Gespräche Fasten- und Osterzeit 2022

Allmacht ohne

Aschermittwoch - 2. März 2022

 

Mensch: Es ist ja schon eine Weile, dass wir am 1. Januar die Jahreslosung zum Thema hatten. Ich musste heute noch einmal an die Jahreslosung dieses Jahres denken. Da sagt Jesus ja: „Wer zur mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“ (Johannes 6,37)

Vor Augen stehen mir dann die Bilder an den Grenzen in Polen, Rumänien, der Slowakei vor Augen, wo tausende Menschen zum Glück von ihrem Nachbarländern aufgenommen und nicht abgewiesen werden. So viele verzweifelte Menschen. Gut dass hier die Türen der Grenzen und der Herzen nicht zugeschlagen werden.

Gott: Kannst du dir vorstellen, dass ich auch manchmal echt verzweifelt bin? 

Mensch: Eigentlich passt das nicht so zu meinem Bild vom allmächtigen Gott!

Gott: Manchmal verleitet dieses Wort dazu, mich als Lückenbüßer zu sehen für all das was schief läuft. 

Mensch: Aber wie ist denn dein Verständnis von deiner Allmacht?

Gott: Ich habe schon alle Macht, aber ich verstehe es schon etwas anders als das blanke Wort es vielleicht nahe legt. Meine Macht besteht darin, dass ich an allen Menschen dran bin und versuche sie mächtig, mutig, wahrheitsliebend, solidarisch zu machen. Ich suche halt immer einen guten energiegeladenen Draht zu ihnen zu haben, damit meine Liebe etwas in jedem Menschen bewirkt und so Gutes geschieht und Böses zurückgedrängt wird. 

Mensch: Du bist also mit „aller Macht“ an jedem Menschen dran.

Gott: Das trifft es ganz gut. Eben mit sehr unterschiedlichem Erfolg, wie man sehen kann und das macht auch mich oft verzweifelt. 

Mensch: Bei Wladimir Putin und seinen Unterstützerinnen und Unterstützern konntest du nicht landen wie man leider schmerzlich beobachten muss.

Gott: Dennoch habe ich es nicht aufgegeben und bin weiter dran und oft funktioniert es so, dass ich es mit vielen hunderten oder tausenden anderen Menschen versuchen muss zu kompensieren, wenn ich einen nicht erreiche und vom Tun des Bösen einfach nicht abhalten kann. Durch die Hintertür kann es dann doch klappen, dass viele Menschen mit ihrer Nächstenliebe, ihrer Solidarität und ihrem mutigen Auftreten und In-Kauf-Nehmen von eigenen Nachteilen, einen einzelnen in die Schranken weisen. 1989 ist das im geteilten Deutschland gelungen. Ich bin heute weiter dran auch in der Ukraine, in Russland, Europa, ja eigentlich in der ganzen Welt. Wenn ich die Nachrichten schaue und sehe wie viele Menschen ich schon erfolgreich zum Aufstehen angestiftet habe, dann ist das das beste Mittel gegen meine Phasen, wo ich mächtig verzweifelt bin.

Mensch: Diese beiden Worte bringen diese beiden Seiten gut zum Ausdruck. Du bist mächtig verzweifelt. Verzweifelt weil es bei einzelnen überhaupt nichts fruchtet, aber mächtig, weil durch den Einfluss vieler, die ihrem Herzen folgen, böse Pläne behindert und durchkreuzt werden.

Gott: So ungefähr erlebe ich das. Glaub mir, es ist ein Wechselbad der Gefühle. 

Mensch: Damit kenne ich mich auch aus.

Gott: Dieses Engagement vieler Menschen in der ganzen Welt für den Frieden und die Menschlichkeit passt zu dem, was die heute am Aschermittwoch beginnenden sieben Wochen der Passionszeit bedeuten. Passion heißt Leidenschaft. Da sind Menschen bereit, für andere Leiden in Kauf zu nehmen. Sie kennen sie nicht persönlich, sie fühlen sich einfach verbunden. Das sind Schritte in die Richtung, dass alle-mächtig werden, eben ihre Kraft, die da ist, nutzen und einsetzen.

Mensch: Jetzt fühle ich mich gleich ein Stück all-mächtiger!

Gott: Dann lass es die spüren, die jetzt deine Hilfe, deine Kraft und einen Teil deines Wohlstandes brauchen! Hörst du es!? Es klopft an deiner Tür...

Wende durch Verzichten?

1. Sonntag in der Passionszeit - 6. März 2022
 

Gott: Ich habe eine Frage an dich? Hast du eine Ölheizung?

Mensch: Ja, schon , das war bisher das Praktischste und eben auch bezahlbar.

Gott: Wärst du bereit, sehr viel mehr für das Öl zu bezahlen, wenn Deutschland von Russland kein Öl mehr kaufen würde, um Putin unter Druck zu setzen?

Mensch: Naja, nicht so locker zu beantworten... Mein Budget ist ja auch nicht unbegrenzt. Natürlich weiß ich um den Hintergrund dieser Frage. Das geht mir nahe, was den Menschen dort angetan wird.

Gott: Es wäre schon ein großes Opfer, das kann ich mir vorstellen. Es könnte ja sogar soweit kommen, dass es nicht mehr genügend Öl und Gas gibt und dass es nur durch Energiesparen und Pullover im Haus Anziehen mäßig warm wird.

Mensch: Die Opfer in der Ukraine sind größer und dennoch ist es zugegeben keine schöne Vorstellung. Meistens sitze ich im T-Shirt im Wohnzimmer. Ist einfach bequemer.

Gott: Für die Menschen in der Ukraine gibt es ein anderes Programm, da geht es seit zehn Tagen nicht mehr um Bequem-Leben, sondern ums Überleben.

Mensch: Da sind wir noch mal bei dem Thema, welche Macht haben wir gegenüber einem durchgedrehten Politiker und brutalen Despoten...

Gott: Weißt du mich hat es gefreut, dass ich mit bekommen habe, dass mehr als 60 Prozent der Menschen in Deutschland bereit sind, auch eigene Nachteile, soziale und wirtschaftliche Härten in Kauf zu nehmen. Ich hoffe nur, sie halten es, wenn es dazu kommt auch durch und behalten einen langen Atem.

Mensch: Das ist alles immer noch nichts gegen das, was die Opfer des Krieges jetzt ertragen müssen. 

Gott: Ja, ganz plötzlich ist der Krieg nicht mehr weit weg und die Opfer haben keine andere Hautfarbe mehr und beim Tanken und im Laden merkt man am Preis dass der Krieg hier angekommen ist.

Mensch: Ich hoffe, die Solidarität mit der Ukraine hält lange an und bewirkt eine Umkehr.

Gott: Das ist wirklich ein gutes Stichwort: UMKEHR. Passionszeit ist dieses Jahr in einer neuen Dimension wirklich eine Leidenszeit und auch eine Fastenzeit. Ohne Verzicht von vielen, denen es noch gut geht, wird es keine Hoffnung auf Besserung für die bedrohten Menschen geben.

Mensch: Dafür, dass Familien hoffentlich bald wieder in ihr Land zurückkehren können, ziehe ich mir auch zwei Pullover im Wohnzimmer über.

Gott: Dein Wort ist in Gottes Ohr!

Singen trotz Leid
 

Mittwoch in der ersten Passionswoche - 9. März 2022
 

Mensch: Heute war ich in unserer Kirchengemeinde zum Gemeindenachmittag. Ein älterer Herr, der sich immer gerne Lieder aussucht, die wir dann singen, sagte heute: „Ich hatte Lieder ausgesucht, aber singen können wir in diesen Zeiten gar nicht. Ein Lied von Martin Luther vielleicht doch: „Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen. Dein gnädig Ohr neig her zu mir und meiner Bitt es öffne; denn so du willst das sehen an, was Sünd und Unrecht ist getan, wer kann, Herr, vor dir bleiben?“

Draußen geht der Frühling los, aber so richtig kann ich es nicht genießen, wenn ich an die Sorgen und Nöte der Menschen in der Ukraine denke. Heute war ich im Garten und habe die Frühblüher bewundert. Die wissen nichts von dem Krieg, die treibt es einfach durch den kalten Boden und sie recken sich nach der Wärme und dem Licht.

