Gott und Mensch

(Ein Projekt von VDM e.V.)

…schließlich bin ich auch nur ein Mensch, der noch eben philosophierte im Philosophieunterricht, feinnervig, seelenvoll den Anderen zuhörte und mit einem zerlöcherten Geist und Gewissen da wieder herausgekommen war, noch lebt am Leben – ich bin nun mal kein Tier, verflucht noch mal! – und forderte sie immer wieder auf: „Nun komm, erzähl, erzähl, nun komm“, wobei Kott immer noch und wieder versuchte die Masse zu Ruhe zu bringen, um überhaupt Organisatorisches erledigen zu können, „nicht“(→Kott).
Sie träumte von einer furchtbaren Kriegssituation, so begann sie:
Der Tag war die Nacht, es rauchte, bombte, schrie und knallte überall.
Der Schwefelgeruch, der Schweiß, Ekel, die Nässe des Sterbens, alles lag kalt, verstreut in der Luft, wehte frisch um ihre taub gewordene Traumfigur, also um ihre Figur im Traum. Ihr war schwindelig und besonders wunderte sie sich über ihren Körper, nachdem sie sich von oben bis unten prüfte. „Ich war ein Hase!“, realisierte sie und ihre Augen weiteten sich.
Mit süßen langen Ohren, den großen Knopfaugen, der Stupsnase und den dazu passenden Pfötchen, dachte ich. Trotz der Schlaffheit in mir, versuchte ich eine Reaktion hervorzurufen, die war wie Folgende:
Große Augen.
Für mich war es aber interessant!
Interessant, wirklich, es war für mich interessant, denn ich höre gerne zu und versuche Solches oder Ähnliches zu analysieren, in ihre Bestandteile aufzuteilen, später dann wieder zusammenzusetzen, um mein Gegenüber, ob er es will oder nicht, besser verstehen zu können.
Ich weiß nicht, ich denke, ich habe ihr nicht mit großen Augen diesen Eindruck vermitteln können, aber sie erzählte ja weiter, das ist schon mal was:
Mit schönem, weißem Fell und den Schnurrhaaren oder wie nennt man die Dinger, die unter der Stupsnase wachsen.
Ich wusste es selbst nicht mehr.
Na ja, egal: Es schmerzte und tobte. Der Tod hastete und wütete überall. So wie Träume sind, sah sie keine Menschen, es war niemand mehr da, ja, nicht einmal ein Toter oder eine Leiche oder ein Zombie oder zersetzte Leichenteile oder zerfleischtes Aas saß da, lag dort, ächzte und krächzte auf der Straße herum! Der Traum war grau, braun, blau, gelb, weiß, schwarz, kalt. Nicht einmal wagte ein Lüftlein sich zu regen, noch wollte der Lärm Ruhe geben.
Stiller Segen zwischen ruhenden Gassen, das Sterben in der Welt im Hintergrund, eine Furcht im Hasen, eine begründete Furcht auf einsamen Straßen.

 
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