Gott und Mensch

(Ein Projekt von VDM e.V.)

Ich fiel von allen Wolken. Mein Weltbild bzw. mein Bild von den beiden bzw. meine positive Einstellung zu ihnen drohte zu kippen. Der Asylantenkaktus, ach, sollte ich ihn wirklich tatsächlich einbürgern oder doch viel lieber meiner Schwester zurückgeben? Er machte mir so viele Sorgen. Er ist auch schon wieder gewachsen und hat sich gut erholt. Und meine Schwester würde es wohl freuen, wenn der Kaktus so wohl ernährt und fit wieder zurückkäme, oder nicht? Mich störte er nicht, aber seine grundsätzliche Depression und Müdigkeit ging mir allmählich auf die Nerven. Man muss ja überhaupt sehr viel Geduld mit Pflanzen haben und die habe ich ja und will sie ja immer aufwenden für sie.

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Ich kam nach Hause. Voller Freude setzte ich die kleine, zierliche Topflanze neben die andere Topflanze hin. Und merkte. Eine unumstößliche Spannung zwischen ihnen. Ich wollte es zunächst nicht wahrhaben bzw. ich dachte, das ist so normal und verständlich. Die kleine Pflanze ist ja neu und muss sich zunächst orientieren bzw. sich einfinden in ihr neues Zuhause bzw. die anderen Topflanzen mal näher kennenlernen. Und wenn sie sich einander vorstellten, ja dann, dachte ich mir, werden sie auch schon gut miteinander umzugehen wissen. Oder so. So dachte ich es mir und hoffte es. Alsbald steckte ich die neue, kleine und schüchterne Topflanze in eine große Tasse, denn eine andere Vase ließ sich nicht finden. Ich beobachtete sie, doch die Topflanzen ließen sich nichts anmerken.

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Ja, und dann dachte ich mir, sollte ich mir doch vielleicht noch eine dritte Topflanze kaufen. Es ist doch schön, mit anzusehen, wie die Pflanzen sich untereinander gut ver- und ertragen, wenn man sie alle gleich behandelt, mit allen samt redet und versucht, ihren Bedürfnissen entgegen zu kommen. Ich ging, diesmal ohne meine Schwester, durch eine andere große Pflanzenwelt und da sah ich sie. Meine dritte entzückende Topflanze sollte sie werden. Klein, zierlich, bescheiden. Kleine zarte, aber stark wirkende grüne Strunke ragten senkrecht hinauf. Sie war wirklich wundervoll. Ohne zu zögern griff ich nach ihr. Sie sah mich verlegen an. Ich war der Meinung, dass wir uns gut verstehen würden. Sie auch.

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Und dann, dachte ich mir, hole ich mir doch eine eigene Topflanze, denn ich wollte eine eigene großziehen. Ich hatte dieses Bedürfnis in mir. Und so kam es, dass dieses Bedürfnis in mir erneut aufstieg, als ich mit meiner Schwester in eben diesem einen großen Blumenladen war. Und so kaufte ich sie mir dann. Sie war also die zweite Pflanze in meinem Zimmer. Ich sah sie beide an. Ich stellte sie aneinander vor. Der Kaktus war älter als sie, womöglich deswegen bescheidener. Meine Topflanze war einige Wochen alt, daher wohl noch total schüchtern gewesen. Eine Eigenart von manchen Pflanzen, dachte ich mir.

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Als ich mal bei ihr im Zimmer war, gab ich ihr also den Rat, eigentlich machte ich ihr das Angebot, dass ich mich wohl um den übrig gebliebenen Kaktus kümmern könnte. Sie war sofort damit einverstanden gewesen und er kam zu mir ins Zimmer. Er durfte also ausreisen. Ich gab ihm Asyl. Widerwillig, angeschlagen und verletzt war er, als er bei mir auf die Fensterbank kam. Ich redete etwas mit ihm. Ich versuchte ihn, zu trösten, ihm die Situation meiner Schwester klar zu machen und versprach ihm, dass er, wenn er denn wollte, jederzeit wieder zurückgehen könnte. Das wollte er nicht. Dann schwieg er grimmig weiter und stach mich ab und an. Ich setzte mich wieder und wieder mit ihm zusammen, erklärte ihm alles, sprach mein Beileid aus wegen dem anderen Kaktus und versprach ihm, dass er es bei mir besser haben werde. Nach ein paar Tagen endlich ließ er sich dann doch von mir pflegen und seither wuchs er auch etwas mehr.