Gott: Ja die haben lange drauf gewartet, dass sie den kalten Boden wieder verlassen können und ihre Schönheit entfalten. Es ist immer alles so nah beieinander. Menschen, die Menschen rücksichtslos bombardieren und ihnen die Heimat rauben und Menschen, die dafür sorgen, dass wieder etwas aufblüht und Freude bereitet. Das ist der Preis der Freiheit, die ich den Menschen gegeben habe, als ich eine Welt geschaffen habe, wo sich jeder frei zum Guten oder zum Bösen entscheiden kann.

Mensch: Was bedeutet eigentlich diese letzte Zeile der ersten Strophe: „Wer kann, Herr, vor dir bleiben?“

Gott: Martin Luther schreibt ja vorher von dem Eindruck, was Sünde und Fehlverhalten des einzelnen so anrichten und er ist wohl der Überzeugung, dass ich, Gott, das sehe und das das Böse auf Dauer vor mir keinen Bestand haben wird.

Mensch: Heißt dass du schaust mal etwas grimmig dem Gewalttäter in die Augen und dann wird er ein guter Mensch?

Gott: So einfach ist es natürlich nicht. Aber Luther ist der festen Überzeugung, dass das Unrecht vor mir dauerhaft keinen bleibenden Stand haben wird. Das Lied hat er 1524 geschrieben. Drei Jahre vorher stand er vor dem Reichstag in Worms vor dem Kaiser und allen Oberen und sollte seine Thesen widerrufen. Aber er ist standhaft geblieben, obwohl er wusste, dass auch sein Leben bedroht ist. Die Reformation ging weiter, es gab einflussreiche Leute und viele einfache Leute, die seine neue Sicht des Glaubens unterstützt haben.

Das Unrecht konnte nicht einfach so in Recht verwandelt werden. „Ich bleibe da bei – Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“ So hat Luther dem Kaiser und dem Papst die Stirn geboten!

Mensch: Du bist schon ganz ordentlich stolz auf Martin Luther, höre ich da heraus!

Gott: Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass es in der Menschheit nicht nur lottert, sondern auch immer wieder „luthert“. Auch in diesen Krisenzeiten traue ich euch Menschen das zu. Die Frühblüher machen es vor, manchmal gibt es eine harte Zeit der Erstarrung und Kälte bis das Leben sich wieder Bahn brechen kann. Das Unrecht, was in der Ukraine geschieht, wird keinen Bestand haben, wenn ihr alle euch wie die Märzenbecher und Krokusse durch den harten Boden schiebt und nicht aufgebt.

Gott: Ich antworte dir mal mit einer weiteren Strophe des Luther-Liedes:

Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, doch soll mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht noch sorgen. So tu Israel rechter Art, der aus dem Geist geboren ward, und seines Gottes harre.

Knotenlöser: innen

2. Sonntag in der Passionszeit - Reminiszere - 13. März 2022

 

Mensch: Schau mal. Das Bild habe ich im Urlaub in einem katholischen Kloster auf einem Heft gefunden, wo Maria als sogenannte „Knotenlöserin“ geschildert wird.

Gott: Viele mögen Maria sehr und sie bekommt da allerhand Aufgaben in der Kirche. Aber eigentlich ist es ein schönes Bild mit dem Knotenlösen!

Mensch: Ja, die Engel reichen ihr das verknotete Band und Maria entwirrt es und ein Knoten nach dem anderen wird gelöst. Der rechte Engel hält das mit Knoten gespickte Band und der linke nimmt das gelöste entgegen. Wenn das nur immer so einfach wäre! 

Gott: Maria ist sehr mit Hingabe dabei und konzentriert auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe. Als ich ihr damals den Erzengel Gabriel gesandt habe und ihr ausrichten ließ, dass sie Jesus zur Welt bringen soll, da hat sie auch einfach JA gesagt. Jesus ist ja irgendwie auch ein Knotenlöser geworden...

Mensch: In diesen Tagen gibt es auch einige Knoten zu lösen! Es scheint so zu sein, dass ständig neue Knoten dazukommen. Verwirrung pur, nichts ist mehr so wie es war.

Gott: Oder wie es schien! Mancher Knoten ist jetzt erst sichtbar geworden, weil man ihn lange nicht als problematischen Knoten gesehen hat.

Mensch: Da denke ich jetzt doch an unsere Energie-Abhängigkeit von Gas und Öl. Das ist jetzt ein schwer zu lösender Knoten!

Gott: Maria schaut nicht weg, sondern sieht den Knoten eben auch als Knoten und macht sich Arbeit und Mühe eine Lösung zu suchen. Jeder und jede hat da eigentlich spezielle Fähigkeiten und Möglichkeiten von mir in die Hand und ins Herz bekommen.

Mensch: Zum Knoten lösen, meinst du sicher...

Gott: Ja genau, wie bei einem Knoten in einer Schnur braucht es oft auch eine umsichtige Gemeinschaftsarbeit. Mancher Knoten lässt sich nur lösen, wenn mehr als einer oder eine dran rumknaupelt. Die Summe und das unterschiedliche individuelle Herangehen verschiedener Knotenlöserinnen und Knotenlöser bringen dann doch mitunter den ausweglos festen Knoten auf die Strecke. Das geht im normalen persönlichen Zusammenleben, aber auch in der großen Politik.

Mensch: Ich möchte dir da vertrauen.

Gott: Auch dir darfst du was zutrauen!

Mensch: Bin ich Maria?

Gott: JA!

Weitblick zum Ziel

Mittwoch in der 2. Passionswoche - 16. März 2022
 

Mensch: Weißt Du, wenn ich spazieren gehe und komme an einem Hochstand vorbei, dann steige ich gerne mal hoch und sitze da so eine Weile...

Gott: Sicher nicht weil du auf ein Tier wartest, auf das du zielen kannst!

Mensch: Das nicht, aber irgendwie fange ich dann immer an, über mein Leben nachzudenken. Worauf zielt es eigentlich ab? Verfolge ich meine Ziele eigentlich noch oder sind sie mir aus dem Blick geraten? Gibt es ein neues Ziel, was mir so über den Weg läuft, wie ein Reh, was plötzlich aus dem Wald tritt.

Gott: Es kann ganz gut sein, mal über den sonst üblichen Lebenshorizont hinauszusteigen und einen gewissen Überblick zu gewinnen. Da machen drei oder vier Meter Höhenunterschied schon etwas aus. Es ist dann ein ganz anderer Blickwinkel!

Mensch: Ja von oben, sieht alles geordneter aus, das beruhigt mich irgendwie und entspannt mich. Geht es dir so weit oben vom Himmel aus eigentlich auch so?

Gott: Na, wenn ich immer nur sehr weit oben wäre, würde ich nicht nah genug am Geschehen, bei euch meinen geliebten Menschen dabei sein können, also halte ich mich doch zweckmäßiger Weise gerne eher mit Bodenhaftung nah bei euch auf. Aber es ist auch schon mal nötig, etwas Abstand zu gewinnen und den Überblick über das zu gewinnen, was so passiert. Das kann dann allerdings auch sehr „runterziehend“ in einem doppelten Sinne des Wortes sein.

Mensch: Wie meinst du das?

Gott: Einmal ist es oft so deprimierend=runterziehend, so im großen Überblick zu sehen, was Menschen fertigbringen, anderen Menschen anzutun und die zweite Bedeutung ist, dass es mich dann doch wieder zu euch vom Himmel rrunter zieht und ich versuche, etwas anzuleiern, damit wenigstens noch Schlimmeres verhindert werden kann. Aber du hast mit deinem Hochstanderlebnis schon auch recht. 

Mensch: Ja, während einer solchen Zeit, habe ich manchmal ein handfestes Zielkorrekturvorhaben mit auf den darunter liegenden Acker genommen. 

Gott: Nachdenken über Ziele im Leben oder erst recht echte Zielkorrekturen sind eben ein WEG und da hat jeder Mensch ganz schön zu ackern!

