Herzensstärke statt Herzkasper

Aschermittwoch - 22. Februar 2023
Mensch: Warum heißt dieser Tag eigentlich Aschermittwoch?
Gott: Mal ganz frech und kurz geantwortet: Weil der Ofen aus ist? Nur noch kalte Asche übrig...
Mensch: Ah, weil es am Aschermittwoch mit den ausgelassenen Faschingsfeiern vorbei ist und jetzt ist alles nur noch Asche ist. Eine langweilige Zeit bricht an, wo nicht mehr großartig gefeiert wird?
Gott: Naja, das ist ja schon lange nicht mehr so, dass sich da jemand dran hält, wie es früher Brauch war.
Mensch: Sollten wir das deiner Meinung nach wieder mehr beherzigen.
Gott: „Beherzigen“ ist eigentlich ein gutes Stichwort für die sieben Wochen der Fastenzeit bis Ostern.
Mensch: Ich überlege gerade, was das so eigentlich bedeutet: BEHERZIGEN...
Gott: Also wenn ich jetzt mal den Deutschlehrer geben darf, würde ich sagen. Die Vorsilbe „Be-“ bedeutet so eine gewisse Verstärkung. Etwas be-arbeiten heißt: So richtig dabei sein, sich hinein vertiefen, jemanden besuchen heißt: sich Zeit für ihn zu nehmen und nicht nur kurz vorbei zu schauen.
Mensch: Also sieben Wochen intensives Einüben ins „Beherzigen“ ist jetzt angesagt!?
Gott: Das könnte durchaus schwieriger durchzuhalten sein, als zwei mal die Woche im Fitnessstudio die Muskeln zu „Be-Stärken“.
Mensch: Viele Muskeln zu bekommen...da hängt mein Herz jetzt nicht dran.
Gott: Dein Herz ist ein einziger Muskel. Ziemlich stark so gar. Bin ich schon stolz drauf, dass ich das so hingekriegt habe.
Mensch: Du würdest dir ab Aschermittwoch also mehr HERZ-Muskel-Training bei uns Menschen wünschen,
Gott: Ich lade dich ein, in diesen sieben Wochen mal in dich zu gehen, näher an dein Herz dran und zu erspüren, wofür es so schlägt. Martin Luther hat gesagt: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott!“ Ich leide schon oft darunter, wenn du dein Herz an alles mögliche hängst nur nicht an mich.
Mensch: Du meinst also ich soll regelmäßiger in dein Herz-Fitnessstudio kommen.
Gott: Ich bilde mir zugegeben seit Jahrmillionen von Jahren ein, dass ich bezüglich der Herzensstärke ein guter Fitnesstrainer bin.
Häng dein Herz doch mal an mich und spüre wie es warm wird. Bei mir ist der Ofen niemals aus!
Mensch: Ich werde deinen Wunsch in den nächsten Tagen beherzigen!
Gott: Das könnte aufregend werden und überhaupt nicht langweilig! Und keine Angst: einen Herzkasper bekommst du davon jedenfalls nicht.
Haustelefon im Lebensdschungel

Invokavit - 26. Februar 2023
Mensch: Als ich heute im Gemeindebrief meiner Gemeinde den Namen des heutigen Sonntags gelesen habe, habe ich gedacht: So könnte auch ein Schmerzmittel heißen?
Gott: Es ist der Psalm 91, Vers 15, der so im Lateinischen beginnt. „Invokavit“ heißt übersetzt: „Er hat mich gerufen!“ Der zu mir da betet, spricht im Gebet aus, wie er sich vorstellt, was ich – Gott - nach seinem Gebet denke und zu mir sage:
Mensch: Moment, ich schlag mal genau nach im Psalm 91: „Er hat mich gerufen und darum will ich ihn erhören!“ Das denkst du also, wenn ein Mensch, dich anruft? Wenn er sich also schon die Zeit nimmt und anspricht, dann fühlst du dich ein Stück verpflichtet, ihn zu erhören?!
Gott: So stellt es sich zumindest der Beter, der hier betet, vor. Er scheint schon ein enormes Vertrauen in mich zu haben, dass ich zuhöre und was draus mache. Aber er hat wohl auch die Erfahrung gemacht, dass es nicht umsonst war, mich anzurufen. Er spricht vom Erhören! Er hat also eine Erfolg seines Gebetes erleben dürfen.
Mensch: Das klingt jetzt aber ganz schön ideal und etwas unglaubwürdig. Das entspricht nicht so meiner Erfahrung, wenn ich dich anrufe!
Gott: Er schaut da wohl auch über eine ganze Strecke seines Lebens zurück und meint nicht so eine sekundenschnelle Gebetserhörung. Ich habe ihn eher so verstanden, dass er gemerkt hat, wenn er den Draht zu mir behalten hat, dann hat das etwas mit ihm gemacht. Sein Leben hat sich rückblickend, in der Summe dann doch verändert.
Mensch: Weil er mit dir drüber gesprochen hat...
Gott: Ja und er hat dann wohl nach dem Anrufen mit großer Offenheit gelauscht oder danach Ausschau gehalten, auf welche Weise ich antworte. Das hat ihn dann wohl doch etwas entdecken lassen. Vielleicht auch erst nach einer gewissen Zeit, nach gewissen Erfahrungen...
Mensch: Aber wie gestaltest du denn deine Antworten so? Wir könnte ich die als Mensch entdecken?
Gott: „Gestalten“ ist ein gutes Wort dafür, was ich mache. Oft versuche ich andere Menschen im Umfeld meines Gesprächspartners zu erreichen und einzubinden.
Wenn mir das gelingt, dann werde ich schon mal sehr persönlich und eben durch einen Menschen erfahrbar. Wenn dann einer von denen, die ich dann sozusagen anrufe, ein offenes Ohr hat und sich tatsächlich auch in meinem Sinne engagiert, dann kann als Ergebnis beim Betenden durchaus ankommen, dass ich ihn „erhört“ habe.
Mensch: Dieser Ausspruch des Betenden im Psalm ist also so eine Empfehlung, die Telefonleitung zu dir glühen zu lassen...
Gott: Im Fernsehen gibt es eine Show, wo sich die Kandidaten jeden Tag in das“Dschungeltelefon“ begeben und einfach mal so alles loswerden, was sie bewegt. Das würde ich mir wünschen. So offen und unverblümt und täglich, da haben wir dann eine Chance für eine Beziehung, wo ich was Gutes zu dir rüber kriege. Um auf deinen Witz am Anfang zurück zu kommen: Ein Gespräch mit mir könnte die Wirkung eines „Schmerzmittels“ entfalten – Invokavit!
Mensch: Ich werde mir heute ein „Dschungeltelefon“ in meinem Haus einrichten. Zu welcher Zeit bist du gut erreichbar?
Gott: Immer. Auch wenn du keine Schmerzen hast!
Raus aus der Pufferzone

