Montag - Beten studieren

Zum Bedenken
Kann ich Beten studieren?
Hier in Athen hat ein Künstler die 1508 entstandene zeichnerische Studie Albrecht Dürers zu den betenden Händen eines Apostels auf die Fassade eines Hochhauses gelegt. Ja die Hände scheinen geradezu liebevoll in den Alltag der Stadt und ihrer Bewohner, ja bis in ihre Wohnungen eingreifen zu wollen. Sie kommen aus dem klaren Blau des Himmels und durchbrechen sanft das Grau des Betons.
Diese betenden Hände geben eine neue Struktur! Wie mag es sich in einer Wohnung leben, in der das Beten studiert (=eingeübt) wird? Es könnte doch ein neues Bild des Lebens sich abzeichnen, nicht nur wie eine Projektion auf der Fassade, sondern spürbar im Raum des Lebens, in meiner Wohnung, in meiner Straße, auf meinem Stück Erde? Hier!
Lass uns reden, Gott! Ich will Beten studieren!
Zum Nachlesen
Jesus spricht: 6 Wenn du beten willst, zieh dich zurück in dein Zimmer, schließ die Tür hinter dir zu und bete zu deinem Vater. Denn er ist auch da, wo niemand zuschaut. Und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen. 7 Leiere nicht gedankenlos Gebete herunter wie Leute, die Gott nicht kennen. Sie meinen, sie würden bei Gott etwas erreichen, wenn sie nur viele Worte machen. 8 Folgt nicht ihrem schlechten Beispiel, denn euer Vater weiß genau, was ihr braucht, schon bevor ihr ihn um etwas bittet. 9 Ihr sollt deshalb so beten: Unser Vater im Himmel! Dein heiliger Name soll geehrt werden. 10 Lass dein Reich kommen. Dein Wille geschehe hier auf der Erde, so wie er im Himmel geschieht. 11 Gib uns auch heute, was wir zum Leben brauchen, 12 und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind. 13 Lass uns nicht in Versuchung geraten, dir untreu zu werden, sondern befreie uns von dem Bösen.
(Matthäus 6,6-13, Übersetzung: Hoffnung für alle)
Zum Haltung finden
Beten ist mehr als Worte sprechen, die an Gott gerichtet sind. Es ist eine Einstellung zum Leben. Ich stelle mich darauf ein: Es gibt einen Gott, der nicht im Himmel, sondern hier auf Erden ist. Genau da, wo ich in meinem Alltag lebe und meinen Mann oder meine Frau stehe. Sein Rat, seine Begleitung, sein Mitfiebern bei meinen Entscheidungen und Wegen ist relevant und gewollt.
Beten ist eine Haltung. Ich halte es so, dass ich mit dem lebendigen Gott rechne. Ich suche immer wieder nach einer Beziehung zu ihm als meinem Freund, mit dem ich per DU bin. Beten versucht nicht einseitig, Gott zu irgendetwas umzustimmen oder ihn zu etwas zu bewegen, was ich für gut und wünschenswert für mich oder für andere erachte.
Beten ist ein vertrautes Zwiegespräch zwischen mir und Gott. Aus diesem fließt dann Kraft und Geist in mein Leben und zu den anderen für die ich bete. Ich und auch derjenige und diejenige, für die ich bete, können erspüren, wie sich ein Netz unter uns ausspannt oder ein Schirm sich über uns breitet.
Beten geht eigentlich immer und überall und so wie es gerade kommt. Aber es gibt Schritte, die das Einüben in dieses Gespräch erleichtern können.
Beten studieren – das geht, wenn es dazu führt, dass es von einer blanken Vorlesung von frommen Worten zu einer neuen Haltung führt, mit der ich immer öfter nicht mehr allein, sondern im Dialog mit dem Allmächtigen durchs Leben gehe.
Zwei Zitate der spanischen Mystikerin und Karmelitin Teresa von Avila (1515-1585) drücken es so aus:
„Christus ist auch zwischen den Kochtöpfen!“ (aus: Das Buch von den Klostergründungen 5, 8)
oder
„Gebet ist nichts anderes als ein Gespräch mit einem Freund, mit dem wir oft und gern allein zusammenkommen, um mit ihm zu reden, weil wir wissen, dass er uns liebt“ (Das Buch meines Lebens 8, 5).
Zum Zwiesprache halten
Sieben gangbare Schritte zum Beten
1. Einen guten Ort suchen:
Wo finde ich in meiner Wohnung, in meinem Lebensbereich, einen Platz für die betenden Hände, wo es mir gut gelingt, meine Haltung des Betens einzuüben?
Vielleicht ist es leichter, einen guten Ort zum Gespräch mit Gott zu finden, denn dann findet sich wahrscheinlich auch besser ein Zeitfenster, das den Weg zu Gottes Gegenwart eröffnet.
Begib dich doch einmal auf die Suche, welcher Ort dir hilft, Gott zu er-innern. Ein Ort also, der dir eine innere Brücke zu Gott baut. Vielleicht ist es eine bestimmte Stelle im Garten, eine Parkbank in der Stadt, ein Platz auf einer Brücke am Fluss, je nachdem wo wohnst, kann das sehr vielfältig sein.
