Pflücksalatstrauß

 

Blüten pflücken ist jetzt angesagt.

Ist soviel am Wachsen und zeigt sich.

Alles blättert täglich zu einem neuen Kapitel.

Treibt ohne großes Hegen und Pflegen ungeahnte Blüten.

Da zeigt ein Löwe die Zähne.

Dort öffnet ein Storch seinen Schnabel.

Gänse schnattern sich durch die Blümchen.

Unendlich gelassen zeigt sich der Giersch.

Er weiß, dass er Hacke und Spaten und jeden Kultur-Gärtner überleben wird.

Seine Kultur ist wahre Lebensgier.

Wildes Leben schießt ins Kraut. Überlebt!

Bleib gelassen! Bist auch am Wachsen!

Leben pflücken und deine Blätter und Blüten zeigen, ist täglich angesagt.

Farbenspiel
 

 

Das Leben schieben wir nicht auf die lange Bank.

Feuern mit Farben. Gott sei's gedankt.

Nicht hoch zu Ross.

Wohnen im Schloss.

Schwelgen im Park.

Düfte sind stark.

Bleiben und sitzen.

Vergessen das Schwitzen.

Ohne Beschränken.

Kein Leben verschenken.

 

Schau ins Land
 

 

Farben ins Grün tupfen.

 

Musst nur die Augen lupfen.

 

Gehen wandernd auf Schau

 

und fliegen plötzlich ins Blau.


 

Blüten wachsen in deine Hände.

 

Überwindest flatternd hohe Wände.

 

Findest auch wieder Platz zum Landen.

 

Auf grünender Wiese kannst du stranden.

Glockengeläut
 

Das Schneeglöckchen ruft wie die Kirchenglocken zum Auf-Horchen. Die Krokusse öffnen sich, als wollten sie tatsächlich zuhören und den unhörbaren Klang einfangen und so Gott in Dienst nehmen. Wie Lausch-Trichter schieben sich die Blüten aus der Horizontale des Gartens in die Vertikale des Himmels und flüstern sich zu: “Die Schneeglöckchen läuten! Es kommt eine Botschaft! Also: Lauscher ausfahren und hinhören!” Ich bin versucht, das Schneeglöckchen ein Stück in Richtung der sehnsüchtig sich öffnenden Krokustrichter zu schieben. Wenn sich das weiße Blütenglöckchen genau in den Trichterkelch des Krokus senken würde, wäre es wie ein buntes Oster-Ei. Zusammengesetzt aus Glocke und Trichter, Sender und Empfänger. Botschafter und Zuhörer. Eine abgerundete Kommunikation. Aber keine Sorge: Glockenklang trägt weit. Verpass nur den Moment nicht, wenn die Glocke allein für dich läutet! Dann gilt es: Lauscher ausfahren und Mal richtig zuhören. Aufhorchen. Aufblühen. Aus dem Ei schlüpfen.

Sprungbrettteppich
 

 

 

Farben im Winter.

 

Welke Zeugen des Sommers.

 

Moosteppich, der den Frühling noch deckt.

 

Baumwurzeln schon auf dem Sprung.

 

Licht am Horizont.

 

Überwinterte Grünkraft.

 

Hoffnung.

Lebenserfahrung des Sumpfstorchschnabels
 

Bleib immer ganz dicht

gelehnt an die Nessel.

Hab mich hochgearbeitet

aus dem niedrigen Sessel.
 

Verlasse nun des Dunkels Tücken.

Zeige doch guten Mut.

Bin nicht so einfach zu pflücken,

hinter Brennesselglut.
 

Dauert nicht lange

dann wächst mir ein Schnabel.

Mir ist nicht bange.

Das macht die Samen passabel.

 

Werde durch Nesseln wachsen.

Will nicht tief versumpfen.

Das Köpfchen macht Faxen.

Darf nicht Gefahr laufen abzustumpfen.

 

Also lock ich die Hummel

und zeig mich mit Wonne.

