Es war ein schöner Tag in Sarajevo. Ich hörte die Vögel singen. Die Sonne durchflutete das ganze Zimmer, sobald ich das Fenster öffnete. Sie drang in meinen Körper und ich hatte das Gefühl neuer Frische und Energie.
Es war ein friedlicher Tag. Ein zu friedlicher Tag in Sarajevo. Es war die trügerische Stille… Eine Stille, die allzu oft ein Verhängnis für manche Menschen sein kann. Geblendet von der Sonne konnte ich nur umrisse vom Markplatz vor mir sehen. Ich hörte viele Menschen, wie sie um die Preise feilten, wie Händler ihre waren lobten, doch alles war friedlich und schön. Jeder erfreute sich an der Sonne, kaufte schöne, harte karmesinrote Äpfel und Granatäpfel, kräftige Birnen, schauten in den azurblauen Himmel. Alles schien perfekt zu sein. Alle Gesichter lächelten. Die Menschen waren außer sich. Wie schnell Menschen vergessen? Vergessen welch Unheil auf sie in den Bergen lauert. Welch grausame Tier auf sie wartet, um im Blutrausch zu töten, töten ohne eine ersichtlichen Grund. Der Mensch das gefährlichste Tier von allen. Keine alles durchschneidenden Krallen oder alles zerbeißende Zähne besitz dieser, geschweige denn von gutes Hör- und Seevermögen. Jedoch hat er seinen Verstand. Ein Verstand der gewiss zu mehr bösem als zu gutem gebraucht wird. Wo ihn doch der Schöpfer aller Dinge nicht für diesen Zweck erschaffen hatte. Jedoch wird dieses Kapital, das schönste Geschenk von allen, missbraucht für schlechte Taten, wo er doch dieses Kapital besitzen sollte um sich selbst zu verstehen, um seinen Schöpfer zu verstehen, um seinen Weg zu verstehen. Aber der Mensch vergisst… vergisst was er getan und vergisst was ihm getan wird.
27
Okt