Mensch: Mir fällt da jetzt jemand ganz aktuell ein, der dringend Zielkorrekturen auf den Weg bringen muss!

Hoffnung ansiedeln

23. Sonntag in der Passionszeit - 20. März 2022
 

Mensch: Ich finde es echt schön, dass du dir das Moos bei der Schöpfung ausgedacht hast. Das ist so ein schöner grüner flauschiger Farbtupfer inmitten der doch eher tristen winterlichen Waldfarben. Richtig wohltuend für die Augen!

Gott: Weißt du noch aus dem Biologieunterricht, wie das Moos so botanisch in seiner Rolle eingeordnet wird?

Mensch: Das ist echt lange her, lass mich mal überlegen... Ich glaube, es fällt unter die Gruppe der sogenannten „Erstbesiedler“! Mitten auf dem unwirtlichen Stein, wo es keine Erde mit viel Nährstoffen gibt und das Wasser eigentlich nur drüber und vorbei fließt, da wächst dann doch was!

Gott: Du hast gut aufgepasst. Ich habe mir gedacht, es muss auch im eher farblosen Winter eine Pflanze geben, die das Grün durch trägt: die Hoffnung auf den Frühling. Und es braucht jemanden, der mit satter grüner Farbe anzeigt: Schau her, es geht. Ich kann auch auf steinigem Boden leben und waxhsen.

Mensch: Das ist bei uns Menschen ja auch so ähnlich. Oft braucht es gerade so einen Menschen, der es versucht, etwas zu Wege zu bringen, da wo eigentlich keiner aktuell einen Weg sieht.

Gott: Aber das ist nur der erste Teil der Wahrheit über das Moos. Irgendwann gibt das Moos den Staffelstab weiter. Es stirbt auf dem Stein ab und verwandelt sich in fruchtbare Erde, auf der sich andere Pflanzen dann ansiedeln können und so kann dann irgendwann sogar ein Baum dort Fuß fassen und in gewissen Sinne hat ein ganzer Wald den Boden durch viel Moos bereitet bekommen. 

Mensch: Wie sagt man doch : „Ohne Moos nichts los!“

Gott: Ja, so kann man es ausdrücken. Ohne erste Grundlage gibt es eben keine dauerhafte Lebensgrundlage. Es braucht einen Erstbesiedler, einen, der bereit ist, den Gürtel enger zu schnallen.

Er muss mit weniger auszukommen, um dem Stein nicht nur ein freundlicheres Gesicht zu geben.

So bereitet er einen Wandel vor, der auf lange Sicht aus einem kalten toten Stein eine lebendiges Biotop macht.

Mensch: Das Moos ist dann natürlich selbst nicht mehr da.

Gott: Naja es ist im wahrsten Sinne des Wortes „aufgegangen“ in den Lebensformen, die eben die weiteren Besiedler sind. Es hat den entscheidenden Anfang gemacht und den Weg bereitet. Eben etwas losgemacht, wie das Sprichwort es zusammenfasst. Völlig neue Kräfte wurden entfesselt. Jesus wurde zwar gekreuzigt und begraben, aber seine Botschaft war nicht tot zu kriegen und ich habe ihn auferweckt. Gegen den ersten Anschein, war es doch eine Erfolgsgeschichte und ist es noch.

Mensch: Der größte Erfolg ist sich, wenn viele sich trauen das zu tun und zu sagen, was unmöglich erscheint. Da kann man vom Moos durchaus was lernen.

Vorwärts im Kriechgang

Mittwoch in der 3. Passionswoche - 23. März 2022


Mensch: Jetzt hat es sogar die Kröte auf ein Verkehrsschild geschafft!

Gott: Ich finde das gut. Ihr Menschen seid für mein Gefühl oft viel zu schnell unterwegs. Da ist es doch eine schöne Empfehlung in den langsamen Kriechgang zu schalten und mal etwas mehr oder eben auch ganz anderes wahrzunehmen.

Mensch: So mancher Kröte rettet es ja sicherlich das Leben, wenn die Autofahrer etwas langsamer und vorsichtiger fahren. Man kann eben leichter ausweichen.

Gott: Ja, die Fastenzeit ist ja so eine Einladung mal ein paar Wochen runterzuschalten auf ganz verschiedenen Gebieten, 200 Meter mal nen Ruhigen machen und den Mitgeschöpfen den grausamen Tod ersparen. Das ist so ähnlich wie sieben Wochen vor Ostern mal innehalten und in den Blick nehmen, wie ihr als Menschheit überleben könnt. Ich muss sagen, ihr fangt mächtig spät damit an, euch mit diesem Klimawandel ernsthaft zu beschäftigen. Ich habe schon einige Propheten in den letzten Jahrzehnten in die Spur geschickt, aber die haben wenig Gehör gefunden.

Mensch: Ja, um wirklich was zu ändern, müssen viele bereit sein, eine Kröte zu schlucken, eben auf liebgewordene Gewohnheiten zu verzichten.

Gott: Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ihr den Fuß doch noch vom Gas nehmt und mal auf Sicht und mit Rücksicht fahrt.

Mensch: Die Kröten kehren ja zum Ablegen ihrer Eier in das Gewässer zurück, indem sie selbst aufgewachsen sind.

Gott: Ja, im Prinzip eine Rückwärtsbewegung, die aber mit der sicheren Fortpflanzung in die Zukunft ausgerichtet ist.

Mensch: Du meinst also im Leben auch mal zurück zu stecken, sichert die Zukunft der nächsten Generationen.

Gott: Ja, nicht dem Konsum zu Kreuze kriechen, sondern nachhaltig in einen der Erde wohltuenden Kriechgang runterschalten und länger als 200 m durchhalten, das kann noch was bewirken.

Mensch: Diesen Glauben hast du also noch nicht verloren?

Gott: Noch nicht!

Mutzuspruch

24. Sonntag in der Passionszeit - 27. März 2022
 

Mensch: Jetzt wird es wirklich Frühling! Es ist so schön, draußen zu sitzen und die Sonne zu genießen. Ich war in den letzten Tagen immer unterwegs, weil ich davon gar nicht genug kriegen konnte. Da geht einem doch einfach nur das Herz auf!

Gott: Ja, mir macht es auch große Freude, weil ich beobachten kann, wie viele Menschen aufatmen, in die Parks und auf die Straßen strömen, im Garten arbeiten und die ersten Beete herrichten. Das ist so ein hoffnungsvolles Bild. Das macht mir Mut!

Mensch: Dass du das auch brauchst: Mut!? Wundert mich jetzt ehrlich gesagt etwas!

Gott: Na ich könnte es mir einfach machen und auf Jesus verweisen und sagen: „Ich bin auch nur ein Mensch!“ Jesus ist ja auch manchmal an der Hartherzigkeit der Menschen seiner Zeit verzweifelt. Allerdings ist er auch mal wütend geworden und hat Klartext gesprochen.

Mensch: Das erfordert dann schon wieder einen gewissen Mut.

Gott: Dennoch muss ich gestehen, dass es mir gefallen würde, wenn ich merken würde, dass ihr Menschen euch bemüht, mich nicht zu sehr mutlos werden zu lassen. Stellst du dir manchmal diese Frage, bei dem was du tust, ob mich das mutlos machen könnte?!

Mensch: Ehrlich gesagt nicht. Gott: Dann wünsche ich mir das mir mal von dir, wenigstens als Pilotprojekt für einen Tag! Ich gebe dir diese Fragen einfach mal mit für heute: Mache ich Gott mit dem, was ich gerade tue, mutlos? Wie kann ich ihm denn am besten Mut machen heute?

Mensch: Ich spreche dir heute mal Mut zu! Versprochen!

Neue Zeiten einläuten

Mittwoch in der 4. Passionswoche - 30. März 2022
 

Mensch: Ein Kreuz mit Läuteanlage? Da hat sich aber jemand einen originellen Schalter für die Glockenläuteanlage ausgedacht.

