Unser Islamic Relief Mitarbeiter Hatim Schurab berichtet uns regelmäßig von der Lage in Gaza.
Mittwoch, 21.01.2009
Heute fuhr ich in einen Ort namens Dschiban El-Rayad im Norden des Gazastreifens nahe der israelischen Grenze. Ich besuchte meinen Kollegen Alaa. Er entschied sich mit Beginn der Bodenoffensive, sein Haus zu verlassen, in dem er gemeinsam mit seinem Bruder und dessen Familie wohnte. Er ging mit seiner Frau und seinen beiden Kindern. Alaa bat seinen Bruder, er solle mit seiner Frau und den Kindern ebenfalls fliehen, doch die Angriffe wurden so intensiv, dass sie das Haus nicht mehr verlassen konnten.
Alaa klingt erschöpft und er hält die Tränen zurück, als er mir erzählt, was passiert ist. Er beschreibt, wie sein Bruder, seine Schwägerin und die Kinder sich unter der Treppe versteckten, um sich vor den Bombardierungen zu schützen. Während der dreistündigen Feuerpause ging Alaas Schwägerin in die Küche, um etwas zu kochen und die Kinder gingen nach draußen. Eine Rakete traf das Haus – sie kam direkt durch das Fenster.
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Die Waffenruhe wurde ausgerufen und die Bombardierungen sind vorbei. Anfangs konnte ich es nicht glauben, da ich am frühen Morgen heftigen Beschuss hörte.Ich sah viele Vertriebene, die zurückkehrten um zu sehen, was mit ihren Häusern geschehen ist. Viele Zelte wurden aufgestellt um gemeinsam zu trauern und sich gegenseitig Beileid zu bekunden. Die Menschen, die ich heute traf, waren sehr traurig und erschöpft. Ich sah viele meiner Freunde und Kollegen wieder, zu denen ich mehr als 22 Tage keinen Kontakt hatte. Wir umarmten uns als hätten wir uns Jahre nicht gesehen. Dieser Konflikt zerstörte vieles in Gaza. Häuser, Moscheen, Schulen, öffentliche Einrichtungen und Straßen sind schwer beschädigt – doch am meisten die Herzen der Menschen. Ganze Familien wurden heimgesucht. Viele Frauen sind jetzt verwitwet. Viele Männer verloren ihre Frauen und Kinder. Islamic Relief möchte jetzt besonders die Waisen, Witwen und Witwer unterstützen, damit sie ihren Lebensunterhalt verdienen und die Ernährung ihrer Familien sicherstellen können.Schätzungsweise 1.300 Menschen starben während der Angriffe.
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Unser Islamic Relief Mitarbeiter Hatim Schurab berichtet uns regelmäßig von der Lage in Gaza.
Donnerstag, 15.01.2009
Ich sitze in meinem Haus fest. Ich höre eine laute Explosion einige Meter entfernt. Der Beschuss wird intensiver und auch Raketen fallen.
Ich sehe Rauch, der von einem Haus hinter mir aufsteigt. Das UNRWA Hauptgebäude ist sehr nah und mein Kollege erzählt mir, dass es getroffen wurde. Eigentlich sollte ich auf der Straße sein und Hilfsgüter gemeinsam mit dem Notfallteam an Krankenhäuser in Gaza verteilen.
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Unser Islamic Relief Mitarbeiter Hatim Schurab berichtet uns regelmäßig von der Lage in Gaza.
Freitag, 16.01.2009
Wir hörten, dass eine Waffenruhe beschlossen wurde, doch es geht weiter. Wir haben keinen Strom, daher benutzen wir Kerzen. Meine 11-jährige Nichte versucht wie alle anderen Kinder in Gaza, tapfer zu sein. Sie erzählte mir, sie habe keine Angst. Als ich sie fragte, wie sie sich fühlt, wenn sie die Schüsse und Bombardierungen hört, sagt sie, dass ihr kalt wird und der Lärm sie zittern lässt.
Heute konnte ich mein Haus für einige Stunden verlassen und mit dem Islamic Relief Hilfsteam 1.700 Lebensmittelpakete an Menschen in 12 Notunterkünften von Gaza-Stadt verteilen. Außerdem konnten wir 1.600 Brot- und 1.500 Lebensmittelpakete in Rafah und Chan Yunis verteilen. Die Pakete enthalten Dosen mit Fisch, Fleisch und Gemüse und können 8 Menschen für drei Wochen ernähren.