Selbst im schlichtesten Fummel,

steh ich doch in der Sonne.

Über den grünen Klee
 

Du darfst mich Loben.

Hab mich gut gehalten.

Mich durch Hitze geschoben.

Ohne zu altern.

 

Überzeuge mit Grünkraft

Reck meine Blüte.

Nur das schafft

Vertrauen in Gottes Güte.

 

Meister des Frühlings bin ich

Entdecke das Grab.

Locke ins Leben

Wo jemand starb.
 

Bandele an mit jeder Biene

und lass alle weiden.

Verzieh keine Miene,

wenn zwei sich streiten.
 

Eigentlich bin ich die beste Nahrung.

Doch mancher sucht mein seltenes Stück.

Deutet das als ersehnte Erfahrung

von ungetrübtem Leben im Glück.

 

Aber brauchts dazu meine vier Blätter?

Ist es nicht nötig, dafür was zu tun?

Ich dagegen empfehle bei jedem Wetter,

mutig wachsend in sich zu ruhn.

 

Hitzefrei
 

Fall aus dem Raster.

Treib Blüten aus Spalten.

Besiedle das Pflaster.

Kann Polster entfalten.

 

Trotze der Hitze.

Saug aus der Tiefe.

Vergess das Geschwitze.

Mach meinen Stiefel.

 

Tritt jemand mich nieder

Und sieht mich nicht

Erheb ich mich wieder.

Zeig neu mein Gesicht.
 

Brech so manchen Stein,

der schon lange liegt.

Soll ja nicht sein,

dass Leben versiegt.


 

Streu breit meine Nelken.

Hoffe auf Regen.

Werd nicht verwelken.

Erwarte den Segen.

Schwangerschaft
 

Kann’s kaum noch halten.

Gleich platze ich.

die Blätter gefalten.

Behindert mich.

 

Es kitzelt die Sonne

in meinen Adern.

‘s ist eine Wonne

Nichts gibt's zu hadern.
 

Was ist der Preis

Ich sollt es probieren

Mit blühendem Fleiss

Den Gärtner hofieren.
 

Soll ja so werden

Wie er es gedacht

Erst Wurzeln in Erde.

Dann Blüten in Pracht.

 

Verschenk den Duft

Als kleiner Strauch

Schwängere die Luft.

Mit meinem Hauch.

Konzertreise
 

Weiße Kelche tanken die Abendluft.

Verschwenden freigiebig ihren Duft.

Die letzten Flieger starten und landen

Unzählige heute hier Nektar tranken.
 

Sanft zieht ein Hauch an einer Glocke.

Dass er ihr noch einen Ton entlocke.

In Harmonie mit regem Vogellaut

wird flugs ein Orchester aufgebaut.

 

Artenreich die Lebensmelodien wandern.

Schwingen sich von einer Blüt zur andern. 

Es erklingen fast vergessene Weisen.

Und wer zuhört, lernt in Träumen reisen.

Doldensonne

 

Wiese zuhauf

Sonnen brennen

Blüten im Lauf

Käfer rennen


 

Bienen schwirren

Grashüpfer steigen

muss keiner sich irren

weil Farben sich zeigen


 

Sonne trifft Dolde

strahlt mit Güte

wie Gott es wollte.

für deine Blüte

 

 

 

Horizonterweiterung
 

Kommst du mit

Zu sehen was kommt

Spur aufnehmen

Hinter den Berg schauen

Oder bist du dabei, hinter dem Berg zu halten

Kommst du mit

über den nächsten

Durchschreitest mit mir auch das Tal

Willst du nur ernten

Oder auch mit mir ackern und säen

Halte dich nicht hinterm Berg.

Ich will dich sehen

Komm mit

 

 

 

Fokus

 

 

 

Lichtfeld haben

Feldversuch wagen

Spielfeld beherrschen

Lichtspiel genießen

Sichtfeld weiten

Versuchsfeld betreiben

Im Wachsen verbleiben

 

Blaulichtsignal

 

 

Was für ein Blau!

