Gott und Mensch

(Ein Projekt von VDM e.V.)

Ja, er geht sogar ein paar Schritte zurück, setzt sich genauso wieder hin wie vorhin, um dem Wolf direkt in seine hässliche Visage blicken zu können, dessen Augen in der grauen Nacht funkelnd, ihn herablassend von unten bis oben, von oben bis unten beschatten.
Die Augen des Hasen sind auch nun ganz andere geworden: neutral, gänzlich seine Art. Aus ihm kommen keine grellen Worte hervor, wie: „Ich habe keine Angst vor dir!“ und es sagt auch nicht der Wolf monströs: „Mach Platz oder ich fresse ich dich auf!“ Nein, jetzt stehen sie sich wirklich gegenüber und können sich gegenseitig anschauen, können sich gegenseitig in die Augen sehen und fühlen, wie der andere den anderen fühlt.
Zeit vergeht, Winde auch.
„Ich will, dass du gehst“, sagt der Hase bestimmend, „ ich will, dass du die Welt von dir selbst und deinen Lastern befreist! Nie wird sie dir gehören und nie wirst du Gewalt der Welt werden! Gewöhne dich daran, so sehr viel Macht du auch haben magst!“ Träume!, beseelt von Poesie und heroischem Glanz und dem ganzen bla-bli-blubb, um einmal wieder zurückzukehren in die Handlung…
…antwortet der Wolf, aber auf seiner unverständlichen Sprache.
Es war eine Antwort, die Olja nicht verstand oder auch nicht mehr ins Bewusstsein rufen konnte, dennoch glaubte sie, den Wolf verstanden zu haben, was ich voraussetzen muss, das war ja das schöne Problem! Na ja.
Ihr Gespräch dauert an.
Zeit verstreicht, die Stimmung auch.
Der Wolf wird immer zorniger. Sein Knurren wird bestialischer, seine Zähne brennen vor Raserei, seine Krallen brechen aus seinen Pfoten heraus. Der Wunsch, den Hasen zu zerfleischen, wütet in ihm. Zeitgleich taucht sein Rudel auf, die gierigen Mitläufer. Noch verstecken sie sich vorsichtig hinter ihm, ihrem Führer, dem – so muss man es nennen – Menschheitsideal und wollen nur eins, den Hasen töten.

 
icon for podpress  Standard Podcast: Play Now | Play in Popup | Download

No Comments :(