eigenen Tragkraft gilt immer noch dieser Reim:
Hoppe, hoppe Reiter, DER VATER hält mich weiter.


Osterwetter
Durchbruch.
Blau durch Grau.
Sonne durch Wolkenvorhang.
Wärme durch Kälte.
Grün durch die Narbe des Ackers.
Bricht der Tod bei mir ein am Mittag.
Bricht Gott durch zu mir.
Breche ich nicht ein.
Brechen das Brot zusammen am Abend.
Zusammen aufstehen am Morgen.
Zusammen auferstehen im Ostermorgen.
Zusammen durchbrechen - jeden Morgen.
Den Bogen raus haben.
Den Ausweg finden.
Triumphieren.

Ich glühe.
Bin fast ausgebrannt.
Bin so ziemlich runtergebrannt.
Bin irgendwann dann abgebrannt.
Bin über den Horizont durchgebrannt.
Bin noch da.
Unter der Asche.
Hinter dem Horizont.
Glühe ich.

Nur scheinbar tot
Irgendwie immer noch harmonisch wie dieser Baum den Weg alles Irdischen nach seinem Tod geht. Wohl eingebettet inmitten weicher Polster, die ihn auf diesem Weg begleiten. Wenn jemand geht, wenn jemand vergeht - was soll da noch kommen? Viele Bäume sind schon gefallen. Aber der Wald steht noch. Auf dem Gefallenen ent-steht Neues. Moos und Pilze verwandeln den Anschein und bereiten neuen Boden für jemanden, der an dieser Stelle wächst und so die Leerstelle des Vergehens zu einem hoffnungsgeladenen Lebensraum werden lässt. Vergangenes wird aufgearbeitet, spendet kost-bare Nahrung für neues Leben. Ewig - Leben wir! Nach Gottes Plan - nur scheinbar tot!

Witterung aufnehmen
Hat da jemand den Gekreuzigten gefunden? Beim Ausheben eines Grabes? Beim Schachten für den Blitzableiter? Der Gekreuzigte ist wohl doch überall zu finden. Da brauche ich noch nicht einmal die Nachrichten einzuschalten.
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne!" (Die Bibel, Psalm 22). Graben muss ich nicht, um diesen Schrei zu hören. Wenn ich meinen Kopf nicht in den Sand stecke, kann ich ihn immer hören.
Und das hält keiner aus! Aber ich muss ihn über weite Strecken aushalten.
Er kommt auch aus meinem Mund.
Kreuzigung ist in Stein gemeißelt, aber auch der Witterung ausgesetzt:
Steter Tropfen höhlt den Stein! Auch das Grauen schwindet.
Nehme ich doch Gottes Witterung auf, höhle ich mit IHM den Stein. Und bald rollt ER den Stein von meines Grabes Tür.
Der Gekreuzigte wird nicht mehr gefunden. Gott hat ihn auferweckt. Er geht mir voraus. Ich kann ihn finden.
Den Lebendigen.

Nichts muss dich ängstigen..
Nichts dich erschrecken .
Alles kommt und geht und kommt.
Gott geht nicht weg.
Besonnenes Überwinden.
Findet alles in dem Alles.
Wer an Gott festhält.
Dem fehlt nichts.
Erst mit Gott bin ich genug.
(Übersetzung – angelehnt und im
Wesentlichen übernommen von
Pater Reinhard Körner OCD -
des spanischen “Nada Te turbe “,
das der spanischen Mystikerin
Teresa von Avila zugeschrieben wird,
wohl aber nicht aus ihrer Feder stammt)!
Bestechend
Objektiv betrachtet ist das eine Mücke auf schmelzender Schneedecke bei ein Grad plus! Für mich ist das ein Elefant! Dieses kleine Lebewesen hat sich heute für mich von der Mücke zum Elefanten gemacht. Mit allem hätte ich ja gerechnet, was mir heute hätte über den Weg laufen oder fliegen können, aber nicht mit einer Mücke! Was für ein Wildwechsel! Da sitzt sie nun, als ob es das Normalste auf der Welt wäre, hier und heute zu leben. Darf ich die Mücke, den bestechend guten Erfolg in meinem Alltag, allem erlebtem Minus zum Trotz nicht doch zum Elefanten machen? Ja, die Füße sind kalt und auf dünnem Eis. Aber ich breche nicht ein. Ich bin leicht und zerbrechlich wie eine Mücke und habe doch ein einsatzfähiges Gewicht und oft respektable Kräfte wie ein Elefant. Dank dem, der immer um ein Plus für mich bemüht ist. Ein Grad plus und die Mücke wird zum Elefanten. Die Skala an Gottes Thermometer ist auch im Winter des Lebens nach oben offen. Was für ein wilder Wechsel! Mal ganz subjektiv betrachtet.