Mittwoch in der ersten Fastenwoche - 1. März 2023
Mensch: Gestern habe ich diesen Spruch von Mutter Teresa auf meinem Abreißkalender gefunden?
Gott: Der hat was! Dann kommt jetzt natürlich die Frage: Bist du arm?
Mensch: Hmmhh. Geld habe ich natürlich und jeder braucht es auch...
Gott: Hast du dir schon mal die Frage gestellt, wieviel du brauchst und wieviel du im Gegensatz dazu hast?
Mensch: Einen Sicherheitspuffer zu haben ,ist schon wichtig.
Gott: Es gibt Millionen von Menschen, die müssen ohne diesen Puffer leben. Viele sogar mit einer fürchterlichen Schuldenlast. Ich behaupte mal, von deinem Sicherheitspuffer könnten einige in anderen Regionen der Erde ein paar Monate ihre Familien satt machen.
Mensch: Wahrscheinlich schon. Ich habe mir echt vor kurzem diese Frage mal gestellt, als ich die Bilder von den Erdbebenopfern gesehen habe oder die Kriegsopfer in der Ukraine. Wie gut es mir doch eigentlich geht! Leben mit Puffer. Andere werden ungepuffert einfach verschüttet unter Trümmern und stehen vor dem Nichts.
Gott: Vielleicht wirst du ja reich – im Sinne von Mutter Teresas Spruch, wenn du die Hälfte deines Puffers mal den Notleidenden zur Verfügung stellst, anstatt sie relativ „nutzlos“ auf deinem Bankkonto rumliegen zu lassen. Die Euros könnten, wenn du sie in die richtige Richtung rollen lässt, stattdessen einige Leben retten!
Mensch: Ich merke schon, dass du heute sehr klar sprichst.
Gott: Manch einer fastet unter dem Motto „Friss die Hälfte!“ Das wäre dann: Verschenke die Hälfte deines Sicherheitspuffers und puffere die Not anderswo. Könnte ja sein, du gewinnst ein ganz gutes Gefühl, wenn du einen Teil deines Puffers weiterreichst. Vielleicht bist du ja durch dein Sicherheitsstreben da sehr arm geworden und hast Freudenstrecken verpasst, weil aus deinem Puffer nichts Lebensspendendes geworden ist, sondern nur eine starre regungslose Sicherheit.
Wenn die Banken zusammenbrechen ist es dann eh zu spät und alles wertlos und es könnte von dir auch nicht mehr genutzt werden.
Mensch: Dennoch bin ich froh, was auf der hohen Kante zu haben und finde das auch nicht grundverkehrt.
Gott: Ich habe ja nur die freche Frage gestellt, ob es soviel sein muss. Vielleicht kannst du ein paar andere einfach mit unter deinen Schirm nehmen. Dafür wirst du eben mal bei einem stärkeren Regen auch nass und die anderen ertrinken nicht zwangsläufig, weil viele wie du den sichersten und größtmöglichen Schutzschirm beanspruchen.
Mensch: „Friss die Hälfte ist leichter!“
Gott: Voller Puffer für dich alleine macht es schwerer für viele!
In der Mitte verbinden