Gott: Da wird dann bei jedem Läuten sehr deutlich, für wen da geläutet wird. Zum Gottesdienst, zur Taufe, zur Hochzeit und zur Trauerfeier. Es geht um Jesus, der sich darauf hat festnageln lassen, dass ich euch Menschen liebe, auch wenn ihr nicht alles gut macht.

Mensch: Die Botschaft deines Sohnes Jesus kam ja bei den einflussreichen Leuten der damaligen Zeit nicht so gut an, deswegen wollten sie ihn mundtot machen und haben ihn des Aufruhrs gegen die römische Besatzungsmacht bezichtigt und es so geschafft, dass er zum Tode am Kreuz verurteilt wurde.

Gott: Das war ganz schön hinterhältig. Den Aufruhr hat Jesus ja eher bei den ach so Frommen, die meinten alles gut und richtig zu machen, verursacht. Ich gebe zu, er sollte schon mal richtig diesen ganzen Schlamassel aufrühren. Insofern passt das Wort „Aufruhr“ ganz gut. Ich konnte das nicht mehr mit ansehen, wie Menschen ausgegrenzt wurden, weil sie Fehler gemacht und nicht perfekt alle Geboten eingehalten haben.

Mensch: Du liebst den Sünder also genauso wie den Frommen, der nahezu alles richtig macht?

Gott: Ich mache einfach einen Unterschied zwischen dem, was ein Mensch tut und dem was er ist, nämlich mein Kind. Natürlich wünsche ich mir, wie jeder Vater und jede Mutter auch, dass sich meine Kinder an meine gut gemeinten Empfehlungen fürs Leben halten. Das ist ja auch das Beste für sie. Aber wenn es schief läuft, kündige ich doch nicht meine Liebe und lasse niemanden fallen.

Mensch: Das habe ich im Konfirmandenunterricht mal gehört: „Gott ächtet die Sünde, aber er achtet den Sünder!“

Gott: Das trifft es, was ich meine. Ich glaube wirklich, dass das mit der Sünde sich nur dann zum Guten kehrt, wenn jeder und jede erst mal merkt: 

„Der hat mich trotzdem lieb! Zu dem kann ich jederzeit kommen.“Mensch: Die Glocken wollen also eigentlich immer eine neue Zeit einläuten?

Gott: Sie rufen zum Gebet, zum Gespräch zur Begegnung mit mir. Ich freue mich immer,wenn ich angesprochen werde. Das Läuten der Glocken ist eine regelmäßige Erinnerung, dass ich bereit stehe und ein offenes Ohr habe und auch was zu sagen. Nach einer gemeinsamen Zeit mit mir, können durchaus neue Zeiten eingeläutet werden.

Friedenskampf

5. Sonntag in der Passionszeit - Judika - 3.April 2022

 

Mensch: Der Heilige Georg lässt grüßen! Den trifft man ja oft auf Bildern in Kirchen, wie er mit dem Drachen kämpft und ihn natürlich besiegt.

Gott: Ja, die Menschen haben so mit einigen bösen Drachen zu kämpfen. Mancher ist über gewisse Strecken ja selbst ein ganz schöner Drache.

Mensch: Aber der selbstkritische Blick in den Spiegel, wo man das erkennen könnte, gelingt eben nicht immer!

Gott: Vielleicht wird daher der Georg so oft als Drachenbezwinger dargestellt, damit jeder und jede immer mal wieder an seine Aufgabe erinnert wird, den eigenen Drachen zu bekämpfen oder auch den, der einem so im Leben begegnet. 

Mensch: Aber kämpfen hört sich schon ganz schön kriegerisch an. Jesus hat doch mal gesagt, wenn dich einer auf die linke Backe schlägt, dann halte ihm auch noch die rechte hin. Das habe ich noch nie verstanden, wie das gehen soll. Das öffnet der Gewalt doch Tor und Tür!

Gott: Man kann es unterschiedlich verstehen. Ganz wörtlich, dann wird es unverständlich und wirkt feige und dumm. Aber ich meine, es gibt dahinter eine Wahrheit: Gewalt ist nicht das Mittel zur Konfliktlösung, sondern den Gegner verblüffen mit etwas was er nicht erwartet, weil er im Denken der Gewaltspirale gefangen ist. Es braucht immer einen Blick über den einfachen Horizont der immer wiederkehrenden Gewaltanwendung hinaus, dann gibt es eine neue Chance für den Ausstieg.

Mensch: Wenn dieser Ausstieg doch nur gefunden werden könnte, in den Kriegen, die gerade auf unserem Erdball toben! Irgendwie verteidigen muss man sich ja.

Gott: Dieser Satz von Jesus bestreitet nicht das Recht auf Verteidigung, aber er schärft ein, dass der Kampf gegen den Drachen manchmal mit ganz anderen Mitteln noch geführt werden muss, als mit der Waffe in der Hand. Das ist sicher noch viel schwieriger als die Waffe zu benutzen. Mit jemandem zu sprechen, der mir und anderen Gewalt angetan hat und wieder eine Grundlage zu finden, nebeneinander leben zu können. Das ist auch ein großer Kampf gegen das Bedürfnis Rache zu üben zum Beispiel, eben einfach Böses mit Bösem zu vergelten. 

Mensch: Ja, wenn man ewig alles in gleicher Münze heimzahlt, sind am Ende alle tot und es gibt keinen mehr zum Begraben.

Gott: Das gilt es im Blick zu behalten, will Jesus mit diesem Spruch sagen.

Mensch: Auh Backe. Das ist echt schwer!

Gott: Aber notwendiger Weise doch unentwegt einen weiteren Versuch wert.

Jesus zu Herzen gehen

Mittwoch in der 5. Passionswoche - 6. April 2022

 

Mensch: Das sieht ja schon wie ein Karfreitagsbild aus. Ist ja noch ein paar Tage Zeit bis dahin.

Gott: Leider ist auf dieser Welt jeden Tag an vielen Orten Karfreitag und es werden Menschen verfolgt, verurteilt, hingerichtet und gekreuzigt! 

Mensch: Ja da hast du sicher den größeren Überblick. Aber ich kann mir das schon vorstellen.

Gott: Durch den Krieg in der Ukraine ist es vielen hier eben etwas näher gerückt. Als es weiter weg war und aus einem anderen Kulturkreis, dann ließ es sich doch leichter verdrängen.

Mensch: Ja, so sind wir Menschen.

Gott: Oft schon, aber zum Glück nicht immer. Ich freue mich über jeden Menschen, der sich gegen Unrecht engagiert.

Mensch: Ist ja auch nicht so einfach, wenn man in Russland gegen die Regierung was sagt, muss man sich auch auf einen gefährlichen Kreuzweg einstellen. Der Gekreuzigte auf dem Grabstein wirkt da fast ein wenig zu gelassen, seine Arme wie Flügel eines Vogels irgendwie. Gar nicht unbedingt so extrem leidvoll...

Gott: Ja, es ist mir auch aufgefallen, dass es eine besondere Darstellung ist. Ist dir noch etwas aufgefallen?

Mensch: Der weiße Fleck, da wo das Herz ist. Da ist ein Stück Stein wohl abgeplatzt.

Gott: Ja, ein gekreuzigter Jesus mit einem offenen Herzen. Ich finde dieser Grabstein für einen im Krieg gefallenen Soldaten lädt ein, Jesus mal ins offene Herz zu schauen. Er sagt: Schau rein bei mir, in meinem Herzen ist Platz für dich! Ich hab mich hier darauf festnageln lassen, dass ich jeden liebe, dass DU mir ganz lieb und teuer bist. Ich bin ganz offen, auch wenn ich gerade schwach aussehe. Es kommt die Zeit, in der wir zusammen abheben werden.

Mensch: Stimmt, irgendwie lädt dieser Gekreuzigte zum Fliegen ein. Als ob ich ihm vertrauen könnte, dass er weiß: Der Kreuzweg und der Tod haben nicht das letzte Wort in diesem Moment und den kommenden Zeiten. Er wartet auf den Weckruf und dann geht’s los.

Gott: Dann lass dich von IHM einladen und tritt ein! ER ist offen für dich! Geh IHM zu Herzen!

