
Lebenserfahrung des Sumpfstorchschnabels
Bleib immer ganz dicht
gelehnt an die Nessel.
Hab mich hochgearbeitet
aus dem niedrigen Sessel.
Verlasse nun des Dunkels Tücken.
Zeige doch guten Mut.
Bin nicht so einfach zu pflücken,
hinter Brennesselglut.
Dauert nicht lange
dann wächst mir ein Schnabel.
Mir ist nicht bange.
Das macht die Samen passabel.
Werde durch Nesseln wachsen.
Will nicht tief versumpfen.
Das Köpfchen macht Faxen.
Darf nicht Gefahr laufen abzustumpfen.
Also lock ich die Hummel
und zeig mich mit Wonne.
Selbst im schlichtesten Fummel,
steh ich doch in der Sonne.

Über den grünen Klee
Du darfst mich Loben.
Hab mich gut gehalten.
Mich durch Hitze geschoben.
Ohne zu altern.
Überzeuge mit Grünkraft
Reck meine Blüte.
Nur das schafft
Vertrauen in Gottes Güte.
Meister des Frühlings bin ich
Entdecke das Grab.
Locke ins Leben
Wo jemand starb.
Bandele an mit jeder Biene
und lass alle weiden.
Verzieh keine Miene,
wenn zwei sich streiten.
Eigentlich bin ich die beste Nahrung.
Doch mancher sucht mein seltenes Stück.
Deutet das als ersehnte Erfahrung
von ungetrübtem Leben im Glück.
Aber brauchts dazu meine vier Blätter?
Ist es nicht nötig, dafür was zu tun?
Ich dagegen empfehle bei jedem Wetter,
mutig wachsend in sich zu ruhn.

Doldensonne
Wiese zuhauf
Sonnen brennen
Blüten im Lauf
Käfer rennen
Bienen schwirren
Grashüpfer steigen
muss keiner sich irren
weil Farben sich zeigen
Sonne trifft Dolde
strahlt mit Güte
wie Gott es wollte.
für deine Blüte

Horizonterweiterung
Kommst du mit
Zu sehen was kommt
Spur aufnehmen
Hinter den Berg schauen
Oder bist du dabei, hinter dem Berg zu halten
Kommst du mit
über den nächsten
Durchschreitest mit mir auch das Tal
Willst du nur ernten
Oder auch mit mir ackern und säen
Halte dich nicht hinterm Berg.
Ich will dich sehen
Komm mit

Ölsaat
Lichtfeld haben
Feldversuch wagen
Spielfeld beherrschen
Lichtspiel genießen
Sichtfeld weiten
Versuchsfeld betreiben
Im Wachsen verbleiben

Becherovka
Hier kann ich den Frühling “bechern gehen”.
So viele Becher sind an diesem Märztag aufgestellt,
dass ich kaum treten kann.
Das möge darauf deuten,
dass es auch Vieles zu begießen geben wird in diesem Jahr.
Also betrinken wir uns ruhig an diesem wunderbaren Anblick.
Und schreiten beherzt und behutsam durch den Becher-Wald
in dem Vertrauen, dass der Schöpfer einschenkt
und wir nicht lange “Bar” eines Wunders bleiben.
Beim Schöpfer “bechern gehen” kann und darf eine Sucht werden!
An seiner “Bar” kommen wir ins Gespräch.
Anpflaumen
Unser Pflaumenbaum hat sich dieses Jahr Mühe gegeben und dennoch versagt.
Diese Dinger kann man als Wurfgeschosse für eine schlechte Theaterdarbietung verwenden. Mein Herkunftswörterbuch verrät mir, dass der Begriff “jemanden anpflaumen" daher kommt.
Es war sicher nicht angenehm, wenn man als fahrender Schauspieler auf dem Dorf mit fauligen, runzligen Pflaumen beworfen wurde. Zu einem, den man für einen Versager hielt, hat man dann gerne im Volksmund auch gesagt: "Der ist vielleicht ne Pflaume!” So wird eben schnell mal einer zur Pflaume oder Schnecke gemacht und statt konstruktiver Kritik ordentlich "angepflaumt”. Aber ob es dadurch besser wird?
Bevor wir das nächste Mal zu den fauligen Wurfgeschossen greifen und auf einen vermeintlichen Versager zielen, dürfen wir einen Blick in den Spiegel werfen und unsere eigenen Runzeln ehrlich und gern auch gnädig zur Kenntnis nehmen. Das könnte unser Urteil über die vermeintlichen "Pflaumen” unter unseren Mitmenschen etwas relativieren.


Mohnlichtlied
Lass mich stehen
Pflück mich nicht.
Kann nicht gehen.
Brauch das Licht.
Lass dich nieder.
In meiner Sonne.
Singen die Lieder.
Mit voller Wonne.
Lassen uns wiegen.
Stehen nicht still.
Leuchten und siegen.
Weil Gott es will.