Reminiszere – 5. März 2023
Mensch: Heute habe ich mich mal selber informiert, was der Name des heutigen Sonntags bedeutet: „Reminiszere!“ heißt auf Deutsch: „Gedenke!“ oder „Erinnere dich!“ Es stammt aus Vers 6 des Psalms 25: „Gedenke Herr an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit!“
Gott: Ja der Betende, bittet hier um Nachsicht!
Mensch: Er wünscht sich, dass du nicht nachtragend bist und ihm nicht seine Fehler vorrechnest und hofft, dass deine Gedanken über ihn nicht um seine Fehler kreisen, sondern dein Herz sich auf ihn neu zubewegt.
Gott: Ja, so könnte man dieses Wort Barmherzigkeit ganz gut beschreiben. Jemandem, obwohl er Fehler macht, trotzdem herzlich entgegenkommen. Sich vom Herzen leiten lassen und nicht von dem Gedanken, was die gerechte Strafe wäre. Mensch! Das ist nicht einfach. Da ist es ganz gut, wenn ich durch dieses Psalmgebet immer mal wieder daran erinnert werde.
Mensch: Also, jetzt mal „Hand aufs Herz“: das bedeutet doch du bist schon manchmal versucht , mit der Faust auf den Tisch zu hauen, wenn du mir zusiehst, was ich so verzapfe?!
Gott: Ich würde lügen, wenn ich das abstreiten würde. Aber, wenn ihr Menschen mich im Gebet, daran erinnert, gerät mir im Affekt nicht aus dem Blick, was ja eigentlich auch ganz pädagogisch gesehen die bessere und hoffentlich nachhaltiger wirkende Methode ist, mit Fehlern umzugehen.
Mensch: Könnte aber auch zu einer Masche werden. So frei nach dem Motto: „Gott vergiss mal nicht, dass du mir eigentlich vergeben solltest!“ Da kann ich es mir als Mensch auch recht einfach machen.
Gott: Du, ein Gebet ist immer ein gutes Gespräch auf Augenhöhe und ich merke schon, wenn es sich ein Mensch zu einfach macht.
Mensch: Aber was machst du dann?
Gott: Ich versuche eben auch ihn zu erinnern, an das, was ihm wirklich wichtig ist.
Oft stelle ich existentielle Fragen durch andere Menschen in seinem Umfeld: Worauf kommt es an in deinem Leben? Wo ist deine Mitte zu finden? Wollen wir uns dort nicht wieder neu verbinden?Das Gespräch bewirkt dann hoffentlich, dass er sich in seiner Mitte auch wieder neu mit MIR verbinden will und kann. So erübrigt sich der Grund an der Oberfläche etwas einzufordern, was nur das Herz aus der Mitte heraus schenken kann.
Mensch: Du wartest also in meiner Mitte auf mich?
Gott: Unter anderem. Ich wünsche mir auch dass du dich daran im wahrsten Sinne des Wortes er-innerst und mich in deiner Mitte aufsuchst. Manchmal hilft eine ganz praktische einfache Übung. Die Hand aufs Herz legen und deinen Herzschlag spüren und dir selbst sagen: „Gott, du bist in meiner Mitte und ich bin jetzt auch da!“
Mensch: „Hand aufs Herz!“ Das ist einfach.
Zum Erzengel
Mittwoch in der zweiten Fastenwoche – 8. März 2023
Mensch: Wer könnte mir denn helfen, mich mit meiner Mitte und in meiner Mitte mit dir zu verbinden, wie du es dir am Sonntag Reminiszere gewünscht hast?
Gott: Du bist ein schwieriger Fall, da müsste ich wohl einen meiner Erzengel beauftragen!
Mensch: Oh, so siehst du das, wie viele Erzengel hast du denn zur Verfügung?
Gott: Vier: So schreibt man es jedenfalls in der gesamten Kirchengeschichte. Aber alles Reden über mich ist ja auch irgendwie nur Stückwerk... Das steht auch berechtigter Weise in der Bibel!
Mensch: Also doch mehr als vier?
Gott: So genau könnte ich es gar nicht sagen, denn die Zahl ändert sich ständig.
Mensch: Du sprichst in Rätseln!
Gott: Mein Haupttagewerk besteht darin, aus Menschen verantwortungsvoll handelnde ERZENGEL zu machen. Manchmal stelle ich dann neben einem Werbeschild für einen Erlebnisurlaub auf dem Bauernhof einfach einen Wegweiser mit der Richtungsangabe „ERZENGEL“ auf. In der Hoffnung, dass sich jemand von euch auf den Weg macht und die Kreuzung in die richtige Richtung nimmt und er sich eben zu einem Erzengel entpuppt. Irgendwo in der Mitte eines jeden Menschen habe ich diese Möglichkeit jedenfalls angelegt und ich hoffe, dass viele meine Wegweiser wahrnehmen und die wichtige Abbiegung nicht verpassen. Manchmal hilft da eine gewisse Verlangsamung in der Lebensgeschwindigkeit. Die Anzahl ist also ein fließende Größe.
Mensch: Das Leben ist kein Pony-Bauernhof!
Gott: In meinem Unternehmenskonzept eher eine Erzengel-Farm!

Mich sehen, wie du mich siehst

Okuli – 12. März 2023
Mensch: Sieht aus, als ob ein kleines Auto ein riesiges Haus spazieren fährt, was natürlich gar nicht geht!
Gott: Ja, alles ist eine Frage der Perspektive, wie eben dein Blickwinkel aussieht.
Mensch: Was ist denn eigentlich dein göttlicher Blickwinkel auf uns Menschen?
Gott: Ich höre oft in den Psalmgebeten, wie ihr Menschen mich erlebt. Im heutigen Psalm 34, Vers 16, der dem Sonntag Okuli (=die Augen) den Namen gibt, betet jemand....
Mensch: Moment, ich hab es gerade nachgeschlagen: „Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.“ Da glaubt also jemand: Du siehst es, wenn es einem guten Menschen schlecht geht und kümmerst dich! Machst du das wirklich und in jedem Fall? Das klingt sehr ideal...
Gott: Ich schaue jedenfalls nicht weg, wenn es einem, der sich um Gerechtigkeit bemüht, nicht gut geht.
Mensch: Aber machst du auch was dagegen und erleichterst den, der unter einer Last zusammenzubrechen droht?
Gott: Oft gehe ich den schwierigen Weg dessen, der für Gerechtigkeit eintritt, einfach mit. Ich bin mit in der Gefängniszelle und höre einfach zu, ich erinnere den Verzweifelten an seine große Kraft, die er schon an den Tag gelegt hat und ich beschreibe ihm, was ich in seinem Leben alles mit meinen Augen sehen kann: seinen Mut zur Wahrheit, der andere mitgerissen und aus der Ohnmacht herausgeholt hat, sein Einstehen für andere, die ihm auch hätten egal sein können.
Gott: Ja, da kommen wir uns richtig nahe.
Mensch : Im Vers 19 drückt er es so aus: Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben!“
Mensch: Ich beginne zu verstehen: Du malst ihm ein Bild von dem, was du Schönes, Starkes und Gutes von ihm schon alles gesehen hast und das bewirkt, dass er seine Fähigkeiten und Möglichkeiten wieder neu entdeckt!?Gott: Ich stelle ihm meinen Blickwinkel mal zur Verfügung.
Mensch: Wenn ich mit deinen Augen mal auf meinen Weg schaue, könnte ich vielleicht doch ein Hochhaus durch die Gegend kutschieren?
Gott: Ja, schau doch mal zurück, was du schon alles in deinem Leben gestemmt hat. Das macht Mut für das, was grade das Leben so schwer macht. Du bist in meinen Augen quasi vor-gemerkt. Nimm dir doch heute mal eine stille Zeit und sieh dich mal mit meinen Augen an! Du wirst vielleicht überrascht sein, was ich dir alles zutraue. Ich sehe, was was du nicht siehst: Es ist wahnsinnig schwer und kommt doch in Bewegung!
Umgarnen lassen