Ein wahrer Augentrost in der Armut der Farben ringsrum.

Meine blauen Augen sehen dich als meine Schwester.

Zusammen machen wir das blaue Wunder aus.

Leuchte mir auf meinem Weg, dass ich mich auf die Fahrt ins Blaue traue.

Wenn ich dich anschaue und in meinem Herzen mitnehme,

läuft mir keine Laus mehr über die Leber.

Wir sind nicht allein auf weiter Flur, Leberblümchen.

Uns verbindet ein blaues Band, das der Himmlische mit Hingabe geknüpft hat. 

Eine Blau-Pause fürs Leben.

Becherovka

 

Hier kann ich den Frühling “bechern gehen”.
So viele Becher sind an diesem Märztag aufgestellt,
dass ich kaum treten kann.
Das möge darauf deuten,
dass es auch Vieles zu begießen geben wird in diesem Jahr. 
Also betrinken wir uns ruhig an diesem wunderbaren Anblick.
Und schreiten beherzt und behutsam durch den Becher-Wald
in dem Vertrauen, dass der Schöpfer einschenkt
und wir nicht lange “Bar” eines Wunders bleiben.
Beim Schöpfer “bechern gehen”  kann und darf eine Sucht werden!
An seiner “Bar” kommen wir ins Gespräch.

Bodenlampe
 

Ich bin der “Gewöhnliche Gelbstern”.

 

Obwohl nur gewöhnlich, hab ich es geschafft.

 

Bin durch den Winter.

 

Durchgekommen.

 

Jetzt bin ich der Stern für die, die gerade ganz unten sind

 

und die oben am Himmel die Sterne gerade nicht sehen können.

 

Ich leuchte bodennah für die Niedergeschlagenen,

 

aber dafür auch am Tag.

 

Ist doch ungewöhnlich!

Angebot

 


 

Ich bin tot und hohl.

Da, wo mein Herz war, ist jetzt mein Hohlraum.

Ich warte darauf, dass sich ein neuer Sprössling in mir einnistet.

Werde ihn behüten vor Wind und sengender Sonne und hungrigen Mäulern.

Geschickt fange ich den Regen auf und halte einen kleinen Vorrat

und verschenke täglich die Nahrung meiner toten Hüllen.

Wer sich mir anvertraut, vertraut dem Leben nach dem Tod.

n meinem Schutz wächst Leben über den Tod hinaus.

Ja, ich bin tot und hohl. Aber ein Lebensraum.

Wenn du mir vertraust, werde ich doch wieder zum Lebensbaum.

 

Anpflaumen

Unser Pflaumenbaum hat sich dieses Jahr Mühe gegeben und dennoch versagt.

Diese Dinger kann man als Wurfgeschosse für eine schlechte Theaterdarbietung verwenden. Mein Herkunftswörterbuch verrät mir, dass der Begriff “jemanden anpflaumen" daher kommt.

Es war sicher nicht angenehm, wenn man als fahrender Schauspieler auf dem Dorf mit fauligen, runzligen Pflaumen beworfen wurde. Zu einem, den man für einen Versager hielt, hat man dann gerne im Volksmund auch gesagt: "Der ist vielleicht ne Pflaume!” So wird eben schnell mal einer zur Pflaume oder Schnecke gemacht und statt konstruktiver Kritik ordentlich "angepflaumt”. Aber ob es dadurch besser wird?

Bevor wir das nächste Mal zu den fauligen Wurfgeschossen greifen und auf einen vermeintlichen Versager zielen, dürfen wir einen Blick in den Spiegel werfen und unsere eigenen Runzeln ehrlich und gern auch gnädig zur Kenntnis nehmen. Das könnte unser Urteil über die vermeintlichen "Pflaumen” unter unseren Mitmenschen etwas relativieren.