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Unser Islamic Relief Mitarbeiter Hatim Schurab berichtet uns regelmäßig von der Lage in Gaza.
Dienstag, 13.01.2009
Die Wasserversorgung in Gaza ist katastrophal. Diejenigen, die zu den Glücklichen gehören und noch Wasser in ihren Vorratsbehältern haben, versuchen so viel wie möglich aufzubewahren. Viele Wasserbehälter wurden während der Bombardierungen zerstört.
Der Wassermangel verursacht Gesundheits- und Umweltprobleme. Vor einigen Monaten stellte Islamic Relief für das Hauptwasserpumpwerk Ersatzteile bereit. Das System ist alt und war bereits während der 18 Monate andauernden Blockade heruntergekommen.
Heute brachten wir Trinkwasser zu hunderten Menschen in acht Notunterkünften. Viele der Zufluchtsorte sind überfüllt und Zugang zu Trinkwasser gibt es nicht. Jede Person erhielt 20 Liter Wasser.
Im Moment reagiert unser Hilfsteam auf das, was um uns herum geschieht.
Doch uns ist bewusst, dass Gaza langfristige Hilfe von außen benötigt um die zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen.
Die Menschen in Gaza brauchen noch länger um von den physischen und psychischen Schäden zu genesen.

Standard Podcast [1:58m]:
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Unser Islamic Relief Mitarbeiter Hatim Schurab berichtet uns regelmäßig von der Lage in Gaza.
Montag, 12.01.2009
Ich konnte mein Tagebuch für zwei Tage nicht schreiben – ich hatte einfach keine Zeit, da ich mit meinen Kollegen tausende Lebensmittelpakete für die verzweifelten Menschen packte.
Ich frage mich manchmal, ob es überhaupt genug Platz gibt um all die Toten zu begraben. Gestern wurde ein Freund von mir in seinem Haus getötet. Er war Journalist und arbeitete für einen Radiosender.
Seit dem Beginn der Gefechte habe ich einige gute Freunde verloren – und wenn Sie mich fragen, wie ich mich fühle – ich kann es gar nicht sagen, denn ich versuche es wegzuschieben und mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.
Islamic Relief erhielt viele Anrufe von Menschen, die Nahrungsmittel und Decken brauchen.
Wir verteilen diese Dinge an sie nebenbei.
Ich bin erschöpft, wie jeder hier. Doch ein Entwicklungshelfer hat keine andere Wahl als durchzuhalten.

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Unser Islamic Relief Mitarbeiter Hatim Schurab berichtet uns regelmäßig von der Lage in Gaza.
Freitag, 09.01.2009
Heute konnte Islamic Relief nichts verteilen, denn die Bombardierungen waren so heftig, dass große Teile Gazas unter einer dicken Schicht Rauch verschwunden sind.
Gestern konnten wir 1.000 Lebensmittelpakete an lokale Hilfsorganisationen weitergeben, die uns halfen, verzweifelte Familien zu erreichen. Jedes Paket enthält genug Nahrungsmittel, um eine achtköpfige Familie einen Monat lang zu ernähren.
Der Gesundheitssektor in Gaza bricht zusammen. Die Ärzte in den Krankenhäusern müssen die Schwerverletzten wieder nach Hause schicken – es gibt einfach zu wenige Betten.
Islamic Relief besucht die Krankenhäuser regelmäßig und versorgt sie mit medizinischen Geräten. Doch was wird erst geschehen, wenn der Treibstoff ausläuft und die Generatoren nicht mehr funktionieren?
Wenn ich mich setze um meine Gedanken zu sammeln und einige Zeilen in mein Tagebuch zu schreiben, ist mein Kopf manchmal einfach leer. Es ist so schwer, das Ausmaß des Leidens hier in Gaza zu begreifen.
Oft fehlen mir die richtigen Worte um das Geschehen zu beschreiben.