Mittwoch in der dritten Fastenwoche – 15. März 2023
Mensch: Gott, hast du schon mal den Faden verloren?
Gott: Also Grund hätte ich manchmal schon dazu bei dem Chaos, das ihr Menschen manchmal so anrichtet. Aber ich mühe mich redlich.
Mensch: Ich stelle mir das echt nicht einfach vor, zu jedem einzelnen Menschen einen guten Faden zu spinnen oder einen heißen Draht zu haben.
Gott: Davon kann ich dir ein Lied singen, ich tickere ständig an diesem Draht oder ziehe an dem Faden, wie du es nun immer nennen willst, aber die Reaktionen auf eurer Seite halten sich leider oft in einem eher kleinen Rahmen. Mit einer Katze und einem Wollfaden funktioniert es ehrlich gesagt besser, die hakelt sofort nach jedem Faden, der sich vor ihrer Nase bewegt.
Mensch: Du willst also mit uns spielen.
Gott: Irgendwie schon, da bleibst du in Bewegung.
Mensch: Du aber auch.
Gott: Aber immer - ich spiele doch gerne eine Rolle in deinem Leben, Mensch!
Mensch: Du legst also täglich einen Faden aus...?
Gott: Ja, ich kaufe mir u.a. in diesem marokkanischen Laden, den du auf dem Bild siehst, immer mal wieder eine neue Garn-Farbe. Alles nur um deine Aufmerksamkeit zu erregen, um in deinem Leben ins Spiel zu kommen.
Mensch : Ich werde heute mal versuchen, kein Spielverderber zu sein und mich umgarnen zu lassen!
Gott: Freut mich, wenn du den heutigen Faden entdeckst und ihn aufnimmst. Das ein oder andere Loch in deinem Leben ließe sich unter Umständen damit stopfen...
Auf den Hund gekommen
Mittwoch in der vierten Fastenwoche – 22. März 2023
Mensch: Da möchte ich mich doch einfach gleich dazu legen!
Gott: Warum machst du es nicht?
Mensch: Ich kann doch nicht so einfach alles stehen und liegen lassen und mich mitten auf dem Gehweg neben einen Hund legen.
Gott: Dann bist du offensichtlich ganz schön auf den Hund gekommen!
Mensch: Was bedeutet diese Redewendung eigentlich? Wo kommt die her?
Gott: Ein möglicher Ursprung der Redewendung stammt von Truhen aus dem südwestdeutschen und Schweizer Raum, auf deren Boden ein Jagdhund ins Holz eingeschnitzt war. Dieser sollte den Besitzer daran erinnern, sparsam zu bleiben und gut zu haushalten. Wenn der Inhalt entnommen wurde und die Truhe leer war, war man sozusagen „auf den Hund gekommen“ und hatte keine Ressourcen mehr übrig.
Mensch: Aber wieso bin ich auf den Hund gekommen, wenn ich mich nicht so neben den schlafenden Hund legen kann.
Gott: Eigentlich könntest du schon, aber du willst es nicht oder meinst nur es nicht zu können... Und ich behaupte sogar, du wünschst es dir mehr als einmal am Tag. Wenn du so einen Hund so daliegen siehst, dann ist dein einziger Gedanke: „Mensch, der hat es gut. Der kann sich einfach so mitten auf der Straße hinknallen und das Leben genießen!“
Mensch: Du meinst ich bin arm dran und hab meine Vorräte verbraucht, die in meiner Lebenstruhe drin waren.
Gott: Na, wer immer meint, sich keine Pause gönnen zu können, weil alles andere ja so viel wichtiger ist, der schaut dann irgendwann ins Leere, wenn er neue Kräfte aus seinen Reserven, aus seiner Lebenstruhe holen will. Heute sagt man wohl „Burn out“ dazu.
Mensch: Gott bewahre, dahin will ich nicht kommen!
Gott: Schön, dass du mich um Unterstützung bittest! Ich gebe dir die Empfehlung, leg dich doch einfach zur Ruhe, wenn du merkst, dass dein Körper das jetzt von dir will, so wie es der Hund ja ganz spielend hinzukriegen scheint. Folge einfach deinem Instinkt, den habe ich euch Menschen auch gegeben! Dann kommst du nicht „auf den Hund“, sondern lernst dich wie er tierisch gut zu entspannen.
Mensch: Ja, in diesem Sinne lohnt es sich wohl tatsächlich „auf den Hund zu kommen!“
Gott: Na dann. Komm!auch mit zum Auskosten der Osterfreude, wenn man etwas wieder isst, worauf man eine ganze Weile verzichtet hat. Aber eigentlich ist es von meiner Seite her eher so wie eine eingebaute Sicherung gedacht.
Mensch: Das musst du mir jetzt aber näher erklären.
Gott: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Auferstehung auch schnell wieder vergessen geht. Der Stein ist wieder vor das Grab gerollt und das Vertrauen in die Oster-Währung - siehe unser gestriges Gespräch - ist am Bröckeln. Deshalb lade ich dazu ein, an der Auferstehung länger dran zu bleiben.
Mensch: Und wie stellst du das an?
Gott: Heute in der Evangeliumslesung wird von einem ersten Versuch meinerseits berichtet. Ich habe Jesus mal incognito losgeschickt, damit er zwei Jünger, die sich wieder in ihr altes Leben im kleinen Dorf Emmaus verdrücken wollten, die Augen dafür öffnet, dass er tatsächlich nicht mehr tot ist.
Mensch: Die Story kenne ich. Beim gemeinsamen Essen haben sie ihn erst erkannt.
Gott: Jesus hat sich zu erkennen gegeben und war dann aber auch gleich wieder weg. Die beiden Jünger sind dann wieder zurück nach Jerusalem gegangen und haben über ihre Begegnung mit Jesus den anderen Jüngerinnen und Jüngern berichtet. Aber eine Auferstehung kann ein Mensch nur glauben, wenn er dem Auferstandenen eben begegnet und er ihn in der Begegnung eben auch erkennt.
Mensch: Wie kann ich ihn denn erkennen?
Gott: Die Emmausjünger haben ihn an seinen Worten und Taten erkannt, eigentlich so richtig erst als er das Brot mit ihnen geteilt hat.
Mensch: Also wenn jemand mit mir teilt, was er selber hat, dann kann so etwas wie Ostern geschehen?!
Gott: Ja und du selbst kannst so auch ein Auferstandener werden. Du bist dann auch in meinem Auftrag unterwegs, um für andere den Karfreitag und Karsamstag in einen Ostersonntag und Ostermontag oder sogar in eine längere österliche Zeit zu verwandeln. Durch Miteinander-Teilen!

