Nicht lange und alle Befürchtungen werden wahr. Der Feind kommt, er rückt immer näher.
Sie kommen.
Obwohl die Furcht des Hasen, mit den Winden fort getragen, schon aus kilometerweiter Ferne her zu wittern ist, obwohl der Hase die Gefahr in jedem seiner Haarwurzeln spürt, er bleibt stehen. Er bleibt stehen und will sehen, will wissen, wer da kommt, wer entgegen der Gerechtigkeit sein Urteil fällen will, wer sich da heranschleichen will und er ahnte es, der Wolf. Der Wolf, dessen Gestalt von dunkler Machenschaft ist, erscheint in seiner Art der Vollkommenheit. Seine Statur, sein Stehen, sein Stolz und seine mächtige Manier zu Schreiten, werfen schwarze Schatten auf alle Ruinen, werfen eine schwarze Seele auf den Körper des Hasen.
Nun stehen sie sich gegenüber.
Der Wolf schnaubt seine unausstehliche Abscheu dem Hasen entgegen, der zunächst ängstlich zu seiner Majestät hinaufblickt und vor lauter Angst nichts sehen kann. Seine natürliche Furchtsamkeit vor dem Sterben will ihn dazu bringen, weg zu hoppeln, so schnell es geht, doch er kann es nicht.
Er will seine Augen zukneifen und sich am liebsten verstecken, sich in die Erde eingraben und sich am liebsten mit Lehm, Stein und Fels zu decken.
Er will am liebsten sich vor den Gestalten des Wolfes und vor dem Wolfe selbst, demütig versenken, sie zu seinen Göttern machen und sich selbst schikanieren, sich selbst schuldig machen, sich selbst für sie opfern, dafür, dass er ein Hase ist, aber auch das kann er nicht.
Denn es hält ihn etwas aufrecht, was für Menschen schon seit Langem unbekannt geworden ist:
Er wendet seinen Kopf zur keiner Seite. Er richtet seinen Blick zur keinem anderen Geschehen. Es ist kein Trotz, dem er folgt, nein, das ist kein Trotz, dem er folgt. Er kennt den Wolf. Er kennt die Wölfe. Warum, deshalb, sollte er sich vor einem Wolf verneigen?
Warum, deshalb, sollte er sich vor einem Tier versenken, sich vor einem Erbfeind verstecken, dessen Achtung, egal, was er täte, nie erreichen würde?
Warum, also, die Mühe?!
Warum sollte er sich bereitwillig dem Tode ausliefern, es seiner Majestät so angenehm wie möglich machen und sich für das Sterben freimachen!? Warum, also, sollte er sich diesem Wolf unterwerfen, sich somit hinknien vor dieser Tatsache und sich seiner selbst schämen, dass er noch lebt, dass er nicht so sein kann, dieselben Eigenschaften besitzen kann, wie er, seine großzügige Hoheit, der Wolf!?
Mensch, er ist doch ein Hase!
Letztlich ein Tier, das sich nur dem einen Schicksal anvertraut, und zwar dem Schicksal, dem er sich verneigt!
Nein, das ist eindeutig kein Trotz, sondern eine Einsicht, die ihm die Natur mitgegeben hat. Er widersetzt sich Niemandem, keinen eindeutigen Erkenntnissen und keinen Gesetzen der Natur. Er hat das Leben, das er in sich trägt.




22:15 on Februar 10th, 2010
Manchmal hab ich das Gefühl, meine Geschichten sind langweilig…