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Gott und Mensch » Blog Archive » Muhammad, ist ein Vorbild aber keine Erinnerung

Gott und Mensch

(Ein Projekt von VDM e.V.)


Kann ein Muslim den Propheten als ein “Andenken” betrachten?

Andenken sprechen für das “Vergangene” bzw. “nicht mehr Existierende oder Vergängliche”. Sollte der Prophet etwa aufgrund dieser Merkmale von einem Muslim nur gedenkt werden?


Hierbei sei erwähnt, dass jede Art des “Gedenkens” ein verborgenes Geständnis in sich trägt, nämlich die gedenkte Person bereits vergessen zu haben. Gerade wenn diese Person im Zentrum des Lebens steht, kann vom “Gedenken” absolut nicht die Rede sein. Jemanden zu gedenken, ruft Erinnerungen hervor. Das Erinnern ist zwar eine gute Tugend, doch sich allein mit dem Erinnern zu vertrösten, insbesondere wenn es hierbei um den Propheten geht, sollte uns zu denken geben.

Allah hielt uns darauf an, dem Propheten nachzugehen. Denn er hinterließ dahinschreitend als “menschlicher Prototyp” Spuren auf der Erde. Demzufolge darf keinesfalls Allahs Wesen unser Vorbild sein. Unsere Liebe gegenüber dem Wesen Allahs, sollte durch den Gehorsam an unseren Propheten unter Beweis gestellt werden. Sprich: “Wenn ihr Allah (wahrhaft) liebt, so folgt mir, dann wird Allah euch lieben und euch eure Sünden vergeben … (Sure 3, Vers 31).


Alle Völker, deren Untergänge durch den Qur´an beschrieben werden, geben in der Verleugnung ihres “menschlichen Gesandten” ein gleichartiges Verhalten zu erkennen. Daneben berichtet uns der Qur´an, dass sie ihren Gesandten mit solcher Widerspruch “Sollte uns nicht etwa ein Engel gesandt werden?” ablehnten.

Zwei Dinge werden hierdurch zum Ausdruck gebracht:

1. Dass die leugnenden Völker eine Abneigung zum Glauben hatten. Ihre blumigen Worte zeigen schließlich den Versuch einer billigen Ausflucht. Denn damit wollten sie auf folgende Aussage hinaus: “Wir lassen unsere Lebensweise nicht umstellen.” Die Handlungsweise eines Engels kann vom Menschen aufgrund der augenfällig abweichenden Wesensart nicht als ”Ideal” erfasst werden. Wäre jedoch tatsächlich ein Engel gesandt worden, so käme dieser Einwand von ihnen: “Das ist ein Engel, wir sind Menschen; Wie sollten wir ihn uns zum Vorbild nehmen?”

2. Dass die leugnenden Völker gänzlich das Vertrauen an die Menschheit verloren hatten. Man betrachte ihre Äußerungen: “Sollte uns nicht etwa ein Engel gesandt werden?” Dies spiegelt ihr Inneres wieder, nämlich jeden wie sich selbst zu betrachten. Sie irrten dermaßen vom Wege ab, dass aufgrund dessen ihr Vertrauen an die Menschheit von Grund aus verloren ging.

So wie unser Prophet Muhammad für einen Muslim nicht eine bloße “Erinnerung” sein kann, können und dürfen die “Geburtstagsveranstaltungen”, die zu seiner Ehren heutzutage abgehalten werden, nicht als einfach und freundlich gedachte “Gedenkfeiern” enden.

Die von der DITIB organisierten öffentlichen Wochen-Veranstaltungen zum prophetischen Geburtstag, welche anfangs im Rahmen einer Woche stattfanden und nun mit kontinuierlich steigender Tendenz nahezu den gesamten April über dauern, könnte man inzwischen als Monats-Veranstaltung bezeichnen. Die Kapazitäten der Moscheen, Hallen und sogar der Stadien werden längst strapaziert.

Dieses Jahr wurden die Feiern umbenannt.

Mit einer bedeutungsvollen Geste wird der “prophetische Geburtstag“ von nun an unter dem Namen “Propheten-Woche” zelebriert.