Über Mauern springen
Judika – 26. März 2023
Mensch: „Schaffe mir Recht, Gott und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den bösen und falschen Leuten!“ so steht es im Psalm des heutigen Sonntags „Judika“ was übersetzt heißt „Schaffe Recht!“ Jemand, der so zu dir Gott betet, hat schon eine ganz ordentliche Erwartungshaltung!
Gott: Ehrlich gesagt macht es mich immer wieder sehr glücklich, wenn es Menschen gibt, die tatsächlich noch eine Erwartungshaltung mir gegenüber haben. Das zeigt doch irgendwie, dass es gute Erfahrungen mit mir gibt, große Hoffnungen und auch eben ein Zutrauen, dass ich beim Recht schaffen eine gewisse Rolle haben könnte und sollte.
Mensch: Vorsicht! Erwartung verpflichtet!
Gott: Langsam, mein Lieber: So schnell lasse ich nicht nicht einspannen als Lückenbüßer. Das könnte ich ebenso zurückgeben und sagen: „Wenn du etwas von mir erwartest, Mensch, dann darfst du dich auch gern verantwortlich fühlen, in diese Richtung mitzuwirken!“
Mensch: Stimmt schon, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt, dann könnte eine kritische Masse zusammenkommen...
Gott: ...die einen Qualitätssprung bewirkt. Es ist ja nicht so, dass ich nicht bereit wäre, für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen, aber ich bin auf diesem Gebiet als Alleinunterhalter auf verlorenem Posten. Das nervt und frustiert enorm, wenn mir alles Leid der Welt in die Schuhe geschoben wird.
Mensch: Du bist also eher der Team-Worker?
Gott: Unbedingt! Um im Bild zu bleiben: Wenn ihr mir immer alles Leid in die Schuhe schiebt, dann kann ich damit nicht laufen, ich komme gar nicht rein und kann erst recht keine großen Sprünge machen.
Mensch: Und was wünschst du dir stattdessen?
Gott: Rede über die Mauer, die dein Lebens gerade zu einer Sackgasse macht, mit einem vertrauten Menschen und mit deinem Gott, den du ja auch schon eine Weile kennst.
Mensch: Und dann?!
Gott: Nehmen wir zusammen Anlauf und springen drüber!

Ackern statt Rackern
Mittwoch in der fünften Fastenwoche – 29. März 2023
Mensch: Bei dem Foto fällt der Spruch des Pfarrers ein, wenn ein Mensch im Sarg nach der Trauerfeier zu Grabe getragen wird: „Wir legen nun seinen Leib zurück in Gottes Acker...!“
Gott: Ja, zum Friedhof wurde früher auch „Gottsacker“ gesagt!
Mensch: Das weiß ich natürlich. Aber ist das nicht ein sehr trostloses Bild? So ein mit Leichen übersäter Acker. Sieht dann so aus, als ob Du, Gott, eher für den Tod zuständig bist.
Gott: Dass erinnert mich daran, dass mir mal ein Klinikseelsorger erzählt hat, dass gar nicht so selten die Patienten erschrocken sind, wenn der Pfarrer ins Krankenzimmer kommt, weil sie denken, ihre gesundheitliche Situation würde wohl so eingeschätzt, dass der Tod bald vor der Tür stehen könnte.
Mensch: Dann wird Kirche und Gott eher mit der Begleitung des möglichen Todes in Verbindung gebracht, als mit der Hilfe Möglichkeiten zu finden auch im Leiden und Kranksein zu l e b e n.
Gott: So kann es passieren, dass manch einer von der Taufe bis zur Konfirmation, zur Hochzeit und dann bei der Trauerfeier etwas intensiver mit mir zu tun hat.
Mensch: Da ist dann auf dem Acker des Lebens nicht so viel gewachsen an Beziehung zu dir.
Gott: Ja, das ist ernüchternd! Wenn ich dann in meinem Reich mal bei dem auferstandenen Menschen nachfrage, warum das denn so gekommen ist, höre ich dann: „Es gab so viel zu tun. Ich hatte keine Zeit für Gebete und Gottesdienst, Kirche usw....
Mensch: Also das ganze Leben nur geackert …
Gott: Und ich hätte mich gefreut, wenn ich regelmäßiger „bestellt“ worden wäre, um den Acker des Lebens mit zu bestellen. Manche Furche hätte sich durchaus leichter ziehen lassen, wenn ich mal z.B. in einigen Gottesdiensten hätte Hand anlegen dürfen. Mit Gottes-Dienst meine ich da wohlgemerkt nicht nur den Besuch am Sonntag in der Kirche!
Mensch: Das Wort sagt es ja irgendwie schon: Gottes-Dienst! Du willst, was zu tun haben mit uns!
Gott: Ja, viele denken, sie erweisen mir, Gott, einen Dienst, wenn sie zum Gottesdienst kommen. Dabei ist es eher umgekehrt! Ich bekomme dann mal eine gute Chance, als Gott, meinen Dienst anzubieten und etwas zu leisten!
Mensch: Und stattdessen hat sich manche Sorgen-Furche in die Stirn des ackernden Menschen eingegraben und das Leben schwer gemacht. Mehr mit hohem Verschleiß gerackert als fruchtbringend geackert - sozusagen!
Gott: Schau mal auf diesen herrlich noch etwas im Winterschlaf schlummernden Acker. Ich lade dich zu diesem Osterfest wieder ein, dich einzubringen, dich selbst auszusäen, ohne dich abzurackern. Und bitte: Lass mich mal mit ran an deine Furchen. Ich möchte dich nicht erst auf dem „Gottsacker“ wiedersehen!