Heilwuchs
Wunde im Stammbaum.
Knospen aus Hohlraum.
Ast fehlt.
Knospe zählt.
Blätter streben.
Niemals aufgeben.

Sein.
Balance halten.
Kann das einer allein?
Braucht es nicht eine ganze Reihe
von weiteren von rechts und links,
die ihr eigenes Gewicht,
ihre Gestalt,
ihre Reibung mitbringen,
damit sich alles aneinander reiht
und der Bogen des Lebens hält.
Erst wenn wir uns aneinander reiben
und sinnvoll aneinander reihen,
wird ein Bogen draus.
Weil alle die Stellung halten,
kann einer drauf stehen,
wird getragen
und kann in die Weite schauen.
Balance halten.
Aber nicht allein.
Sein.

Gebet des Distelfalters
Du
Leitest den Himmel
Legst Blüten auf Erden
Lockst duftend mit Farbe.
Leihst mir deine Flügel.
Lenkst meinen Flug.
Lädst ein zum Landen.
Lächelst mir zu.
Liebst mich mit Fehlern.
Löschst meinen Durst.
Lüftest die Hitze.
Lackierst mich neu.
Lehrst gutes Leben.
Lauschst meiner Rede.
Langweilst dich nicht.
Lügst mich nicht an.
Leidest mit mir.
Liegst nicht entfernt.
Leuchtest mir heim.
Liebst mich.

Gehen lassen
Offen bleiben
Anfassen
Haut zeigen.
Wie ein Baum stehn.
Schatten spenden.
Samen säen.
Leben wenden.

Ein weites Feld lädt ein.
Gut gegossen
Wurzeln im Boden.
Halme nach oben.
Platz zum Eintauchen für mich.
Ich knie mich rein ins Meer der Ähren.
Teile mit ihnen den göttlichen Windhauch.
Lauschen zusammen himmlischer Mitteilung.
Klettern voll Hoffnung über den Horizont.
Denn:
Ein weiter Himmel lädt ein.

Treiben
Im Gleichgewicht.
Im Flug zwei Flügel, die tragen.
Im Wasser zwei Füße, zum Paddeln.
Jede Feder bringt ihre Leichtigkeit auf die Waage.
Er wiegt sich in Sicherheit.
Das fällt ins Gewicht.
Ihm schwant nichts Böses.
Sieht von innen.
Schwimmt.
Ohne ins Schwimmen zu kommen.
Mit sich.
Im Gleichgewicht.
Schlüsselgestalt
Welcher Schlüssel
schließt auf?
Welcher Schlüssel
schließt zu?
Wer richtet den Gefallenen auf?
Wer schließt Verschwommenes wieder scharf?
Wer lässt mich aufblühen?
Wer ist mein Himmelsschlüssel
auf der Erdenwiese?
Schließ auf!
Schließ nicht zu!
Sei mein DU.
Doch am Ende steht der Preis.


Wettwuchs
Komm wir wachsen um die Wette.
Dicht an dicht das gibt uns Halt.
Reihen uns in eine Kette.
Wie in einem schönen Wald.
Erbsen treiben Schoten.
Ritter geben den Sporn.
Mohnblumen erröten.
Grüner Salat schießt vorn.
Wir streben in Frieden.
und halten zusammen
Ja, lernen uns lieben.
Sind Feuer und Flamme.

Den Geburtstagskindern
Wieder bist du ein Jahr älter.
Tage kommen und sie gehen.
Hin und wieder wird es kälter.
Mußt du jeden Morgen sehen.
Durchaus wird es auch mal heiß.
Nasser Schweiß läuft langsam runter.
Doch am Ende steht der Preis.
Nach dem Lauf ist's Leben bunter.
Und so wird für jeden Alten.
Doch ein kleines Wunder wahr.
Blüten können Duft entfalten.
Mehren jährlich ihre Schar.
Wer eine feine Nase hat,
Den können Falten wenig schrecken.
Er riecht die Kraft an dieser Statt.
Kann sich entfalten und erwecken.
So mach dir bloß nicht in die Hose.
Wenn du ne neue Falte siehst.
Betrachte dich als reife Rose,
die ent-faltend Duft ergießt

Hafen
Stell dich nicht in den Schatten.
Setz dich.
Schau in die Weite. Nicht nur zur Seite.
Komm an bei dir und rede mit mir.
Steh nicht drüber. Komm zu mir rüber.
Lass dich ruhig nieder. Komm immer wieder.
Lern wieder Genießen ohne Verdrießen.
Setz dich.
Bleiben zusammen stark und verletzlich.

Cooler Grünkohl
Das ist mein Vorbild für die nächsten Jahre! Schlicht DAS Sinnbild für Nicht-Aufgeben und Weiter-Wachsen.
Schon im letzten Sommer und Herbst hat mich der Grünkohl mit allem gefüttert, was er so in seinen leckeren Blättern zu bieten hat.
Manches von mir entrissene Blatt hat er schon mutig ersetzen müssen. Auch aller Kälte zum Trotz hat er wieder Grünes nachgeschoben.
Danke für deine lebendige Predigt. Ich gebe nicht auf! Danke dir, Gott! Auch du gibst mich nicht auf. Lass mich weiter wachsen!
So cool wie der Grünkohl.