Sonnenackergeburt
Sonnenaufgang wie gemalt. Woher kommt diese Fantasie und Kreativität? Jeden Tag neu am jungfräulichen Himmel! Der gepflügte Acker liegt noch im Dunkel. Wartet darauf im Licht Konturen zu gewinnen, ruht geduldig dem Aufbruch entgegen. Liegt und geht schwanger mit noch schlummernden Samen bis die Sonne und Regen im Frühjahr die Geburt der Nachkommen einleiten. Maria und Josef gehen schwanger mit einer Hoffnung. Mit was und mit wem will ich schwanger gehen im neuen Jahr. Welchen Acker will ich bestellen? Wo geht die Sonne für mich auf? Welches Kind bringe ich auf die Welt? Schon morgen früh zum Sonnenaufgang…


Haltebucht. Halte-Bucht
Haltestelle. Halte-Stelle
Anhalten. Stehen. Sehen.
Aussichtspunkt. Anhaltspunkt. Standpunkt.
Die Stellung halten.
Auf den Punkt landen.
Hoffnung tanken.
Weiterfahren:
von Haltebucht zu Haltebucht…
und … Ankommen!

Karmontag - 1. Kreuzwegstation
Berlin-Charlottenburg
überbrücktes Zuhause
Kompakt möbliertes Zuhause
unter S-Bahn Brücke.
Kann ein Mensch hier zuhause sein?
Kommt Adam, der Mensch und sagt:
“Du bist wie ich. Ich liebe dich, Eva!”?
Kommt Eva und sagt:
“Du bist wie ich. Mensch,
Adam, ich liebe dich!” ?
Komm ich und sage:
“Du bist wie ich.
Ich liebe Dich, Mensch.”?
Oder gehe ich lieber nach Hause…?

Brief aus Kanada
Winter time has gone.
Summer is to be done.
You will find your power
by any coloured flower.
Look into the corners.
Everything is shown us.
Take away the cover.
Become a trusting lover.
Don't you see enough around.
Grow them in surrounding ground.
Care for water, share your love.
Sun will granted from above.
Feel the heavenly umbrella
Spread by our divine fella
Talk to HIM as daily friend.
So hope and trust will never end.

Karmittwoch - 3. Kreuzwegstation
Reißfelder
Fassaden überleben
eine gewisse Zeit.
Erst feine Risse.
Dann große.
Auch der Gerissenste
kann seinen tiefgehenden Riss
nicht verbergen
und wenn er noch so oft
drüber streicht.
Grundhafte Renovierung
ist ein Kreuzweg.
Grundhaftende Erneuerung
ist eine Auferstehung
über gewisse Zeit hinaus.
Wage dich auf den Kreuzweg.
Grund ist die Auferstehung.
Jetzt schon!

Kardienstag - 2. Kreuzwegstation
Reißfelder
Wer sich nicht eintüten lässt,
kommt schnell unter die Räder.
Lass dich nicht vollstopfen mit dem,
was du nicht brauchst
und dich beschwert!
Lass dir nicht die Taschen füllen!
Beschwer dich!
Schaffe Raum,
damit du mit der nächsten Brise
noch abheben kannst,
bevor du überrollt wirst!