Einspuren

Wohin geht es? Spuren hinterlassen auf dem Acker des Lebens. Oder lieber stehen bleiben? Anderen den Vortritt lassen. Und was, wenn keiner sich traut vorzutreten? Was wird spurlos verschwinden, wenn ich es nicht wage, meine Spur zu ziehen? Wenn die kalten Kristalle schmelzen und die Sonne mich auftaut, schreite ich mutig aus und säe meine Hoffnung mitten in die Furchen meines Zweifels. Fruchtbarer Acker auf und hinter meiner Stirn! Bar jeder Furcht...

Mohnlichtlied

 

 

Lass mich stehen

Pflück mich nicht.

Kann nicht gehen.

Brauch das Licht.
 

Lass dich nieder.

In meiner Sonne.

Singen die Lieder.

Mit voller Wonne.

 

Lassen uns wiegen.

Stehen nicht still.

Leuchten und siegen.

Weil Gott es will.

 

Flechtwerk

 

 

Wir gehen zusammen.

Sind verflochten.

Flechte und Baum.

Bruder und Schwester.

Er hält mich.

Ich schütze seine Haut vor Hitze und Kälte mit meinem Körper.

Gebe Nahrung in der Not.

Halte Feinde ab.

Er trägt mich unser Leben lang.

Ich schmücke ihn.

Er schmückt sich mit mir.

Wachsen aneinander und miteinander.

Leben zusammen

bis wir zusammen gehen.

 

 

Heilwuchs

 

 

 

 

 

Wunde im Stammbaum.

Knospen aus Hohlraum.

Ast fehlt.

Knospe zählt.

Blätter streben.

Niemals aufgeben.

 

Eisheilige auf Sommerreise

 

Warmer Gruß an die fûnf Eisheiligen: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifacius und Sophie!

 

Oh, jetzt haben wir's geschafft.

Der Winter ist dahin gerafft.

Ihr kühlt nochmals mit heilgem Fleiß.

Rahmt das Frühlingsgrün in Eis.

Doch es ist ein letztes Zucken.

Bald wird es die Sonne rucken.

Wenn uns mal das Herz gefriert.

Wird's mit Liebe temperiert.

Tun wir es der Sonne gleich.

Schmelzen Eis zu Wasser weich.

Damit lässt es gut sich wässern

Und ein Stückchen Welt verbessern.

Denk das freut euch ohne Ende

Und ihr reibt euch warm die Hände.

Mit dem Schmelzen habt ihr’s eilig.

Auch die Wärme ist euch heilig!

Wir legen euch jetzt sanft auf Eis

und starten unsre Sommerreis’ !

WAchtsam


 

Holzauge sei wachsam!


Und mach ruhig mal eine lange Nase.


Lass es fließen.


Lern genießen.


Lach dich gesund


und kleide dich bunt.


Steh im Wald.


Werd genüsslich alt.

 

Sein.

Balance halten.

Kann das einer allein?

Braucht es nicht eine ganze Reihe

von weiteren von rechts und links,

die ihr eigenes Gewicht,

ihre Gestalt,

ihre Reibung mitbringen,

damit sich alles aneinander reiht

und der Bogen des Lebens hält.

Erst wenn wir uns aneinander reiben

und sinnvoll aneinander reihen,

wird ein Bogen draus.

Weil alle die Stellung halten,

kann einer drauf stehen,

wird getragen

und kann in die Weite schauen.

Balance halten.

Aber nicht allein.

Sein.

Gebet des Distelfalters

 

Du

Leitest den Himmel

Legst Blüten auf Erden

Lockst duftend mit Farbe.

Leihst mir deine Flügel.

Lenkst meinen Flug.

Lädst ein zum Landen.

Lächelst mir zu.

Liebst mich mit Fehlern.

Löschst meinen Durst.

Lüftest die Hitze.

Lackierst mich neu.

Lehrst gutes Leben.

Lauschst meiner Rede.

Langweilst dich nicht.

Lügst mich nicht an.

Leidest mit mir.

Liegst nicht entfernt.

Leuchtest mir heim.