Familienpflege

6.Sonntag in der Passionszeit – Palmarum – 10. April 2022
 

Mensch: Vor ein paar Tagen habe ich eines deiner müden Geschöpfe über unsere vielbefahrene Dorfstraße zum Dorfteich getragen. Ein Teichmolch, der war noch ganz starr vor Kälte. Ich war mir sogar unsicher, ob er überhaupt noch am Leben war. Aber je länger er in meiner Hand war, ist ihm wohl etwas wärmer uns Herz geworden und er begann sich ganz zart zu bewegen.

Gott: Zart!? Interessantes Wort für deine Erfahrung.

Mensch: Ja, diese zarte Bewegung hat mich auch an eine lange zurückliegende irgendwie ähnliche Erfahrung erinnert, als ich als neunjähriger Junge, die Hand auf den Bauch meiner schwangeren Mutter gelegt habe und die Bewegungen meiner Schwester in ihrem Bauch spüren konnte.

Gott: Warum hast du den Molch denn über die Straße getragen?

Mensch: Ich hatte die Befürchtung, dass er unter die Räder kommt in unserer schnellen Welt.

Gott: Schön, dass du dir um so etwas Gedanken und Sorgen machst... Und mit solchen Sorgen nicht an der Grenze der eigenen Herkunftsfamilie halt machst. Das wünsche ich mir jeden Tag mehr und mehr, dass Menschen entdecken in was für einer großen Familie ich sie zur Welt gebracht habe. Ich bin lange mit dem Gedanken an die Erschaffung des Menschen schwanger gegangen. Hatte schon meine Bedenken, ob die Menschen ein solidarisches oder eher egoistisches Familienmitglied in der Schöpfungsfamilie werden.

Mensch: Wie ist dein Fazit jetzt nach ein paar Millionen Jahren?

Gott: Ernüchternd, wenn ich eine ehrliche Bilanz ziehe... Aber auch nicht hoffnungslos! 

Mensch: Würdest du uns noch einmal in diese Welt setzen?

Gott: Irgendwie komme ich immer wieder nicht umhin, euch Menschen, doch noch etwas zuzutrauen. Es gibt immer wieder Schritte in die richtige Richtung, die kalt gewordene Herzen erwärmen, wie bei deinem Teichmolch. 

Mensch: Der hat bestimmt bald viele Nachkommen in unserem Dorfteich.

Gott: Und ich hoffe, dir folgen auch viele nach beim Sorge tragen für die Nachkommen der großen Schöpfungsfamilie.

Mensch: Es werden endlich mehr, die damit schwanger gehen.

Gott: Dann hoffe ich auf die den Kollaps abwendenden geburtenreichen Jahrgänge.

Halbvoll gehaltvoll
 

MiKarmittwoch – 13. April 2022
 

Mensch: Heute habe ich im Radio gehört, dass gute Vorsätze in der Regel nur 21 Tage lang halten.

Gott: Man könnte seufzen und sagen: „Was, nur 21 Tage?“ oder auf der anderen Seite feststellen: „Na immerhin, in 21 Tagen könnte man dann ja trotzdem was bewegen, wenn es vielen einzelnen Menschen gelingt.

Mensch: Ja. Glas halb voll oder halb leer... Je nachdem, wie man es sieht...

Gott: Irgendwie kommt es ja auf den Anfang an, dass überhaupt mal ein erster Schritt in eine neue Richtung zustande kommt.

Mensch: Also einfach locker das halbvolle Glas austrinken, anstatt es stehen zu lassen und zu sagen: „Na wer weiß, ob ein halbes Glas meinen vollen Durst stillen kann!“ Und dann eben weiter unter Durst leiden...

Gott: So könnte man es vielleicht runterbrechen. Es ist ja Wasser drin und der Mensch, vor dem das Glas steht, hat ja Durst. Also: „Prost Gemeinde! Würde ich sagen!“ An 21 Tagen wäre immerhin etwas zu schaffen. Sicher nicht alles, was nötig wäre, aber es könnte denjenigen auf den Geschmack der Veränderung bringen. Dieser könnte dann immer wieder sich melden und zum halbvollen Wasserglas greifen helfen.

Mensch: Eine Fastenbotschaft ist das aber nicht: „Prost Gemeinde!“

Gott: Es ist ja Wasser als Grundlage und Symbol des Lebens im Glas und nicht Alkohol, der in einem Rausch vorgaukelt, dass alles schick ist. Ein Fastenbotschaft ist es durchaus: Nutze das, was da ist, was du kannst, was dir dein Schöpfer geschenkt hat und messe nicht nach, ob es auch wirklich genug ist!

Trinke und werde aktiv, spüre das Leben, lass es fließen in dir und lass es wirken. Warte nicht darauf, dass doch noch jemand kommt und nachschenkt und es voller aussieht. Das könnte eine schöne Dauer-Ausrede sein, nichts liefern zu müssen und lieber weiter über Durst und weitere Unzulänglichkeiten zu klagen.

Mensch: Dann also doch lieber „Prost Gemeinde“ mit halbvollem Wasserglas!

Gott: Es kommt unter Umständen auch in nur 21 Tagen mehr heraus, als in einer durchzechten Nacht: „Prost Gemeinde!“

Du bist eingeladen!

Gründonnerstag – 14. April 2022
 

Mensch: Stimmt es, dass Jesus gerne gegessen, getrunken und gefeiert hat?

Gott: Es wird ihm in der Bibel nachgesagt, dass er ein Fresser und Weinsäufer gewesen sei. Aber es kommt ja drauf an, was man so feiert. Bei Jesus gab ja immer einen sehr lebensfrohen Grund zum Feiern, meistens waren es Hochzeiten, zu denen er mit seinen Freunden eingeladen war.

Mensch: Er hat ja auch vierzig Tage in der Wüste gefastet, da darf man es dann auch bei ein paar Hochzeiten knallen lassen.

Gott: Das hat er tatsächlich gemacht. Da war plötzlich dann doch wieder Wein da, obwohl er peinlicher Weise zur Neige gegangen war und die Gäste auf dem Trocknen saßen.

Mensch: Zusammen essen und trinken, das hat wirklich etwas Besonderes. Mache ich ja auch nur mit Menschen, die ich mag, die mir etwas bedeuten und mir gut tun.

Gott: Bei seinem letzten Essen mit seinen Freundinnen und Freunden hat er deshalb diesem gemeinsamen Essen auch eine besondere Bedeutung gegeben. Ihr feiert das heute in der Kirche ja als Heiliges Abendmahl und streitet euch untereinander über Jahrhunderte, wie das Jesus nun wohl wirklich gemeint hat mit diesem „Abendmahl“.

Mensch: Wie hat er es denn nun gemeint. Du Gott wirst es mir ja sicher sagen können!?

Gott: Da will ich jetzt mal keine spitzfindige theologische Vorlesung halten. Ganz einfach gesagt: Jesus wollte eine schöne Feier einführen, wo nicht nur Kalorien und Volumenprozente konsumiert werden, sondern in einem tieferen menschlichen Sinn genossen wird. Einfach die Gegenwart des anderen oder der anderen neben mir genießen und eine wunderbare Gemeinschaft entstehen lassen. Da wächst etwas zwischen Menschen, die sich achten, schätzen, miteinander streiten und sich doch lieben. Verbundenheit, die so etwas vertraut Ewiges ausstrahlt und so den grauen Alltag, der irgendwann wieder folgt, erhellt.

Mensch: Das hat was Heiliges, wenn so etwas gelingt!

Gott: Ich lade dich mit Jesus zu mir ein!

Gefallen und auferstanden

Karfreitag – 15. April 2022
 

Mensch: Kreuze werden auch nicht schöner, wenn die Sonne drauf scheint und der Himmel darüber blau wird. Mir ist in diesen Tagen beim Hören der Nachrichten über die Massengräber in den Kriegsgebieten der Ukraine eingefallen, dass mein Großvater irgendwo in der Nähe eines Bahnknotenpunktes in Weißrussland gefallen ist. So stand es in der lapidaren Mitteilung der Wehrmacht an meine Großmutter.

Gott: Möglicher Weise liegt er dort in einem Massengrab deutscher Soldaten. Ein Kreuz mit seinem Namen wird es wohl nicht geben.