Gebet des Distelfalters
Du
Leitest den Himmel
Legst Blüten auf Erden
Lockst duftend mit Farbe.
Leihst mir deine Flügel.
Lenkst meinen Flug.
Lädst ein zum Landen.
Lächelst mir zu.
Liebst mich mit Fehlern.
Löschst meinen Durst.
Lüftest die Hitze.
Lackierst mich neu.
Lehrst gutes Leben.
Lauschst meiner Rede.
Langweilst dich nicht.
Lügst mich nicht an.
Leidest mit mir.
Liegst nicht entfernt.
Leuchtest mir heim.
Liebst mich.

Einladung
Alles ist offen.
Von oben bis unten.
Gibt was zu hoffen
auf meinen Runden.
Im Regen gebogen
wird alles gegossen
wirds Leben gezogen
in Hoffnungssprossen.
Gott kommt mir zuvor
und zieht mich mit.
ER öffnet sein Tor.
Ich mach den Schritt.
Ich tret aus dem Schatten.
Stehe im Licht.
Werd nicht ermatten.
Weil ER zu mir spricht.

Flugatem
Sag's mir durch die Blume!
Hab ich genug Puste?
Für den freien Fall?
Tausend kleine Fallschirme,
die mich landen lassen?
Und ein freies Krümchen Erde,
wo ich Wurzeln schlagen kann?
“Ja! Denn MEIN Atem treibt dich an!”
Sagt GOTT mir durch die Blume.
Hirnschlaf
Wer lässt sich schon gerne freiwillig zur Schnecke machen? Unser schwarzer Kater und der Kater der Nachbarin rollen sich gerne bei kaltem Wetter wie Schnecken nah beieinander zusammen und wenn ich am Körbchen vorübergehe, bekomme ich Lust, langsam zu werden wie eine Schnecke und mich zu einem erholsamen Nickerchen zusammen zu rollen. Meine Nachbarin sagt: "Wenn die Katze auf dem Gehörne(Gehirn) schläft, dann gibt's Regen oder Schnee." Dann kommt also von oben was runter... Das ist doch eigentlich ein schönes Bild: Wenn ich Mal langsam wie eine Schnecke werde und mein Gehirn als Kissen für gute Gedanken und neue Träume nutze, dann kommt von oben was runter! Reinigender Regen oder alles verzaubernder Schnee. Erquickung auf Durststrecken und weich gedämpfter oder auch knirschender Gang, der aber Spuren hinterlässt. Erfrischende Ideen, wärmende Gedanken und geistreiche Träume aus himmlischen Sphären für 2026!
Gemäß der diesjährigen Jahreslosung Gott spricht: "Siehe, ich mache alles neu!" - Offenbarung 21,5


Ave Maria
Diese Maria hat es ganz schön schwer. Vielleicht doch zuviel der Verehrung? Im Heiligenschrein am historischen Markt der Stadt Porto schaut sie gen Himmel. Als ob sie Gott bittet, ihr etwas Verehrung abzunehmen. Wäre das nicht ein schönes Geschenk für Gott an diesem Osterfreitag oder auch immer wieder: Gott meine Perlenkette um den Hals zu hängen. Ich könnte alle Perlen meiner Lebensspur mal im Gebet auffädeln und sie ihm in Dankbarkeit verehren. Vielleicht geht mir dann ein Licht auf. Ein Licht, was den Weg erleuchtet, wenn es auch mal dunkler wird. Der Stromanschluss mit Lüsterklemme ist, wie im Bild zu erkennen, bereits vorgesehen. Vielleicht ist Gott lüstern nach meiner Perlenkette und ich werde über dem Auffädeln meiner Lebensperlen lüstern nach dem Anschluss an seinen erneuerbaren Strom. Das könnte Maria ganz schön erleichtern.

Blick ausrichten
Advent heißt Ankunft. Da kommt noch was.
Gegen den resignierten Spruch.
Ist doch schon alles gelaufen.
Advent ist die Zeit der Erwartung.
Da fehlt noch was...
Da werden die Schotten nicht dichtgemacht,
sondern Türen geöffnet.
Gott hat sich wieder neu in Bewegung gesetzt
und will bei mir ankommen.
Wenn ich nicht dicht mache, schafft er es.
Er kommt unscheinbar auf einem Esel daher,
wie es in der Bibel erzählt wird.
Wer einen Esel zu reiten weiß,
der hat vielleicht auch einen Trick
wie er ein störrisches Menschenkind
dazu bewegen kann,
die Augen zu öffnen
und den kurzsichtigen gesenkten Blick
himmelwärts aufzurichten.