Auf die Palme bringen
Palmsonntag – 2. April 2023
Mensch: Heute lesen wir im Gottesdienst den Einzug Jesu in Jerusalem. Er hat die Leute auf die Palme gebracht. Als er auf dem Esel in die Stadt eingeritten ist, da haben ihn alle für den seit Jahrhunderten angekündigten Retter gehalten und haben die Zweige von den Palmen am Straßenrand gerissen und wie einen Teppich zum Empfang vor ihm ausgebreitet...
Gott: Ich merke, du erinnerst dich doch an Einiges aus dem Konfirmanden- und Religionsunterricht. Dann war es ja nicht umsonst!
Mensch: Ja, wir haben da einen Jesusfilm gesehen. Die Menschen waren ganz aus dem Häuschen und sind auf die Palmen gestiegen, entweder um Jesus besser sehen zu können oder um Palmwedel zu holen.
Gott: Kannst du Jesus gut sehen?
Mensch: Sehen? Naja, so richtig mit den Augen nicht eigentlich...
Gott: Eigentlich?
Mensch: Es gibt schon Menschen, die mich auf die Palme bringen! Vielleicht war Jesus schon mal dabei...?!
Gott: Ob das Jesus auch gelingen könnte, dich auf die Palme zu bringen?
Mensch: Wenn er mich nervt...
Gott: Gegenüber den Priestern damals ist er schon recht deutlich geworden, als er den ganzen kommerziellen Handel im Tempel kritisiert hat. Er ist sogar handgreiflich geworden und hat die Tische der Händler dort umgestoßen. Müsste Jesus auch bei dir zuhause - in deinem „Tempel“ - mal so ähnlich ausrasten, damit du ihn siehst und wahrnimmst?
Mensch: Es ist schon manchmal so, dass ich erst aufmerksam werde, wenn jemand ganz deutlich wird. Dass bei mir im eigenen Zuhause mal aufgeräumt werden muss, sehe ich schon weniger als bei anderen Leuten.
Gott: Tempelreinigung ist also auch bei dir angesagt!
Mensch: Würde ich lügen, wenn ich es abstreiten würde.
Gott: Dann würde ich Jesus heute mal zu dir schicken. Ich hoffe, du siehst und erkennst ihn. Halt die Augen offen! Und lass dich ggf. auch mal von ihm auf die Palme bringen! Es könnte eine heilsame Begegnung werden, wenn du ihn einlässt: Göttlicher Home-Service!

Summ herum
Karmontag – 3. April 2023
Gott: Ich mag diese Bäume und Sträucher, die jetzt schon blühen, obwohl es noch gar nicht so warm ist!
Mensch: Geht mir auch so, dass sind die „Vorreiter“ des Frühlings. Die großen Eichen dahinter, die müssen noch am Ausschlagen eine Weile arbeiten, die wilden Kirschen, Pflaumen und Schlehen explodieren förmlich.
Gott: Jesus sollte auch so ein Vorreiter sein, der gegen alle widrigen Umstände zeigt, dass das Leben siegt und wieder aufblühen kann, auch wenn es lange recht trübe ausgesehen hat.
Mensch: Er hatte da aber auch durchaus eine wechselhafte Geschichte. Viele fromme Leute konnten mit ihm nichts anfangen. Sie haben dafür gesorgt, dass er zum Schweigen gebracht wurde. Am Karfreitag sehen wir auf den Kreuzweg, den er gehen musste. Dornenkrone statt Blütenkranz!
Gott: Ja, so erging es mit vielen „Vorreitern“, die ich zu euch Menschen als Prophetinnen und Propheten im Laufe der Jahrhunderte in die Spur geschickt habe.
Mensch: Weil du uns wieder in die Spur bringen wolltest...
Gott: Ja, wenn ich so zusehen muss, wie ihr neben der Spur in so manche Sackgasse gondelt....da suche ich nach solchen Bildern, wo dann doch wieder etwas trotzig zu blühen beginnt.
Mensch: Die dicke Hummel auf dem Foto fährt schon die Ernte ein und steckt ihren Rüssel tief in die Blüte und trinkt sich satt am Nektar.
Gott: Dazu lade ich dich auch heute an diesem ersten Wochentag der Karwoche ein. Geh mal sammeln! Flieg von Blüte zu Blüte und stärke dich. Ich lasse dir heute ein paar Blüten aufgehen. Wie die Hummel kannst du sie riechen, sehen – vielleicht sogar explodieren hören, wenn du dich mal an einen schönen Ort in Wald oder Feld stellst und ganz still wirst. Zur Not kannst du einem der dicken Brummer folgen, die führen dich schon dahin, wo du dich an Blüten berauschen kannst.
Mensch: Ich werde mal durch die Gegend summen...