Mensch: Wie muss es für meine Oma gewesen sein, als diese Mitteilung sie erreichte. Darüber haben wir nie gesprochen. Ich war achtzehn Jahre alt, als sie gestorben ist. Das war alles so weit weg und gehörte einer Vergangenheit an, die so wenig mit der aktuellen Realität zu tun hatte...

Gott: Jetzt sind Krieg und Massengrab plötzlich wieder real, weil sie ein paar Kilometer näher sind als sonst.

Mensch: Ja, eigentlich war der Krieg ja immer schon, auch vor dem Beginn des Angriffskrieges in der Ukraine. Der Gedanke erschreckt mich, dass ich fähig war, die kriegerische Zerstörung in Grosny, in Aleppo und auch im Jemen nicht so wichtig zu nehmen.

Gott: Das war einfach weit genug weg und hat die Preise nicht nach oben getrieben und keine Lieferengpässe verursacht...

Mensch: Muss es erst mir selbst weh tun, bevor Krieg mich betroffen macht und zum Handeln antreibt?

Gott: Dieses Örtchen an der Mosel gedenkt jedenfalls seiner im zweiten Weltkrieg gefallenen Toten. Über den Kreuzen steht die Statue des Heiligen Georg, der kraftvoll und entschlossen den Drachen bezwingt und auf einem Grabstein inmitten der Soldatengräber zeigt sich der gekreuzigte Jesus mit dem offenen weißen Herzensfleck. Das Bild hat mich sehr berührt. Es drückt für mich irgendwie diese große Nähe in einer Leidensgemeinschaft aus, wie ich den grausamen Tod Jesu am Kreuz versuche einzuordnen.

Mensch: Bis zur letzten Konsequenz hat er mit dem Mensch-Sein ernst gemacht und sich so tödlich verletzlich gemacht. Aber irgendwie gehört er mit seinem offenen Herzen da auch hin zu diesen ganzen mit Gewalt jäh abgebrochenen Soldatenleben. Es macht einen Unterschied, als wenn da nur Kreuze mit Namen der Gefallenen stehen würden. Und zusammen mit Sonnenstrahlen, klarer Luft und lebendigen Blumen verändert sich etwas beim Betrachten in mir.

Gott: Und das wäre?

Mensch: Der Trauernde, der auf diesen Friedhof kommt, kommt nicht umhin, auch den Bezwinger des Todes anzuschauen. Dem auf dem Kreuz festgenagelten und doch nahezu mit dem schweren Kreuz abhebenden Jesus kann sein Blick kaum ausweichen und wenn er den Kopf noch höher hebt, dann fällt sein Blick auf die übermannsgroße Figur des Heiligen Georg, der gerade den bösen Drachen besiegt! Und das alles in mitten der Gefallenen des Dorfes!

Gott: Die schon auferstanden sind! Ein Friedhof mit Hoffnungscharakter!

Kreuz mittragen
 

Karsamstag – 16. April 2022

 

Mensch: Gott ich glaube die wenigsten wissen, dass der heutige Tag „Karsamstag“ heisst. Die meisten denken, es wäre heute der „Ostersamstag“. 

Gott: Da hast du sicher Recht. Nach dem Karfreitag kommt eben erst einmal der Karsamstag. Der Tag des Grabesruhe und es ist einer der Kartage, die eben noch von dem Erinnern an das Leiden Jesu, seine grausame Hinrichtung, seinen Tod und die hastige Bestattung geprägt sind.

Mensch: Gräber bestimmen jetzt auch gerade das Bild in den Nachrichten. Irgendwie fühlt sich alles wie ein ständiger Karfreitag und Karsamstag an! Wie geht es dir Gott damit?

Gott: Es verschlägt mir die Sprache! Ich bin traurig, wütend, enttäuscht. Nach Ostern und Auferstehung sieht es heute erst mal noch nicht aus. Ich suche gerade einen Hoffnungsschimmer. Aber im Kriegsgeschehen scheint keiner zur Vernunft zu kommen. Die Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller.

Mensch: Das geht mir auch so. Einfach nur schrecklich! 

Gott: Gestern habe ich den Kreuzweg, einer Kirchengemeinde besucht. Der Kreuzweg Jesus wurde in Stationen nachgestellt und ein Holzkreuz von Station zu Station getragen. Dann wurden aktuelle Texte gelesen, wo die heutige Situation von Menschen, die gerade ein Kreuz tragen, veranschaulicht wurde. Etwas hat mich bei der kleinen Gemeindegruppe sehr beeindruckt. Der Pfarrer hat gefragt, wer es denn mal übernehmen würde, das Kreuz von Station zu Station zu tragen. Es könnten ja auch immer ein anderer oder eine andere tragen, denn ein gewisses Gewicht hätte es aufgrund seiner Größe schon.

Mensch: Und hat sich jemand gefunden? 

Gott: Es fing damit dann, dass der Pfarrer einfach einen Mann aus der Gemeinde gefragt hat, ob er es machen für den Weg zur ersten Station.

Er war erst mal überrascht und hat es aber dann einfach gemacht und dann auch noch zur zweiten und dritten.

Dann aber hat jemand anders zugegriffen und hat das Kreuz getragen, dann wieder ein anderer Mann, dann auch noch eine Frau, dann noch ein anderer Mann. Es wurde irgendwie selbstverständlich, sich beim Kreuztragen abzuwechseln, so ganz ohne Zwang. Das war so ein Hoffnungsschimmer, den ich an diesem Karfreitag gebraucht habe

Mensch: Ein Gegengewicht gegen die aktuellen Bilder der Gewalt.

Gott: Ja, das zu sehen, hat mir gut getan!

Mensch: Und jeder der real erfahren darf, dass jemand an seinem Kreuz mit zugreift, dem wird es auch gut tun.

Gott: Irgendwie kommt es ja auf den Anfang an, dass überhaupt mal ein erster Schritt in eine neue Richtung zustande kommt.

Hoffnungs-ge(h)-Währung

Ostersonntag – 17. April 2022

 

Mensch: Ich hätte ja mal eine finanztechnische Frage an dich Gott! Kennst du dich damit aus? Mit Inflation und Währungen und sowas. Es heißt ja, dass das Geld immer mehr Wert verliert und es ist die Frage in welche Währung ich investieren könnte. Aber ich glaube, dieses Thema liegt dir eher fern.

Gott: So ganz falsch liegst du damit nicht. So mit den gängigen Geldwährungen habe ich es nicht so - das stimmt.

Mensch: Du arbeitest ja auch eher nicht mit Geld. Die Kirche muss ja schon damit haushalten.

Gott: Ja bei mir zählt dann doch eher eine Währung, die auf die Ewigkeit abzielt, weil sie beständig ist und keinen Kursschwankungen unterworfen.

Mensch: Jetzt wird es interessant! Was ist denn deine sichere, ewig beständige Währung?

Gott: Ich verrate schon mal, dass meine Bank, die die Währung ausgibt, auch jeden Sonntag mit vielen Filialen weltweit geöffnet hat. Und Ostern ist der Tag, an dem eine ordentliche Neuausschüttung dieser harten Währung erfolgt. 

Mensch: Das hört sich an wie ein Werbesport, in den Gottesdienst zu kommen.

Gott: So kannst du es von mir aus gerne verstehen. Der Liedermacher Wolf Biermann hat einmal gesagt: „Ostern ist die härteste Währung auf dem Markt der Hoffnungen!“ Zu Ostern versuche ich immer noch mal eine Menge frische Währung in den hungrigen Markt zu pumpen.

Mensch: Du meinst jetzt hoffentlich nicht die bunten hartgekochten Ostereier! Was ist denn nun deine empfehlenswerte Oster-Währung.