Auferstehungskreuzfahrt
In der Osterwoche von Ostersonntag bis Ostersamstag werden in vielen portugiesischen Kirchen die Kreuze mit einem weißen Tuch geschmückt. Es symbolisiert einerseits noch das weiße Grabtuch.
Seine Deutung geht mittlerweile aber eher in Richtung eines Leichtigkeit ausstrahlenden Flors, mit dem der Gekreuzigte irgendwie abzuheben scheint. Das Bild des gemarterten und zu Tode geschundenen Jesus wird ein völlig anderes.
Ohne den Tod zu leugnen, wird der nun geltende neue Akzent gesetzt. Aus dem am Karfreitag gekreuzigten und am Karsamstag im Grabe liegenden Jesus von Nazareth ist der von Gott auferweckte Jesus Christus geworden. Aus dem Leichentuch hat er ein Segel gemacht, was ihn zu uns Menschen trägt. Der Gekreuzigte setzt zu Ostern die Segel. Er nimmt Fahrt auf. Er kommt bei uns an, wenn wir unseren Hafen für ihn öffnen und er so unseren Weg kreuzen darf. Wir können unter seinem Segel und seiner Flagge fahren, uns auf den großen Ozean des Lebens wagen und zu neuen Ufern aufbrechen. Eine österliche Kreuzfahrt. Jederzeit kostenlos buchbar.

Gott um die Ecke
Der Auferstandene auf Außenmission.
Er musste wohl irgendwie raus aus den Kirchenmauern.
Wenn ich ihm ins Gesicht schaue, dann könnte er rufen:
“Leute, Leben fühlt sich gut an. Lasst uns was starten!”
Vielleicht fliegen wie die Taube am Himmel dahinter?
Aber schon verfangen sich meine soeben gewachsenen Flügel
in dem stählernen Netz,
das meinen startenden Jesus wohl vor nistenden Vögeln
und ihren Stoffwechselendprodukten schützen soll.
Der Auferstandene soll möglichst heilig und sauber bleiben.
Da war jemand gut auf Draht für Ordnung und Sauberkeit,
aber er hält den Lebendigen eben auch gefangen.
Hol den Lebendigen aus dem gut abgeschirmten Mauerkäfig!
Er will seine Mission bei dir starten.
Er scheut auch nicht,
was bei dir vorne und hinten so alles rauskommt.
Er freut sich, wenn du anders auf Draht bist
und mit ihm rauskommst.
Du darfst dich bei ihm auch alltäglich einnisten.
Dann ist die Mission erfüllt.

Raus aus dem Tee
“Hast du noch alle Tassen im Schrank!?”
Das ist ein Satz, den man nicht in der Höflichkeitsform schreiben kann. Der rutscht einem wohl immer im DU raus…
Diesen Sommer habe ich den Rosmarintee kennen und lieben gelernt und jetzt festgestellt, er passt durchaus auch zu Adventsplätzchen. Er soll helfen, den lähmenden Nebel im Hirn zu lichten.
Wenn jemand zu mir sagt: “Du hast ja wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank!” Dann könnte es ja durchaus daran liegen, dass sich da ein paar Nebelfelder in meiner Wahrnehmung und meinem Denken festgesetzt haben.
Der Rosmarin soll helfen, diesen Nebel wegzupusten und aufsteigen zu lassen. Probier's doch mal aus. Wenn es gut geht, führt regelmäßiger Genuß dazu, dass alle Tassen sich wieder im Schrank versammeln. Wohl bekomm’s!