Zuhause in der Wohnung gibt es bestimmt einen Lieblingsplatz, zu dem du Gott einladen könntest. Vielleicht gibt es dort einen Ort, wo du ein Bild oder einen Gegenstand, den du gut mit Gott verbinden kannst, einen Platz gibst. Dann könnte so etwas wie dein ganz persönlicher Haus-Altar entstehen. In der Kirche finden wir auf dem Alter Kerzen, Blumen und ein Kreuz, die Bibel. Für dich können es durchaus auch ganz andere Symbole sein, die eine Geschichte mit dir haben und so irgendwie heilig geworden sind und so einen Draht zu dem heiligen Gott knüpfen können.
2. Zeitfenster vereinbaren
Speichere dir drei Weckzeiten, die deinen Alltag unterbrechen in deinem Mobiltelefon ein!
Nimm dir jeweils sieben Minuten Zeit und genieße es, nicht nur mit dir allein, sondern mit Gott zu zweit zu sein...
3. Ansprechen
Was ist die Anrede, die für dich passt? Gott, Vater, Jesus Christus, Freund, oder einfach nur DU?
Vergegenwärtigung in der Stille: DU bist da. Ich bin da.
4. Dich einbringen:
Alles hinhalten, was gerade ist und in und um mich los ist – manchmal hilft es, wenn du laut redest oder sogar rufst, schreist...
5. Gott, sich einbringen lassen – Stille - Lauschen
6. Gebet aus der Einbahnstraße holen
Gottes Antworten jetzt und in der kommenden Zeit zu hören, Sensibilität für Gottes „Sprache“ entwickeln, Ereignisse, Worte anderer Menschen zu interpretieren und zu deuten. Könnte das gerade Gottes Ansprache an mich sein? Höre ich in seiner Ansprache vielleicht sogar einen Anspruch Gottes an mich? Gott, was wünschst du dir von mir heute? Was betet Gott in meine Richtung? Gebet ist keine Einbahnstraße!
7. Fortsetzung vereinbaren und dafür einen Gebetszettel schreiben
Formuliere ein kurzes Gebet! Etwas, was du Gott sagen willst und schreib dir auf, was du in deinem Gespräch mit Gott von ihm gehört hast. Du hast bestimmt etwas wahrgenommen, was du bewahren und vielleicht noch öfter bedenken möchtest. Es reicht auch jeweils ein einfacher kurzer Satz oder sogar nur ein Wort.
Schreib dein Gebet auf die eine Seite eines kleinen Zettels und auf die andere Seite den Satz, den Gott zu dir gesagt hat (Vielleicht hörst du Gottes Satz auch erst ein paar Tage später…) Falte den Zettel dann und steck ihn an einem Platz, wo er dir immer wieder mal in die Hände fällt. Dann entfaltest du ihn und knüpfst an dein Gebet an. Auf Dauer kann so ein tragendes Netz entstehen!
Zum Reden
Gott bist du da? Ich frag nochmal.
Dann kann ich es besser glauben.
Sag nochmal Ja.
JA!
Das tut gut, Gott.
Meistens fang ich ja an zu erzählen, wie es mir so geht.
Wie geht es dir eigentlich, guter Gott?
Geht es dir gut? Was macht es wohl aus, dass es dir gut geht? Könnte ich dafür etwas tun? Das würde ich gerne!
Ich glaube, es gelingt mir manchmal
und ich weiß ganz gut, was gut für dich ist.
Ich spüre, wenn es dir warm ums Herz wird durch mich.
Das spiegelt sich dann irgendwie auch ganz warm in meinem Inneren.
Dann habe ich gar nicht so den Zweifel, ob du da bist.
Ich habe das Gefühl: DU wohnst bei mir.
JA!
Wir sind irgendwie unsichtbar verbunden und ich sehe dich doch.
Auch ich bin irgendwie sichtbarer als vorher.
Für mich selbst. Für andere.
JA!
DU kannst mich auch besser sehen. DU bist JA! da.
Wir können wir uns ruhig öfter sehen und es uns gut gehen lassen.
Gut, dass du da bist guter Gott!
JA!
So soll es sein! Amen.
JA!
Stoßgebet-Version:
Gott bist du da?
JA! Ich bin da.
Das tut gut.
JA! Ich bin gut an dir dran.
Bleib bei mir!
JA! Bin ganz nah.
Lass es gut gehen.
JA! Komm mit mir!
Nimm mich mit dir!
JA! Ich bin da.
DU bist da!
JA!
Amen.
JA!
Zum Beten für andere
Du kannst auch für einen Menschen beten, der dein Gebet, deine Worte braucht, weil er gerade selbst nicht beten kann. Teile ihm mit, dass du für ihn betest. Es könnte sein, dass er in deinen Worten entdeckt, was er gerade selbst nicht ausdrücken kann.
Gottes Netz spannt sich auf und sein Schirm wird ausgebreitet, wenn du betest!