Die Karikaturen letzten Jahres, die in Dänemark ihren Ursprung hatten und in vielen westlichen Hauptstädten veröffentlicht wurden, gliederten den letzten Propheten der Menschheit in die globale Tagesordnung ein.

Dieses Ereignis formte sich von einem mickrigen Übel schlechthin zu einer lückenlosen Wohltat. Die Beziehung zwischen den Muslimen und Muhammad - eine Barmherzigkeit für alle Welten - wurde somit aufgefrischt.

Der Westen konnte die Reaktion der Muslime nicht nachvollziehen. Und wir konnten es nicht nachvollziehen, weshalb der Westen es nicht nachvollziehen konnte.

Die Ursache dafür liegt darin, dass wir den christlichen Westen mit einem ihm zugewiesenem Propheten auffassen. Indessen ist der christliche Westen (ich spreche nicht vom atheistischen Westen) fern von einer unserem Glauben gleichkommenden “Prophetenvorstellung”. Weil sie den Prophet Jesus vergöttlicht haben, sind sie heute ohne einen Propheten. Im Glauben an die Dreieinigkeit erscheint der Glaube an einen Propheten überflüssig. Deshalb können sie eine prophetische Religion, Gesellschaft und Person nicht mehr verstehen.

Sie konnten die Liebe von uns Muslimen, die wir für Propheten im Herzen hegen, nicht nachvollziehen. Sie konnten genauso wenig nachvollziehen, dass sich Muslime über  herablassende Handlungen, die im Westen seinerzeits gegenüber der heiligen Maria hervorkamen, empören konnten. Man konnte dies auch durch ihre Haltung im Hinblick auf die abfälligen Karikaturen feststellen: “So macht doch das gleiche auch mit Jesus, dann sind wir wieder quitt”.

Währenddessen gab es auf unserer Seite - wie üblich - Menschen, die davon ein Gewinn erzielen wollten. Man betrachte alleine den drastischen Anstieg hinsichtlich der Publikationen über unseren Propheten. So wie Molla Nasreddins Topf, brachten alte Bücher neue Bücher zur Welt. Autoren, die ohne jegliches angelesenes Grundwissen Werke über das Leben des Propheten verfassen, vermögen sich keine Grenzen mehr zu setzen. Werke, die fern von einer durch die göttliche Offenbarung errichteten Prophetenvorstellung verfasst worden sind und zur Wahrheit und Quelle bedenkenlos keine Treue bewahren.

Dabei ist das Unheilvolle an dieser Begebenheit, dass die Rühmung des Propheten zu einem Wettkampf umgestaltet wird. Wenn der Wer-wird-ihn-in-höherem-Maße-loben-Wettkampf aus seiner Bahn gerät, wird die Absicht, den Propheten vorzustellen, zu einer Vermarktung umgewandelt. Am meisten leidet die göttliche Offenbarung darunter, die es zum Ziel hat, eine gesunde Prophetenvorstellung zu errichten. Während der Zweck verfolgt wird, den Propheten vorzustellen, wird der Prophet in einen unvorstellbaren Zustand gebracht. Das “Vorbild”, das ALLAH uns vorstellt, damit wir in ihm die geschätzten Werte entdecken sollen, stellen wir gnadenlos und in unverschämter Art und Weise frei zur Vermarktung.

Jetzt sollten folgende Fragen beantwortet werden: Ist unser Prophet tatsächlich darauf angewiesen, dass wir ihn loben, oder sind wir darauf angewiesen, ihn als Vorbild in unser Leben einzuflechten? Wenn das Letztere nicht verwirklicht wird, wäre das Erstere etwa keine “spirituelle Korruption”? Ferner ist er mit seinem Namen und seiner Ehre bereits “gelobt” worden. Er wurde von ALLAH gelobt. Er hat unseren Lob nicht nötig, wir jedoch haben es nötig ihn als Leitbild zu nehmen. Warum also diese Verhaltensweise bei einer solchen Ausgangssituation?

Wir werden noch zu einem späteren Zeitpunkt mit der Frage fortsetzen, wie wir das “gute Vorbild” in unser Leben übertragen können.

Mustafa İslamoğlu
Übersetzung durch: VDM eV. 

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