Standard Podcast [1:53m]:
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Der Islamic Relief Mitarbeiter Hatim Schurab berichtet uns täglich von der Lage in Gaza.
Donnerstag, 08.01.2009
Während ich dieses Tagebuch schreibe erfahre ich, dass eine palästinensische Familie in einem Flüchtlingslager im Norden Dschabaliyas bei einem Bombenangriff auf ihr Haus getötet wurde.
Jedes Kind, das getötet wurde, liebte es zu spielen, wie jedes andere Kind auf der Welt. Jedes Kind, welches starb, hatte eine Familie, die es liebte.
Unser Hilfsteam erfuhr heute auch, dass die Väter von drei Kindern, die an unserem psychologischen Unterstützungsprogramm teilnehmen, getötet wurden. Nun sind sie Waisen.
2.000 Kinder nehmen an dem Programm teil. Unser Ziel ist es, die Kinder bei der Verarbeitung des Erlebten und ihrem Verlust von Familienmitgliedern zu helfen.
Ich frage mich, welchen Einfluss der Verlust ihrer Väter auf diese drei Kinder längerfristig hat.
Doch es gibt auch gute Nachrichten. Wir konnten die Verteilung von Hygieneartikeln und Decken an drei der UNRWA Schulen fortsetzen. Außerdem bereiteten wir eine Liste mit benötigten Medikamenten für die Krankenhäuser vor und versuchen einen Weg zu finden, die Medizin nach Gaza bringen zu lassen.

Standard Podcast [2:03m]:
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Der Islamic Relief Mitarbeiter Hatim Schurab berichtet uns täglich von der Lage in Gaza.
Mittwoch, 07.01.2009
Heute hatten wir einige Stunden Ruhe. Für drei Stunden konnten wir Hilfsgüter verteilen ohne Angst vor Beschuss zu haben.
Ein Islamic Relief Team besuchte die Kinderklinik um die Ärzte mit medizinischen Gegenständen wie Operationsbesteck, Verbänden, Scheren und anderen Geräten auszustatten, die ständig benötigt werden. Außerdem brachten wir Seife und andere Hygieneartikel sowie Decken zu den Unterkünften der UN. Die Menschen waren froh, Entwicklungshelfer zu sehen, die ihnen Hilfsgüter bringen. Insbesondere freuten sie sich über die Decken, denn es ist sehr kalt in Gaza.
Wir besuchten auch ein Gebäude in der Nähe des Internationalen Roten Kreuzes, in dem 200 Menschen untergekommen sind.
Viele Leute fragten mich, ob ich ihnen sagen könne, wo es sicher sei. Ich konnte ihnen keine Antwort geben.
Derzeit berät unser Team, wie wir mehr Hilfsgüter nach Gaza bringen und die Dinge verteilen können.

Standard Podcast [1:54m]:
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Der Islamic Relief Mitarbeiter Hatim Schurab berichtet uns täglich von der Lage in Gaza.
Dienstag, 06.01.2009
Ein Team von Islamic Relief besuchte eine der UN Schulen, welche als Notunterkunft für Familien umgebaut wurde, die vor den Bombardierungen geflohen sind. Die Menschen, die ich dort traf befanden sich genau in der Feuerlinie und mussten ihre Häuser verlassen. Ich war überrascht, so viele Frauen und Kinder in der Schule zu sehen – und besorgt.
Unser Islamic Relief Team entschied sich, den Menschen hier Nahrungsmittel zu bringen, wir haben keine andere Wahl – egal wie gefährlich die Situation auch ist.

Standard Podcast [1:24m]:
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