Fassadenstruktur
Kann ich Beten studieren? Hier in Athen hat ein Künstler die 1508 entstandene zeichnerische Studie Albrecht Dürers zu den betenden Händen eines Apostels auf die Fassade eines Hochhauses gelegt. Ja die Hände scheinen geradezu liebevoll in den Alltag der Stadt und ihrer Bewohner, ja bis in ihre Wohnungen eingreifen zu wollen. Sie kommen aus dem klaren Blau des Himmels und durchbrechen sanft das Grau des Betons. Diese betenden Hände geben eine neue Struktur! Wie mag es sich in einer Wohnung leben, in der das Beten studiert (=eingeübt) wird? Es könnte doch ein neues Bild des Lebens sich abzeichnen, nicht nur wie eine Projektion auf der Fassade, sondern spürbar im Raum des Lebens, in meiner Wohnung, in meiner Straße, auf meinem Stück Erde? Hier! Lass uns reden, Gott! Beten studieren!

Feuer fangen
Eine schwer kranke Frau hat diesen Engel ihrem Sozialbetreuer zu Weihnachten geschenkt: “Das bist du: mein Engel!” Er antwortet ihr: "Wenn ich den anzūnde, dann bin ich ja irgendwann weg!”
Der Engel, der den Hirten die Frohe Botschaft verkündet hat, war übrigens irgendwann aber auch weg und die Hirten haben im Schein ihrer Laternen zum Christkind gefunden.
Vielleicht ist es die Bestimmung eines Engels, eine Botschaft rüber zu bringen, die beim Zuhörer auch etwas aufleuchten lässt? Oder mehr noch: dass er zündende Ideen hat, was der nächste Schritt ist - trotz schwerer Lasten: "Hilfe zur Selbsthilfe”.
So braucht es nur jemanden, der geduldig nach dem eingegossen Docht im Kopf sucht und einfach mal eine zündende Botschaft an ihn sendet. Ein Mensch fängt Feuer und wird zu einer fürsorglichen Leuchtfigur.
Im besten Fall kann er irgendwann dann auch wieder weg sein. Der andere hat seine eigene Leuchtkraft entdeckt und leuchtet und kann den nächsten entzünden…Lauffeuer...

Himmlische Flugsicherung
Unterwegs zu mir. Drei Boten. Von oben. Gelandet auf meiner Kommode. Damit ich das Passende anziehe heute morgen. Dass ich die Flügel recht-zeitig entfalte, bevor es abwärts geht. Der Vorwitzige droht schon abzukippen. Sein Heiligenschein ist verrutscht und ist doch der Schlüsselring, der den unsichtbaren haltenden Faden birgt. Er glänzt im Licht der aufgehenden Sonne und greift als Versicherung: “Gott sei mir ein starker Fels”, (Psalm 31). Pflanz mir deinen Heiligen Schein als Schlüsselring in mein Leben, damit ich weiter witzig vor-ausschreite. Halte du mich! Angezogen mit deinem Heiligenschein und dem Schlüssel zum Licht am Ring finde ich Grund zu leben auch am Rande des Abgrunds. Gott, ich stelle mich zu deinen drei Boten. Sonnengeflutet schauen wir felsenfest über den Abgrund hinaus und unsere Flügel berühren sich… Amen. So soll es sein!

Anbeten
Genuß genug.
Alles vergessen.
Es gibt keine Gefahr.
Und keine Sorgen für morgen.
Futter kommt.
Wenn nicht gibt's Mäuse.
Sonne ist.
Wenn sie geht, kommt sie wieder.
Jetzt zählt der warme Strahl.
Es gibt keinen Schatten.
Aufladen für sonnenarme Laststrecken.
Tierisch gutes Dankgebet.
Ich lege mich dazu und bete mit.
Gebetsgenuß. Genußgebet.
Genuß.
Genug.
Stallsuche
Sind sie noch unterwegs die Könige, die Sterndeuter, die Magier, die Gelehrten, die uns etwas lehren und beibringen können? Oder sind Gold, Weihrauch und Myrrhe als Mitbringsel schon verteilt?
Seid ihr drei schon wieder auf der Suche nach einer staunenden Maria und einem verblüfften Josef, die sich bei eurer unerwarteten Ankunft fragen: Bin ich so wichtig, dass ihr zu mir kommt?
Ich rufe euch zu: “Ihr Drei! Dort unten im nächsten Dorf da steht mein armseliger Stall. Ich lade euch ein!” Und flugs lege ich mich dort in die Krippe und warte in Vorfreude auf eure Mitbringsel: Gold für neuen strahlenden Glanz im dunklen Stall. Weihrauch für verlockenden Duft nach neuem Leben und Myrrhe zum Lindern der Schmerzen im stachligen Dornwald.
Am meisten brauch ich aber euren schlendernden sorglosen Gang. Jeder für sich und doch nicht allein. Mit gutem Abstand. Zusammen. Unterwegs. Holt mich ab in meinem Stall. Ich komm mit. Bringt mir diesen Gang bei!
Ladet mich ein!


