Gott und Mensch

(Ein Projekt von VDM e.V.)

Frau Mann ist eine Person schon fast unbeschreiblich. Weswegen beschreibe ich sie dann noch? Aber Frau Mann, sie ist, sie ist einfach mal da gewesen.
Gesehen hatte ich sie ein letztes Mal im Park. Frau Mann geht gerne in den Park, vor allem wenn die Sonne scheint oder auch nicht scheint, na ja, sie geht nun mal gerne in den Park. Dort sieht man sie aber nicht, selbst Hunde schnüffeln sie nicht, die fröhlich froh in jede Ecke pinkeln, weil Frau Mann ein alter Frau ist, also alt ist. Sie hat ganz hängende Haut, einen hängenden, dicken Mund und keine Farben mehr in den Augen. Sie sind nicht weiß, die Augen, ich weiß selbst nicht, wie ich es sagen soll, aber ihre Augen sind farblos, nur noch eine dünne Schicht von Augapfel, man kann in die Augenhöhlen blicken und ihre Adern sehen, die noch leicht angepumpt werden und gerade mal schweres, dickes, dunkles Blut durch die Bahnen pressen. Es sieht so aus, als hätte sie nun mal keine Augen und würde sie deswegen geschlossen halten, aber auch nur dann, wenn es unnötig gewesen wäre, sie aufzuhalten, da ihre Augenlider zu schwer erscheinen, um sie permanent auf- und zu zuschlagen.. Aber es ist auch so schwer zu sagen, ob sie überhaupt noch etwas sehen könne, denn man sieht ja nichts, ob sie sehen kann oder nicht, also ob sie Augen hat oder nicht.

Auf jeden Fall, ihre Augen sind farblos. Ebenso, wie auch alles an ihr hängen mag, hängen auch ihre Nase und ihre großen Ohren weit hinunter und baumeln über der Erde. Es sieht manchmal so aus – und ich glaube, dass wenn Frau Mann nackt gewesen wäre, das es auch so ausgesehen hätte -, als ob ihr ganzer Körper auseinander fließen wollte, jede Falte über die andere Falte anders gestapelt war, die Erde, Frau Mann zu sich rufen würde. Aber Frau Mann bleibt tapfer, hält sich wacker und will nicht auf der Erde kleben bleiben. Obwohl, Frau Mann ist alt und Niemand sieht sie mehr, selbst die Hunde haben aufgehört, an ihr herum zu schnüffeln und pissen stattdessen fröhlich frei in der Gegend herum. Aber das kümmert Frau Mann wenig, nein, Frau Mann interessiert sich nicht für dicke Scheiße von Hunden. Sie setzt sich auf eine Bank hin und wartet auf ihren Herrn Frau. Aber der kommt nicht mehr, der kam nur einmal und hatte auch so buntlose Augen im Kopf wie sie und bei ihm hing auch die ganze Haut irgendwie auf dem Boden und den sah auch keiner, den wollte kein Hund beschnüffeln und anpinkeln!

Wie er weiter ausgesehen hat, weiß ich nicht mehr, ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ich hab ihn auch nur einmal gesehen, wie sie da so auf der Bank gesessen haben, keiner sie ansah, sie selbst sich nicht gegenseitig ansahen oder redeten. Sie stützen sich mit ihren zerbrechlichen Fingern und Armen von der Bank ab, damit die Haut nicht so aufeinander fiel, saßen gebeugt und standen dann gebeugt wieder auf, wenn es dunkel wurde und sagten nichts zu gar nichts, obwohl, wenn man genau hinhört, die Erde sie immer fort zu sich ruft, sie aber sich tapfer halten, wacker bleiben, nicht auf der Erde kleben bleiben wollen und voneinander fort gehen, ohne dass einer sie gesehen hätte und die Welt ist blind für sie, obwohl, sie wollten nie alleine bleiben, denn sie haben Angst, dass sie alleine sind, in dem Moment, wo die Erde leichten Hunger bekommt, ihren Mund aufmacht und sie auffressen will. Deswegen laufen sie nur immer zu den ganzen Tag und halten sich an Sachen fest, an denen man sich nicht feste halten kann.

Von Emine-E

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