Mitfahrgelegenheit

Kardienstag – 4. April 2023
Mensch: Jetzt haben wir also schon den Dienstag in der Karwoche. Warum heißt diese Woche eigentlich Karwoche und warum beginnt der Donnerstag nicht wie alle andern Karwochentage von Karmontag bis Karsamstag nicht auch mit „Kar-“ sondern heißt Gründonnerstag?
Gott: „Kara“ ist althochdeutsch und bedeutet „Klage, Kummer, Trauer“.
Mensch: Dann kombiniere ich, dass der Gründonnerstag dann kein trauriger Tag innerhalb dieser heiligen Woche sein soll!
Gott: Genauso ist es. Da wird gefeiert, dass Jesus seinen Freundinnen und Freunden die Feier des Abendmahls mit auf den Weg gegeben hat - für die Zeit, in der er als Mensch nicht mehr bei ihnen ist.
Mensch: Den Kreuzweg Jesu zu sehen, macht wirklich traurig und bekümmert. So viele werden verurteilt, misshandelt, gefoltert, einfach fertig gemacht …. zerstört! Ich möchte es manchmal gar nicht mehr hören, sehen oder lesen!
Gott: Ich kann und will da nicht wegschauen oder weghören. Die vielen Kreuzwege jedes einzelnen Menschen mit zu begleiten ist so wichtig! Ich gehöre bei jedem und jeder zur Familie und jeder und jede gehört zu meiner Familie. Da kann und will ich mich nicht drücken und nach Antworten und gangbaren Schritten suchen helfen.
Mensch: Du bist also auch einer der gegen alle Verkehrsregeln einfach aufsteigt und als Sozius mitfährt?
Gott: Sozius bedeutet „Gefährte, Genosse, Teilnehmer“.
Mensch: Ich kann mich also drauf verlassen, dass du bei mir mitfährst.
Gott: Ich nehme immer mit Leidenschaft an deinem Leben teil. Lass mich aufsteigen! Gefährte sein auf deinem Gefährt, auf deiner Fahrt
Gott glaubt an uns

Kardienstag – 5. April 202
Mensch: Gott, hast du eigentlich noch Hoffnung, dass wir Menschen das hinbekommen, den fortschreitenden Klimawandel zu verhindern?
Gott: Sehr viel Anlass gebt ihr mir leider nicht dazu...Aber ich bin irgendwie von Haus aus einer, der an die Menschen glaubt.
Mensch: Das ist ja mal eine bemerkenswerte Formulierung: Gott glaubt an den Menschen! Ich dachte immer, wir Menschen sollten an Gott glauben...
Gott: Als ich dieses Jahrmillionending mit dem Planeten Erde, der Evolution und euch angefangen habe, habe ich mir es fest vorgenommen, an den Erfolg des Projektes Mensch zu glauben. Ich habe diesen Glauben dann schon recht lange durchgehalten, musst du zugeben. Warum sollte ich jetzt meinen Glauben an euch Menschen verlieren?
Mensch: Mir hat gestern jemand gesagt: „Für mich ist das gegessen mit dem Glauben, den selbstverschuldeten Untergang der Menschheit noch aufhalten zu können. Wir haben das nicht anders verdient! Ich mach das nur noch aus Solidarität mit den jungen Leuten, dass ich mich mit für den Klimawandel einsetze. Sonst wäre es ja fies, alles schleifen zu lassen, weil ich selbst sicher noch vor der Katastrophe sterben werde.“
Gott: Na immerhin wenigstens das noch... Aber wie siehst du es denn?
Mensch: Du hast mich echt nachdenklich gemacht, als du gesagt hast, dass du schon so lange an uns glaubst. So hab ich das noch nicht gesehen.
Gott: Mein Glaube an euch steht fest verwurzelt wie die beiden riesigen Eukalyptusbäume!
Mensch: Irgendwie Trost und Ansporn zugleich.
Gott: Na dann. Wachsen ist angesagt! Alt wie ein Baum werden.
Seelenruhig feiern

Gründonnerstag – 6. April 2023
Mensch: Heute ist also diese aus der eigentlichen Karwoche, der Trauerwoche herausragende Feiertag des Gründonnerstag. So hast du es mir doch letztens erklärt..
Gott: Genau. Heute wird in den Kirchengemeinden gefeiert, dass Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern kurz vor seiner Verhaftung noch das Passafest gefeiert hat und dem Essen und Trinken, dem Brot und dem Wein Teilen eine neue Bedeutung gegeben hat. So ist das Abendmahl entstanden, das eine heilige Zeit der Gemeinschaft darstellt, die Kraft gibt und eine besondere Gemeinschaft schenkt.
Mensch: Es ist schon erstaunlich, dass Jesus noch Grund zum Feiern eines Festes hat, wenn er doch wusste, dass in dieser Nacht sein Freund Judas ihn verraten, die Tempelpolizei ihn verhaften und Petrus ihn verleugnen würde. Das erinnert mich an einen Vers aus dem Psalm 23, in dem der Beter sagt: „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mir Öl und schenkst mir voll ein!“
Gott: Gelassenheit, die auf Vertrauen gegründet ist. Jesus hat mir weiter vertraut, auch wenn es auf einen Kreuzweg zuging und die Feinde des Lebens die Oberhand bekommen hatten. Im Angesicht des anrückenden Feindes hat er ganz bewusst noch mit den Freunden zusammen gegessen und getrunken – den Angreifern zum Trotz.
Mensch: Er hätte sich auch aus dem Staub machen und verstecken können!
Gott: Rein menschlich wäre es sicher nachvollziehbar gewesen. Aber sein besonderer Draht zu mir hat ihn zum Gehen dieses schwierigen Weges ermutigt.
Mensch: Das Abendmahl soll also so etwas sein, was in schwierigen Situationen Mut und Kraft gibt...
Gott: Ja, Gemeinschaft beim Essen und Trinken, schafft Vertrauen in eine freudigere Zukunft, auch wenn es im Moment schlecht aussieht und sogar tatsächlich auch schlecht ausgeht.
Mensch: Das war ja bei Jesus auch der Fall dann am Karfreitag.
Gott: Du hast Recht, aber nach dem Karfreitag und dem Karsamstag kam der Ostermorgen und Jesus hat wieder mit seinen Freundinnen und Freunden zusammen gegessen!
Mensch: Abendmahl ist also so eine Feier des Lebens gegen den Tod. Es kann der Panik, die der Tod verbreiten will, die Gelassenheit eines gemeinsamen Essens entgegen setzen!
Gott: Jesus Christus – Brot des Lebens für dich! Jesus Christus – Kelch des Heils für dich! Du kannst seelenruhig mit IHM feiern!
Kreuz im Aufwind

