This entry was posted on Sonntag, November 8th, 2009 at 13:25 and is filed under Muslima, Podcast. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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Meine Topfpflanzen VII |
8 Nov |
Ich fiel von allen Wolken. Mein Weltbild bzw. mein Bild von den beiden bzw. meine positive Einstellung zu ihnen drohte zu kippen. Der Asylantenkaktus, ach, sollte ich ihn wirklich tatsächlich einbürgern oder doch viel lieber meiner Schwester zurückgeben? Er machte mir so viele Sorgen. Er ist auch schon wieder gewachsen und hat sich gut erholt. Und meine Schwester würde es wohl freuen, wenn der Kaktus so wohl ernährt und fit wieder zurückkäme, oder nicht? Mich störte er nicht, aber seine grundsätzliche Depression und Müdigkeit ging mir allmählich auf die Nerven. Man muss ja überhaupt sehr viel Geduld mit Pflanzen haben und die habe ich ja und will sie ja immer aufwenden für sie.
Sonst hätte ich nicht so viele hier in meinem Zimmer. Aber das, das schockiert mich. Und ich wende ja Zeit für sie auf. Ich kümmere mich ja um sie, so gut wie es geht. Ich gebe ja mein Bestes. An mir kann es nicht liegen.
Ich versuchte vergeblich, zwischen den Pflanzen eine konstruktive Beziehung aufzubauen, aber sie wollten irgendwie nicht aufeinander zu kommen. Jeder blieb für sich, isolierte sich vom anderen und dagegen kann ich ja nichts machen. Ich kann schließlich nicht Jeden zu seinem Glück zwingen. Wenn nicht alle Pflanzen der Meinung waren, dass sie aneinander eine Bereicherung sein könnten, gut, dann lassen wir das eben. Mir wäre es dennoch lieber gewesen, wenn sie sich nicht angifteten, aneinander vorbeileben ist auch gut. Aber das taten sie nicht, die beiden jedenfalls nicht. Und gleich, wie ich mich um die kleine Pflanze kümmerte, ich merkte, dass es der zweiten Topflanze missfiel. Es gefiel ihr nicht, dass ich mich um sie kümmerte und es gefiel ihr sehr wohl, wenn ich sie „vergaß“. Ich spürte regelrecht ihren Schatten, den sie auf die kleine Pflanze warf und sagte ihr, dass sie das bitte nicht tun sollte. Sie sollte ihren Schatten nicht auf andere werfen. Das interessierte sie nicht, stattdessen wuchs heiter weiter heran, was mich zum einen erfreute, zum anderen wieder stutzig machte. Denn dadurch erschien sie mir arroganter zu werden. Aber ich konnte ja nichts dagegen machen, außer der kleinen Topflanze zum Wachstum zu verhelfen.
Dem Asylantenkaktus war das ja alles egal. Er mischte sich in diese Konfrontation nicht ein. Er blickte weiterhin so trist und müde in die Luft hinein. Von ihm konnte nichts Böses kommen. Ich verstand auch nicht, was ihm fehlte. Ich entschuldigte ihn. Er hatte genug Narben, gegen die er zu kämpfen hatte. Sich da noch zwischen Fronten stellen, wozu auch? Schlichten konnte und wollte er wohl nicht und der Schatten der zweiten Topflanze wuchs immer weiter heran. Wie gesagt, ich versuchte, der kleinen Topflanze zum Wachstum zu verhelfen. Doch sie wuchs nicht. Sie stand dar in ihrer kleinen Tasse und bekam mehr und mehr keine Luft mehr. So kam mir das jedenfalls vor. Ich versuchte, auf sie gut einzureden, sie an alte Zeiten zu erinnern, mehr konnte ich ihr nicht bieten. Was hätte ich ihr denn sonst noch bieten können, außer Wasser und Zuwendung? Ich habe doch nichts. Ich hätte aber gerne so viel gehabt. Aber selbst das tröstete sie nicht.

Eine wahre Geschichte.
Von Emine-E
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