Gott: Das mit den Ostereiern hat die Kirche ja aus der germanischen Religion übernommen und christlich gedeutet: Aus dem eher tot wirkenden Ei, entsteht dann doch neues Leben. Aber mein Auferstehungsbild ist ja eher das „leere Grab“. Ich habe die Freundinnen und Freunde Jesu erfahren lassen, dass Jesus wieder da war, neu und ganz anders als vor der Hinrichtung am Kreuz. Ich habe ihn nicht abgehakt im Grab liegen und eben nicht dem Vergessen anheim fallen lassen. Ich habe ihn in den Herzen derer, die ihn geliebt haben wieder auferweckt. Jesus hat wieder zu ihnen gesprochen und sie begleitet. Das musste sich dann so anfühlen, wie es die Geschichte vom leeren Grab aus den Evangelienerzählungen nahe legen möchten.

Mensch: So nach dem Motto: Wenn mir Jesus begegnet und zu mir spricht, dann kann er ja nicht mehr im Grab liegen!?

Gott: Ich denke, es ist gar nicht so wichtig, wie eine leibliche Auferstehung möglich ist, sondern dass ein

Mensch fest seiner Erfahrung vertraut, dass er Jesus eben als nicht mehr tot, sondern sehr lebendig in seinem Leben erlebt und spürt. Der Baum auf dem Bild verkörpert diese Haltung für mich sehr anschaulich. Diese Erfahrung, dass sich das Minus des Lebens in ein Plus an Leben verwandelt, haben Menschen in den letzten 2000 Jahren immer wieder gemacht, wenn sie nicht beim Karfreitag und Karsamstag hängen geblieben sind, sondern dem Auferstandenen weiter nachgefolgt sind. So sind sie wie der Baum in einen festen Stand hineingewachsen.

Mensch: Das hat sich ja offensichtlich für viele auch ausgezahlt und du, Gott, hast da eine gewisse Aktie dran, mit deiner Hoffnungswährung.

Gott: Sie wird kostenlos an alle Selbstabholer gerne auch im Tausch gegen belastende Negativerlebnisse abgegeben. Öffnungszeiten täglich rund um die Uhr, auch am Sonntag und besonders zu Ostern, aber nicht nur.

Mensch: Ich würde sagen, dass sind himmlische Ladenöffnungszeiten!

Dem Auferstandenen begegnen

Ostermontag – 18. April 2022

 

Gott: Willkommen am Ostermontag in der Heiligen Osterwoche vom Ostersonntag bis zum Ostersamstag und dem Weißen Sonntag.

Mensch: Warum wird denn Ostern eigentlich eine ganze Woche gefeiert? Die meisten haben am Ostermontag Abend bestimmt schon den ganzen Osterschmuck weggeräumt!

Gott: Genau genommen ist das erst mal nur die Heilige Osterwoche, die Osterzeit geht sogar bis zum Himmelfahrtstag 40 Tage nach dem Ostersonntag. Eigentlich eine ganz einfache Rechnung: Die Fastenzeit war 40 Tage lang, also sollte die Osterfestzeit auch 40 Tage dauern.

Mensch: Um sich die verlorenen Pfunde wieder drauf zu futtern?

Gott: Die Gaumenfreuden dürfen schon auch sein, das gehört auch mit zum Auskosten der Osterfreude, wenn man etwas wieder isst, worauf man eine ganze Weile verzichtet hat. Aber eigentlich ist es von meiner Seite her eher so wie eine eingebaute Sicherung gedacht. 

Mensch: Das musst du mir jetzt aber näher erklären.

Gott: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Auferstehung auch schnell wieder vergessen geht. Der Stein ist wieder vor das Grab gerollt und das Vertrauen in die Oster-Währung - siehe unser gestriges Gespräch - ist am Bröckeln. Deshalb lade ich dazu ein, an der Auferstehung länger dran zu bleiben.

Mensch: Und wie stellst du das an?

Gott: Heute in der Evangeliumslesung wird von einem ersten Versuch meinerseits berichtet. Ich habe Jesus mal incognito losgeschickt, damit er zwei Jünger, die sich wieder in ihr altes Leben im kleinen Dorf Emmaus verdrücken wollten, die Augen dafür öffnet, dass er tatsächlich nicht mehr tot ist.

Mensch: Die Story kenne ich. Beim gemeinsamen Essen haben sie ihn erst erkannt.

Gott: Jesus hat sich zu erkennen gegeben und war dann aber auch gleich wieder weg. Die beiden Jünger sind dann wieder zurück nach Jerusalem gegangen und haben über ihre Begegnung mit Jesus den anderen Jüngerinnen und Jüngern berichtet. Aber eine Auferstehung kann ein Mensch nur glauben, wenn er dem Auferstandenen eben begegnet und er ihn in der Begegnung eben auch erkennt.

Mensch: Wie kann ich ihn denn erkennen?

Gott: Die Emmausjünger haben ihn an seinen Worten und Taten erkannt, eigentlich so richtig erst als er das Brot mit ihnen geteilt hat.

Mensch: Also wenn jemand mit mir teilt, was er selber hat, dann kann so etwas wie Ostern geschehen?!

Gott: Ja und du selbst kannst so auch ein Auferstandener werden. Du bist dann auch in meinem Auftrag unterwegs, um für andere den Karfreitag und Karsamstag in einen Ostersonntag und Ostermontag oder sogar in eine längere österliche Zeit zu verwandeln. Durch Miteinander-Teilen!

Vom Minus zum Plus

Osterdienstag – 19. April 2022
 

Gott: Das ist ja mal ein ganz anderes Kreuz! Gefällt mir gut! Irgendwie voller Leben!

Mensch: Ja genau, es entstand bei einem Familiengottesdienst im Pfarrgarten in Trockenborn am Ostersonntag. Zu Weihnachten stand an der Stelle noch die Geburtskrippe in der Christvesper.

Gott: Und zum Fest der Auferstehung zu Ostern sieht es ja wieder ganz ordentlich lebendig aus. Eine schöne Parallele!

Mensch: Jeder konnte als Symbol für seinen Osterwunsch an dich Gott, einen Buchsbaumzweig oder eine Blume an das Kreuz stecken und so wurde es zu einem lebendigen Kreuz.

Gott: Ja hat sich ganz gut verwandelt. Es ist nicht mehr nur ein Folterinstrument. Sieht eher aus wie ein blühendes „Plus“. Die ersten Christen haben ja damals auch das Kreuz irgendwann dann nicht mehr nur als das Symbol des Foltertodes Jesu gesehen. Die Erfahrung, dass Jesus auferweckt wurde und lebt, hat dem Kreuz diese tödliche Macht genommen und so ist es jetzt auch Symbol für das neue Leben nach der Auferstehung.

Mensch: Die Gebetswünsche, die die Leute beim Gottesdienst zum Kreuz im Stillen hingetragen haben, die haben durch die tollen Farben des Frühlings den Blick auf das Kreuz ganz real verändert. Dann haben die Kinder noch einen gebastelten roten Schmetterling angebracht...

Gott: So ist es von einem Weg-Gucker zum Hin-Gucker geworden!

Mensch: Ja wie bei den ersten Christen, es strahlt jetzt Lebenskraft aus, auch wenn die Kraft des Leidens nicht komplett weggewischt ist. Es ist eben Hoffnung gewachsen.

Gott: Das ist auch mein großer Osterwunsch, dass das Kreuz des Krieges ein Ende findet und Leben gerettet werden.

Ostern in Sichtachse

Ostermittwoch – 20. April 2022
 

Mensch: Gott, du hast gestern gesagt, dass Ostern bei uns Menschen immer so schnell wieder vergessen geht. Hast du einen Tipp für mich, wie ich das verhindern könnte.

Gott: Na, du darfst schon immer und jeden Moment damit rechnen, dass ich dir Jesus mal über den Weg schicke. Ich hoffe du erkennst ihn dann auch.

Mensch: Womöglich habe ich ihm schon des öfteren mal die Tür vor der Nase zugeschlagen, könnte ich mir vorstellen...

Gott: Denke, dass das jedem und jeder immer mal wieder passieren kann. Aber einen ganz praktikablen Tipp hätte ich zusätzlich noch.

Mensch: Praktikabel klingt schon mal gut!