Himmelleitspruch
Mauer steht.
Grün geht.
Wind weht.
Spalt bietet Raum.
Wuchs ohne Zaum.
n zartem Flaum.
Lichtschein winkt.
Wurzel schlingt.
Sonne blinkt.
Wuchs ohne Schranken.
Klettern und Ranken.
Oben Gott danken.

Rettungsmission
Hat da jemand hinterm Berg gehalten? Und ist gut gelandet? Herabgefahren auf der wolkigen Himmelsleiter und hoffentlich angekommen und schon auf Erden durchgestartet.
Wo bleibt der menschgewordene Retter von oben? Oder ist er doch geblieben und hat schon Spuren in meinem Schnee von gestern hinterlassen? Hat er das Eis bei mir schmelzen können? Darf er auch vierzig Tage nach Heiligabend noch bei mir landen - vielleicht sogar täglich?
Ich folge seiner Spur. Sie führt ins Licht.
Wo der Himmel sich weitet, dort kann ich landen und muss mit meiner Not nicht hinterm Berg halten.

Reinknien
Der Sache sollte ich mal auf den Grund gehen…
Wenn man zu diesem Schluss gekommen ist,
dann kann es nötig werden,
dass drei Leute sich da richtig reinknien müssen.
Alle Aufmerksamkeit gehört der Sache,
der man auf den Grund gehen muss.
Denn sonst ist “Ende-Gelände” und das Auto steht.
Weiterfahrt unmöglich.
Manchmal zwingt uns so ein Problem mächtig in die Knie.
Schön ist es, wenn sich tatsächlich noch jemand mit reinkniet
und ich mich nicht ganz alleine der Sache annehmen muss.
Weihnachten feiern wir, dass es für den großen Gott einen Grund gibt,
sich in meine Sachen tief reinzuknien.
Wenn ich betend knie,
kniet sich der Angebetete bereits in mein Problem rein
und arbeitet mit mir gemeinsam an einer guten Weiterfahrt.
“Beten” ist nur ein anderes Wort für “der Sache auf den Grund gehen”
und “den Motor wieder flott machen” !

Scheinwerfer
“Manchmal brauchst du einen Engel!”, so singt ein Lied. Warum nur manchmal? Eigentlich doch immer! Nicht nur am oder im Himmel. Nein, hier ganz nah bei mir! In der Wolkenferne bleibt der Engel nur eine Rolle wie im Film. Ein Beleuchtungseffekt. Der schnell wieder verschwindet, wenn sich die Wolkenkulisse verschiebt.
Ich brauche jetzt, in meinem Dunkel, vor, über, neben und hinter mir einen Beleuchter, der dran bleibt. Immer und überall! Ich hab gerade keine Ahnung, wie es hell werden kann. Hast du Ahnung von Beleuchtung auf der Bühne meines Lebens? Kannst du mir einen Lichtschein auf meinen Weg werfen? Scheinwerfer sein in meinem Lebensfilm? Dass ich meine Rolle wieder finde. Dass das Spiel wieder beginnt.
Leuchtfiguren fallen nicht vom Himmel. Sie sind schon Mensch geworden. Geschaffen. Gezeugt. Geboren. Gewachsen. Gewonnen an Leuchtkraft. Sie sind mir schon erschienen. Die kreativen Beleuchter. Nicht nur manchmal! Und einer hat meinen Namen…