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Meine Topflanze, von der ich vermute, dass sie Täterin ist, war insgesamt die zweite Topflanze gewesen, die ich mir auf mein Zimmer holte. Davor nahm ich einen Kaktus auf. Dieser Kaktus ist nicht mein Eigen. Er lebte bei meiner Schwester auf dem Zimmer. Ihm ging es dort zunächst gut. Meine Schwester hatte alle möglichen Pflegeprodukte für ihre kleinen Kaktusse angeschafft. Der eine starb trotzdem und der hier überlebte. Sie konnte irgendwann, aufgrund von persönlichen Problemen, sich nicht mehr so sanft um ihre Kakteen kümmern. Die Kakteen wurden dadurch irgendwann immer aggressiver. Sie forderten natürlich ihre Rechte ein. Es mangelte ihnen an Grundversorgung und Liebe.

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Ich glaube, meine Topflanze hat meine andere Topflanze getötet. Ich mag Topflanzen. Aber ich meine, dass meine Topflanze intolerant gegenüber meiner anderen Topflanze gewesen ist. Ich verstehe ja, dass man nicht alle Topflanzen als Topflanze mögen kann. Man muss das ja auch nicht. Aber mittlerweile glaube ich wirklich da dran, dass meine Topflanze meine andere Topflanze umgebracht hat.
In meinem Zimmer habe ich eine Topflanze, die ich mein Eigen nennen kann. Die hatte ich mir von einem großen Blumenladen gekauft. Ich war mit meiner Schwester dort. Eigentlich mag ich keine Blumen, aber Grünpflanzen. Ich mag Grünpflanzen. Sie sind schön. Sie deprimieren nicht, weil sie keine Blüte haben, die verwelken könnte. Überhaupt mag ich die Farbe Grün, nur ziehe ich mich nicht so an. Und sie sah mich an, meine Topflanze, damals noch so klein und so lieblich gewesen. Bei ihrem Anblick schmolz mein Herz dahin. Diese kleine Topflanze zum kleinen Preis fesselte mich mit Leib und Seele. Ja, sie eroberte mich, mein Denken und mein Fühlen. Einfach unbeschreiblich. Dieses Grün hatte mich verzaubert.

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Auf einem Müllplatz.
Möwen.
Reifen.
Möwen fliegen über Reifen umher,
über den Müll fliegen sie,
fischen da etwas Müll
aus dem Müll heraus,
oder stürzen sich in den Müll hinein,
tauchen in den Müll ein,
stürzen sich drauf,
und tauchen dann wieder auf,
setzen sich auf den Müll
schütteln sich
und fressen den Müll im Schnabel auf,
sind dann satt
oder fliegen dann wieder umher,
um wieder Müll zu fischen,
den Müll,
der vom Wind etwas bewegt wird,
zu jagen
und das, so schnell, wie sie nur können,
leben dort, essen dort, brüten dort,
weil es heute Müll gibt,
weil es nur noch Müll gibt,
aber das wissen sie nicht.
Müll. Das ist eben Müll.

Von Emine-E

Ihre Schreie ertönten in meinen Ohren, sie waren grauenerregend. Sie schrie nach ihrem Vater. „Abu“ schrie sie. Dann hörte ich ihre Mutter mit einer leicht dem Weinen ähnelnden und tröstenden Stimme sagen:
“Habibi komm herein! Dein Vater kommt schon zurück.” „Abu“ schluchzte sie hilflos.  „Abu wird zurückkommen. Vertraue auf Gott und sei geduldig, sei tapfer mein Kind.“

Zahra wurde durch das Treten und Klopfen an der Tür aus ihrem wunderschönen kindlichem Traum geweckt.

Es waren Soldaten an der Tür gewesen, die forderten, dass die Tür aufgemacht werden sollte.
Die Eltern schauten sich gegenseitig an und öffneten dann die Tür voller Hoffnung auf Gutes und Vertrauen auf Allah. Read the rest of this entry »

Hallo!

Ich bin Muslima. Ich wohne mit meinen Eltern in einem fast-Dorf, also einer besonders kleinen Stadt in Deutschland. Außer mir habe ich drei weitere Geschwister. Zwei ältere Brüder und eine ältere Schwester. D.h. ich bin das Küken im Nest unserer Familie.

Unser Familiennest empfinde ich als besonders warmherzig. Natürlich geht es manchmal turbulent zu, allerdings ist das das Los vom Leben in einer “Gesellschaft”, vom Leben mit mehreren Menschen zusammen. Eine Familie halte ich für eine sog. Mini-Zivilisation.

Meinen Eltern wird heute noch vorgeworfen, weshalb sie kein Deutsch gelernt haben. Sie seien doch jetzt schon mehr als 30 Jahre in Deutschland. Dann hätte man sich ja gefälligst schon längst anpassen müssen. Ja…. Da ist schon etwas Wahres dran. Muss ich zugeben.

Mein Vater, heute über 60 Jahre jung kam damals aus finanziellen Gründen nach Deutschland. Er wollte ein wenig arbeiten und nach einigen Jahren in die Türkei zurückkehren.. Wie viele…
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