Liebst mich.


 

 

 

 

Gehen lassen

Offen bleiben

Anfassen

Haut zeigen.

Wie ein Baum stehn.

Schatten spenden.

Samen säen.

Leben wenden.

 

 

 

 

Ein weites Feld lädt ein.

Gut gegossen

Wurzeln im Boden.

Halme nach oben.

Platz zum Eintauchen für mich.

Ich knie mich rein ins Meer der Ähren.

Teile mit ihnen den göttlichen Windhauch.

Lauschen zusammen himmlischer Mitteilung.

Klettern voll Hoffnung über den Horizont.

Denn:

Ein weiter Himmel lädt ein.

 

 

 

 

Treiben

 

 

Im Gleichgewicht.

Im Flug zwei Flügel, die tragen.

Im Wasser zwei Füße, zum Paddeln.

Jede Feder bringt ihre Leichtigkeit auf die Waage.

Er wiegt sich in Sicherheit.

Das fällt ins Gewicht.

Ihm schwant nichts Böses.

Sieht von innen.

Schwimmt.

Ohne ins Schwimmen zu kommen.

Mit sich.

Im Gleichgewicht.

 

Schlüsselgestalt

 

 

Welcher Schlüssel

schließt auf?

Welcher Schlüssel

schließt zu?

Wer richtet den Gefallenen auf?

Wer schließt Verschwommenes wieder scharf?

Wer lässt mich aufblühen?

Wer ist mein Himmelsschlüssel

auf der Erdenwiese?

Schließ auf!

Schließ nicht zu!

Sei mein DU.

Doch am Ende steht der Preis.

 

Wettwuchs

 

Komm wir wachsen um die Wette.

Dicht an dicht das gibt uns Halt.

Reihen uns in eine Kette.

Wie in einem schönen Wald.

 

Erbsen treiben Schoten.

Ritter geben den Sporn.

Mohnblumen erröten.

Grüner Salat schießt vorn.

 

Wir streben in Frieden.

und halten zusammen

Ja, lernen uns lieben.

Sind Feuer und Flamme.

 

Den Geburtstagskindern

 

Wieder bist du ein Jahr älter.

Tage kommen und sie gehen.

Hin und wieder wird es kälter.

Mußt du jeden Morgen sehen.
 

Durchaus wird es auch mal heiß.

Nasser Schweiß läuft langsam runter.

Doch am Ende steht der Preis.

Nach dem Lauf ist's Leben bunter.

 

Und so wird für jeden Alten.

Doch ein kleines Wunder wahr.

Blüten können Duft entfalten.

Mehren jährlich ihre Schar.

 

Wer eine feine Nase hat,

Den können Falten wenig schrecken.

Er riecht die Kraft an dieser Statt.

Kann sich entfalten und erwecken.

 

So mach dir bloß nicht in die Hose.

Wenn du ne neue Falte siehst.

Betrachte dich als reife Rose,

die ent-faltend Duft ergießt

 

Hafen

 

Stell dich nicht in den Schatten.

Setz dich.

Schau in die Weite. Nicht nur zur Seite.

Komm an bei dir und rede mit mir.

Steh nicht drüber. Komm zu mir rüber.

Lass dich ruhig nieder. Komm immer wieder.

Lern wieder Genießen ohne Verdrießen.

Setz dich.

Bleiben zusammen stark und verletzlich.

 

 

Cooler Grünkohl

 

Das ist mein Vorbild für die nächsten Jahre! Schlicht DAS Sinnbild für Nicht-Aufgeben und Weiter-Wachsen.

Schon im letzten Sommer und Herbst hat mich der Grünkohl mit allem gefüttert, was er so in seinen leckeren Blättern zu bieten hat.

Manches von mir entrissene Blatt hat er schon mutig ersetzen müssen. Auch aller Kälte zum Trotz hat er wieder Grünes nachgeschoben.