Karfreitag – 7. April 2023
Es ist nicht zu Ende.
Es geht los.
Menschen haben mich hoch ans Kreuz geschlagen.
Gott zieht mich höher als Menschen mich hängen können.
Der Himmel ist offen für mich.
Der Vater ist unterwegs zu mir.
Heiliger Geist trägt mich.
Auch dich.
Im Aufwind.
los-lassen

Karsamstag – 8. April 2023
Wortlos
lautlos
leblos
sinnlos
ratlos
gedankenlos
zeitlos
tatenlos
erfolglos
hilflos
endlos
gnadenlos
haltlos
los!
Raustreten
Ostersonntag – 9. April 2023
Mensch: Welche Überschrift würdest du diesem Bild geben?
Gott: Raustreten.
Mensch: Raustreten!? Aus dem Rahmen treten... Mmmhh. Ja, das kommt hin.
Gott: Aber nicht „aus dem Rahmen fallen!“ Da würde dieses aktive Moment fehlen! Einen Schritt zu machen.
Mensch: Den einengenden Rahmen des leidensvollen Weges verlassen. Das Grab leer zurücklassen.
Gott: Raus ins Leben treten. Neue Schritte wagen. Ein symbolträchtiges Kreuz ist das. Woher hast du es?
Mensch: Ich habe letztens mal einem Rollstuhlfahrer geholfen, seinen Koffer in sein Auto zu bringen. Da hat er mir dieses selbstgebastelte Kreuz geschenkt.
Gott: Einer trage des anderen Last...
Mensch: Ich habe dann von ihm erfahren, dass er viele solcher Kreuze anfertigt und sie bei jeder Gelegenheit verteilt. Damit diese Botschaft unter die Leute kommt. Deshalb hab ich mir nur ein Foto davon gemacht und es ein paar Tage später weiter verschenkt an jemanden, der diese Botschaft gerade nötig hatte..
Gott: Haben nicht alle diese Botschaft nötig: Raustreten aus dem Kreuz!
Mensch: Ja, ich glaube, es hat ihn berührt, diese Botschaft.
Gott: Meine Rede. Meine Botschaft. Seit mehr als 2000 Jahren. Schön, dass sie bei dir angekommen ist und dass du sie weitergereicht hast.

Sei nicht lebensmüde!
Ostermontag – 10. April 2023
Mensch: Da ist aber der Durchbruch gelungen? Was für eine Kraft, die kleine grüne Pflanze doch an den Tag legt! Mitten auf der Straße, sich in einem kleinen Schlagloch anzusiedeln. Da gehört schon was dazu!
Gott: Das interessiert mich jetzt aber. Was gehört denn da dazu?
Mensch: Na etwas lebensmüde ist das schon. Es fahren ja immer noch Autos immer mal drüber weg, auch wenn es nur eine kleine Nebenstraße ist. Da werden ja immer wieder Teile abgefahren und das Wachstum schmerzlich begrenzt.
Gott: Ist ja auch die Frage, wie die Pflanze dahin gekommen ist! Von unten durch unter dem Asphalt kriechende Wurzelausläufer oder als Samen von oben hin geweht oder rein gespült worden.
Mensch: Auf jeden Fall unterbricht dieses lebendige Grün enorm den grauen harten Asphalt. Auf der Straße waren schon ganz viele solche Stellen, als ich da mit dem Fahrrad lang gefahren bin.
Gott: Das Wort „lebensmüde“ betont aber eher so die Gefahr, dass das Wachsen und Leben ein Ende finden könnte. Ich sage mir: Da gehört ja eine enorme Portion Mut, Vertrauen und Widerstandskraft dazu, sich in diesem Schlagloch einzunisten und es drauf an kommen zu lassen, immer mal wieder platt gemacht zu werden oder zu vertrocknen.
Mensch: So kannst du es auch sehen. Ich neige wohl eher zum Pessimismus!
Gott: Warum eigentlich? Wir haben doch gerade zusammen Ostern gefeiert: Den Sieg des Lebens über den Tod.
Mensch: Ja, dass habe ich in den Ostergottesdiensten einige Male gesungen: „Christ ist erstanden. Halleluja!“
Gott: Schau mal genau hin auf dem Bild! Es gibt da noch ein paar Anzeichen für größere Hoffnung und einen gewissen Optimismus: Der scheinbar so harte Asphalt ist nämlich schon mächtig ausgewaschen und sehr dünn geworden. An einigen Stellen in der Nähe der Pflanze - ich glaube es ist ein Knöterichgewächs - sind schon die nächsten Risse zu sehen. Die werden sich allmählich verbreitern und bald wird der nächste Brocken herausfliegen, dann steigen die Überlebens- und sogar Wachstumschancen für den Knöterich.
Mensch: Steter Tropfen höhlt den Stein! Sagt man ja.
Gott: Genau! Auf den Tropfen und seine Kraft vertrauen, dann wird der härteste Asphalt weich und das Leben bekommt wieder eine Chance. Ich arbeite oft mit Tropfen, daher dauert es oft lange bis ihr die Hoffnungszeichen erkennt. Die Ostergeschichte mit der Auferstehung Jesu ist das ganze eben mal im Zeitraffer, damit du die helle Perspektive doch wieder entdeckst und nicht in der Lebensmüdigkeit stecken bleibst. Als die Frauen zum Grab Jesu gingen, haben sie überlegt, wer ihnen wohl den schweren Stein vor der Grabhöhle wegrollt. Als sie hinkamen, war das Grab schon offen und leer und der Engel hat die Lebensmüden zurück ins Leben geschickt. Das mach ich jetzt auch mit dir: Werd eins meiner grünen Pflänzchen im grauen Asphalt! Mit mir kannst du aufstehen gegen deine Lebensmüdigkeit! Denk nicht an die vielen lauernden Gefahren, entdecke die Chancen im kleinsten Schlagloch, die dir bis jetzt noch verborgen geblieben sind.
Mensch: Du meinst: Wachsende bepflanzte Schlaglöcher machen irgendwann auch eine graue Straße zur grünen Wiese...?!
Gott: Halleluja!