Pause für den Nikolaus
Etwas müde sieht er schon aus der hier dargestellte Heilige Nikolaus. So manches Wunder wird dem Bischof von Myra zugeschrieben. Jedenfalls war er ganz offensichtlich kein unnahbarer Kirchenfürst, den die Menschen nicht erreichen konnten. Umgekehrt war es. Er hat sich abends verkleidet und ist durch seine Stadt gelaufen und hat an den Fenstern der Häuser gelauscht, um zu erfahren, wer gerade in großer Not war. Dann hat er ein paar Spendengelder genommen und sie heimlich durchs Fenster geworfen. Die Familie war gerettet. Da kann man auch als Bischof müde werden,wenn man sich auf diese Weise die Nächte um die Ohren schlägt. Wie wäre es denn, lieber Sankt Nikolaus,wenn ich dir heute eine Pause zum Ausschlafen verschaffe und heraushöre, wer gerade in meiner Nähe mit welcher Not zu kämpfen hat und ich mache in deiner Vertretung einen Rettungsversuch…
Familienzusammenführung
Weihnachtsmarkt geschlossen! Die Heilige Familie mit ihren Gästen wartet nun hinter ihrem Zaun darauf, weggeräumt zu werden. Mitten in der Öffentlichkeit wirken sie doch irgendwie gefangen gehalten. Nur wenige sind ein paar Stunden vorher zur Öffnungszeit am Zaun stehen geblieben. Vielleicht wären Maria, Josef und ihr kleiner Jesus lieber aus dem Schutzzaungefängnis ausgebrochen, hätten sich unter die vorbeilaufenden Zaungäste gemischt und hätten mit an den Stehtischen Glühwein gegluckert (der kleine Jesus vielleicht eher den Kinderpunsch). Hauptsache nicht alleine und unbeachtet hinter diesem Zaun und keiner schaut ihnen in die Augen oder fängt ein Gespräch mit ihnen an. Befreien wir diese unglückliche Heilige Familie jetzt! Vielleicht wollten wir sie durch den Zaun möglichst nicht zu nahe an uns rankommen lassen. Es ist immer noch Zeit, der Heiligen Familie die Tür zu unserem Stall zu öffnen und ihr Herberge zu geben. Das könnte uns von so manchem Zaun befreien.


Heilige Akrobatik
Ein wahrer Balance-Akt ist das Leben. Ungleich verteilte Lasten ziehen nach unten. Ich muss erkennen, was mehr Gewicht hat und der Körper wird entsprechend gebogen. Mit meinem ganzen Sein stelle ich neue Ausgewogenheit her. Einfach so eine ruhige Kugel schieben, geht nicht! Das eine Gewicht zieht unnachgiebig nach unten. Aber die beiden anderen Kugeln müssen oben gehalten werden. Das scheint sogar schwieriger zu sein, als der Last, die runter zieht, Stand zu halten.
Der Akrobat hat es irgendwie doch im Griff. Er steht nicht wie eine Eins, aber gibt dennoch eine gute Figur ab. Der Mond verleiht ihm einen Siegerkranz oder ist es gar ein Heiligenschein? Weihnachten feiern wir, dass wir einen geduldigen und erfahrenen Lebenstrainer gefunden haben. Er setzt alles daran, dass wir uns im Balance-Akt des Alltags nicht den Arm auskugeln, sondern die Gewichte genial verlagern lernen und eine gute Figur abgeben. Das scheint mir ein heiliges Geschehen zu sein. Grund zum Feiern im Siegerkranz!
Es ist angerichtet
Der Pilz hat einen Teller als Kopf. So wird er freiwillig und natürlicherweise zu einer Präsentationsfläche. Das Birkenblatt und die Gräser fallen auf den weißen weichen Teller und geben zusammen ein neues Bild ab. Welches Bild gebe ich gerade ab dem Menschen, der heute an mir - einen gedeckten Tisch suchend - vorüber geht. Strahle ich diese Ruhe aus, die der gedeckte Pilzteller aussendet? Was kommt an bei denen, die mich ansehen? Decken wir doch für andere einen Tisch, damit Gott auch auf ihrem Teller ankommt. Jetzt in diesem Advent.