Danke für deine lebendige Predigt. Ich gebe nicht auf! Danke dir, Gott! Auch du gibst mich nicht auf. Lass mich weiter wachsen!

So cool wie der Grünkohl.

Armada

 

Da geht's lang!

Ganz sicher.

Kein Zweifel.

Viele lange Arme hab ich schon verloren.

Aber mein Stamm steht

und hält noch lange meinen letzten Arm.

Ich bin nicht arm dran!

Ich reich ihn dir.

Denn ich weiß:

Da geht's lang!

 

 

Sonnenanlehnung

 

 

 

 

 

Mit der Sonne drehen.

Ihr Gesicht annehmen.

Nur zu ihr hinsehen.

An die Schwestern lehnen.

 

Blauer Bock

 

 

 

Bis hierher und nicht weiter. 

Schluss mit dem Weiter so. 

Eingeschliffnes Gleis stillgelegt. 

Weiteres Befahren auf eigene Gefahr. 

Alte Schiene endet hier

Prellbock steht auf 5 vor 12.

Dahinter nur noch Dschungel

Und immerhin

Wenn du höher schaust

ein Stück blauer Himmel.

 

 

Überschwanggang

 

 

Wurzeln faulen.

Baum fällt.

Wasser fließt.

Wurzeln trinken.

Bäume wachsen.

Grün treibt.

Brücke ist gelegt.

Übergang steht.

Werd nicht faul.

Setz über.

Steh drüber.

 

 

 

Z-wipfel-linge

 


 

Hoch hinaus wollen da zwei.

 

Untenrum wurde ihnen schon ordentlich zu Leibe gerückt.

 

Von einst schönen Trieben zeugen noch kurze Stummeln.

 

Aber obenrum sind sie frei, tragen immergrünen Schmuck,

 

streben einander nah vorwärts

 

und wiegen sich zusammen wachsend im Wind.

 

 

 

Bodengewinn
 
Du musst nur mutig deine Lücke finden.

Auch zwischen festgefügten Blöcken gibt es doch einen Lebensraum.

Des Heilens kundig löst der Krokus die steinerne Spannung und sprengt das Grau.

Daneben zeigt schon ein anderer grüner Löwe die Zähne und springt dem Frühblüher später goldgelb blühend bei.

Damit du übers Jahr nicht vergisst, dass auch du den Stein durchdringen kannst.

Auch mit wenig Boden unter den Füßen.

Deine Lücke will von dir bald gefunden werden.

Und du wirst Boden gewinnen, wachsen und blühen!

 

 

 

 

Eichplatz
 
 

 

Von dir will ich mich eichen lassen.

 

An dir will ich Maß nehmen.

 

Wirst Maßstab für meine Lebenswanderung

 

in meiner kleinen Hand.

 

Großzügig öffnest du deine Arme.

 

Erzählst mir vom Frühling.

 

Neuer Maßstab,

 

von dem ich nicht weichen will.

 

 

 

 

Holzfenster
 
 

Einblick gewähre ich dir

unter meine Haut.

In mein Innerstes:

Das bin ich.

Du darfst mich sehen

Wanderer schau rein!

Kehr ein und steh mit mir

in meinem Saft!

Flüster in mein Fenster,

geh mir unter die Haut,

gewinne mich.

Lass dich gewinnen!

Komm wieder...

 

 

 

Eintauchen ins Abendlicht.

In der Dämmung doch noch einmal geheimnisvoll erleuchtet werden.

Der Himmel geht auf.

Gießt das Licht des Tages beruhigend über mich.

Flutet meine Seele,

damit morgen bei mir nicht nur Ebbe ist.

Nach dem Dunkel der Nacht wird das Geheimnis gelüftet:

Eintauchen ins Morgenlicht.

 

 

Einfach so.

Da stehen.

Sommers knospend wachsen.

Winters rauh reifen.

Zeiten und Gezeiten überstehen

und drüber hinaus wachsen.

Rauhes und Lindes in Baumringen aneignen.

Da stehen.

So einfach.

 

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