Gott: Das hat auch was mit dem lebendig geschmückten Osterkreuz von gestern zu tun. Ich glaube, es steckt eine große Kraft in solchen Symbolen. Such dir doch für die 40 Tage Osterzeit bis Himmelfahrt mal ein Bild, dass du mit Auferstehung verbindest oder ein Symbol das dich an eine ungeahnte Wendung zum Positiven in deinem Leben erinnert. Das kann auch ein Foto sein, was du dir mal dahin stellst oder legst, wo dein Blick mehrmals am Tag hinfällt. 

Mensch: Da muss ich mal überlegen , wo das sein könnte. Gar nicht so einfach.

Gott: Vielleicht ist es gar nicht verkehrt, so eine häufig von deinen Augen benutzte Sichtachse in deiner Wohnung zu suchen und dann ganz bewusst dort ein Bild oder Symbol der Auferstehung einzubinden.

Wenn dein Blick dann immer im Alltag ganz automatisch darauf fällt, kommt die Auferstehungsbotschaft in dein Blickfeld und kann wieder ihre befreiende Wirkung entfalten und wenn es gut geht, etwas fest und schwer Gewordenes ins Rollen bringen.

Mensch: Also quasi ein Osterbild, was meinen Weg immer wieder kreuzt. Da ist was dran, ich habe mal eine gute Erfahrung mit einem Foto gemacht, was ich mir in meine Arbeitsmappe gesteckt hatte.

Gott: Dann lass mal deinen Blick über Ostern kreuzen!

Mit Jesus um die Wette

Osterdonnerstag – 21. April 2022
 

Mensch: Eine Rotbuche und eine Kiefer. Ziemlich einträchtig beieinander oder es ist auch eine harte Konkurrenz?!

Gott: Beides? Und das wäre vielleicht auch gar nicht so schlimm.

Mensch: „Konkurrenz belebt des Geschäft!“ So heißt es doch.

Gott: Da ist schon was dran. Es braucht oft einen gesunden Wettbewerb, damit dann im ganzen mehr herauskommt – sogar für beide Konkurrenten!

Mensch: Das ist mir immer bei der Leistungskontrolle im 100 Meter Lauf immer aufgefallen. Wenn ein nahezu gleichstarker Klassenkamerad neben mir lief, kam bei mir ein besseres Ergebnis heraus, weil ich dann noch noch zusätzliche Kräfte mobilisieren konnte.

Gott: Konkurrieren kommt ja aus dem Lateinischen und heißt soviel wie „zusammen laufen“. Letztlich können beide um die Wette Laufenden mehr erreichen, als wenn jeder nur für sich alleine den Lauf bestritten hätte.

Mensch: Ich glaube im Radsport gibt es sogar extra Fahrer, die nur dafür da sind, diesen belebenden Effekt für einen prominenten Fahrer zu provozieren.

Gott: Eine gute Taktik eigentlich. Vielleicht sollte ich Jesus mal öfter so einsetzen, also mit euch Menschen mitlaufen lassen und mal ordentlich auf die Sprünge helfen. Er gibt ja eine gute Richtung vor, hat eine Menge Kraft und Ausdauer.

Du Mensch brauchst dich nur von ihm inspirieren lassen, dann könnte es ein ganz anderer Lebenslauf werden

Mensch: Heute gehe ich mal mit Jesus rennen!

Gott: Dann lass dich mal nicht ausbremsen. Mit dem veränderten Lebenslauf darfst du dich gern bei mir als anspornender Mitläufer zum dauerhaften Einsatz in meinem Sinne bewerben. Es gibt immer noch zu wenig Freiwillige für diese wichtige Aufgabe.

Auferstehungstraining

Osterfreitag – 22. April 2022
 

Mensch: Heute ist es eine Woche her, dass Karfreitag war. Irgendwie ist der Karfreitag trotz Ostern noch da.

Gott: Ja das ist leider jedes Jahr zu Ostern so. So ein Osterfest ist immer wieder so etwas wie eine Übung finde ich. Auferstehung ist etwas, das es einzuüben und zu trainieren gilt.

Mensch: Das ist mit dem morgendlichen Aufstehen auch oft so!

Gott: Das kann man schon miteinander vergleichen. Hast du denn das Aufstehen gut trainiert, gelingt es dir.

Mensch: Ich versuche zeitiger ins Bett zu gehen und ich stelle mir einen Wecker und morgens laufe ich eine Runde im Garten und tanke ordentlich Frischluft und Sonnenlicht.

Gott: Beim Auf-er-stehungstraining könntest du das doch auch tun!

Mensch: Das bekomme ich jetzt grad nicht zusammen. Wie meinst du das?

Gott: Auferstehung muss oft gut vorbereitet werden, so wie du eben am Vorabend früh ins Bett gehst. Du könntest ja mal am Vorabend deines nächsten Tages überlegen, welche Vorbereitungen zu treffen wären, damit ein schwerer Stein einer aussichtslosen Situation wegrollt werden kann. Vielleicht gibt es auch einen Menschen in deinem Umfeld, der schon öfters bewiesen hat, dass so eine Art Weckerfunktion ganz gut übernehmen kann. Ein Mensch, der im richtigen Moment, dich aus dem Schlaf oder dem Erstarrtsein rüttelt, damit du das Leben nicht verpasst und die richtigen Weichen stellst oder ganz neue Schritte wagst. 

Mensch: Ich verstehe: So ein Mensch könnte sich dann als ein Engel am leeren Grab entpuppen. Mir ist gerade tatsächlich jemand eingefallen. Hab lange nicht mit ihm gesprochen...

Gott: Na dann geht doch mal zusammen eine Runde im Garten oder Wandern im Wald oder kocht und esst zusammen. Das wäre sicherlich ein gutes Auferstehungstraining! Bei deiner individuellen morgendlichen Runde im Garten könntest du ja mal laut zu dir selbst sagen: ICH LEBE. Nicht nur einmal, damit es nicht so schnell in den Stunden des Tages untergeht. Auch ein Wiederholungstraining im Laufe des Alltags mit diesen zwei Worten könnte hilfreich sein. Probier es doch aus! Und schön tief ein und ausatmen dabei. Dann spürst du es!

Mensch: ICH (atmet ein) LEBE! (atmet aus)

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Ostersamstag – 23. April 2022

 

Gott: Na hast du heute, wie ich dir gestern empfohlen habe, mal „Ostern geatmet“ . Hast du das Leben gespürt? Gut trainiert?

Mensch: Ja, es war wirklich ein Unterschied! Das hätte ich dieser geistigen Morgengymnastik gar nicht so zugetraut. Ist ja so einfach und doch tiefgehend, die beiden Worte atmend zu sprechen; ICH …. LEBE. Das war wirklich wie so ein Aufladen!

Gott: Und kostenlos, wie an der Ladesäule, an der du letztens dein Elektroauto geladen hast!

Mensch: Das einzige, was es kostet, ist Zeit. Ich muss mir die Zeit und den Raum einfach nehmen.

Gott: Wenn du gut aufgeladen wirst mit Lebenssaft und Lebenskraft, dann ist das ja kein Verlust, sondern ein Gewinn!

Mensch: Ja, bei meinem Auto ist es ja auch so. Wenn ich nicht regelmäßig zur Ladesäule oder an meine Ladestation zuhause im Hof fahre, ist der Akku irgendwann alle und ich würde auf der Strecke liegen bleiben. Mit dem Auto ist mir das noch nie passiert, aber in meinem Lebensrhythmus durchaus.

Gott: Ist schon etwas komisch, dass du die Sorge für deine Mobilität mit dem Auto ganz gut klappt, aber für die Lebendigkeit in deinem Leben verwendest du weniger Sorgfalt und gehst bereitwilliger das Risiko ein, mit leerem Akku liegen zu bleiben. Hast du eine Erklärung dafür?

Mensch: Vernünftig ist das natürlich nicht! Macht mich natürlich nachdenklich deine Nachfrage.

Gott: Ich hab genügend Energie. Komm einfach zum Aufladen! Ich hab dann auch was davon, wenn du in einem guten Sinn unter Strom stehst. 

 

Das Unrecht konnte nicht einfach so in Recht verwandelt werden. „Ich bleibe da bei – Hier stehe ich, ich kann nicht anders!

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