Armada
Da geht's lang!
Ganz sicher.
Kein Zweifel.
Viele lange Arme hab ich schon verloren.
Aber mein Stamm steht
und hält noch lange meinen letzten Arm.
Ich bin nicht arm dran!
Ich reich ihn dir.
Denn ich weiß:
Da geht's lang!

Konzertreise
Weiße Kelche tanken die Abendluft.
Verschwenden freigiebig ihren Duft.
Die letzten Flieger starten und landen
Unzählige heute hier Nektar tranken.
Sanft zieht ein Hauch an einer Glocke.
Dass er ihr noch einen Ton entlocke.
In Harmonie mit regem Vogellaut
wird flugs ein Orchester aufgebaut.
Artenreich die Lebensmelodien wandern.
Schwingen sich von einer Blüt zur andern.
Es erklingen fast vergessene Weisen.
Und wer zuhört, lernt in Träumen reisen.

Sonnenanlehnung
Mit der Sonne drehen.
Ihr Gesicht annehmen.
Nur zu ihr hinsehen.
An die Schwestern lehnen.

Blauer Bock
Bis hierher und nicht weiter.
Schluss mit dem Weiter so.
Eingeschliffnes Gleis stillgelegt.
Weiteres Befahren auf eigene Gefahr.
Alte Schiene endet hier
Prellbock steht auf 5 vor 12.
Dahinter nur noch Dschungel
Und immerhin
Wenn du höher schaust
ein Stück blauer Himmel.

Konzertreise
Weiße Kelche tanken die Abendluft.
Verschwenden freigiebig ihren Duft.
Die letzten Flieger starten und landen
Unzählige heute hier Nektar tranken.
Sanft zieht ein Hauch an einer Glocke.
Dass er ihr noch einen Ton entlocke.
In Harmonie mit regem Vogellaut
wird flugs ein Orchester aufgebaut.
Artenreich die Lebensmelodien wandern.
Schwingen sich von einer Blüt zur andern.
Es erklingen fast vergessene Weisen.
Und wer zuhört, lernt in Träumen reisen.

Konzertreise
Weiße Kelche tanken die Abendluft.
Verschwenden freigiebig ihren Duft.
Die letzten Flieger starten und landen
Unzählige heute hier Nektar tranken.
Sanft zieht ein Hauch an einer Glocke.
Dass er ihr noch einen Ton entlocke.
In Harmonie mit regem Vogellaut
wird flugs ein Orchester aufgebaut.
Artenreich die Lebensmelodien wandern.
Schwingen sich von einer Blüt zur andern.
Es erklingen fast vergessene Weisen.
Und wer zuhört, lernt in Träumen reisen.

Konzertreise
Weiße Kelche tanken die Abendluft.
Verschwenden freigiebig ihren Duft.
Die letzten Flieger starten und landen
Unzählige heute hier Nektar tranken.
Sanft zieht ein Hauch an einer Glocke.
Dass er ihr noch einen Ton entlocke.
In Harmonie mit regem Vogellaut
wird flugs ein Orchester aufgebaut.
Artenreich die Lebensmelodien wandern.
Schwingen sich von einer Blüt zur andern.
Es erklingen fast vergessene Weisen.
Und wer zuhört, lernt in Träumen reisen.

Überschwanggang
Wurzeln faulen.
Baum fällt.
Wasser fließt.
Wurzeln trinken.
Bäume wachsen.
Grün treibt.
Brücke ist gelegt.
Übergang steht.
Werd nicht faul.
Setz über.
Steh drüber.

Z-wipfel-linge
Hoch hinaus wollen da zwei.
Untenrum wurde ihnen schon ordentlich zu Leibe gerückt.
Von einst schönen Trieben zeugen noch kurze Stummeln.
Aber obenrum sind sie frei, tragen immergrünen Schmuck,
streben einander nah vorwärts
und wiegen sich zusammen wachsend im Wind.

Eintauchen ins Abendlicht.
In der Dämmung doch noch einmal geheimnisvoll erleuchtet werden.
Der Himmel geht auf.
Gießt das Licht des Tages beruhigend über mich.
Flutet meine Seele,
damit morgen bei mir nicht nur Ebbe ist.
Nach dem Dunkel der Nacht wird das Geheimnis gelüftet:
Eintauchen ins Morgenlicht.

Einfach so.
Da stehen.
Sommers knospend wachsen.
Winters rauh reifen.
Zeiten und Gezeiten überstehen
und drüber hinaus wachsen.
Rauhes und Lindes in Baumringen aneignen.
Da stehen.
So einfach.